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Jodversorgung Giessener Schüler

Iodine supply of Giessener students

Schlegel, Andrea Anja


pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.703 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Jodversorgung von Schülern , Jodmangel
Freie Schlagwörter (Englisch): Iodine supply of students , lack of iodine
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.07.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 08.09.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Weltweit sind immer noch etwa 800 Millionen Menschen vom Jodmangel betroffen.
International durchgeführte Studien belegen auch bei Schulkindern der Grundschulen einen Jodmangel. Bisher wurden keine flächen deckenden Studien mit Schulkindern im Bundesland Hessen durchgeführt. Die hier vorliegende Studie hat das Ziel, den aktuellen Jodversorgungsstatus von Schulkindern in der Stadt Giessen und Umgebung in Abhängigkeit von möglichen Einflussfaktoren zu erfassen.
In der Studie wurden 256 Urinproben und Fragebögen von Schülern und Schülerinnen der Klassenstufen drei und vier, die im Jahr 2006 Grundschulen im Raum Giessen besuchten, untersucht. Insgesamt beteiligten sich 141 Jungen und 115 Mädchen im Alter von 8 bis 11 Jahren. Die Jodkonzentration in den Urinproben wurde mithilfe der Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC) bestimmt. Der Fragebogen erfasste Nahrungsgewohnheiten und den Sozialstatus der Eltern der Probanden. Die Statistische Auswertung erfolgte mit dem Programm SAS Version 9.13 für Windows.
Der Median der Jodkonzentration im Urin wurde mit 122.9 µg Jod / g Kreatinin bestimmt. Es fand sich mit 17.9 µg Jod / g Kreatinin die niedrigste Jodkonzentration im Urin und mit einem Wert von 365.2 µg Jod / g Kreatinin die höchste Konzentration an Jod im Urin. Von den 256 untersuchten Schülern sind 65,6 % ausreichend bis sehr gut mit Jod versorgt. Unter die Jodmangelkriterien der WHO fallen 34,4 % der Schüler. Der Verzehr von Seefisch sowie die Häufigkeit der Aufnahme von Milch und Milchprodukten hat in den untersuchten Fällen keinen Einfluss auf die Jodversorgung. In der überwiegenden Zahl der Haushalte der Probanden wird Jodsalz verwendet (95,8 %). Schulabschluss und Arbeitsstelle der Eltern haben keinen signifikanten Einfluss auf die Jodversorgung des hier einbezogenen Kollektivs von Schülern. Bei der Wohnsituation lässt sich ein Unterschied in der Jodversorgung zwischen Familien mit Mietwohnungen und Familien mit Eigentum darstellen. Von den Probanden mit Jodmangel leben 64,4 % der Familien in einem Mietverhältnis und 35,6 % in Wohneigentum. Bei den Probanden mit einer ausreichenden Jodversorgung sind es 46,5 % mit einem Mietverhältnis und 35,6 % mit Wohneigentum. Für die Befragung und medizinische Untersuchung nach sozialstrukturellen und ernährungspolitischen Gesichtspunkten wurden 4 Grundschulen ausgewählt, die sich nach ihrem Ausländeranteil sowie ihrer Lage im Stadtgebiet Giessen voneinander unterscheiden. Nach der geographischen Lage befinden sich die untersuchten Schulen im Westen und Osten sowie im Zentrum der Stadt Giessen und werden zu etwa gleichen Teilen von den Probanden besucht. Die Schüler der 2. Schule (Ostteil der Stadt) sind mit einen Jodmangelanteil von 12.5 % (n=9) am besten versorgt. Bei der 3. Schule sind die Hälfte der Schüler (53,2 %, n=42) unzureichend mit Jod versorgt. Die Durchführung einer logistischen Regressionsanalyse mit den unterschiedlichen Schulen und dem Wohnverhältnis der Eltern bestätigte, dass es deutliche regionale Unterschiede in der Jodversorgung im Raum Giessen gibt. Die Familien der Probanden der Schule 3, welche im sozial eher benachteiligten Stadtteil Innenstadt/Nord gelegen ist, zeigen den höchsten Anteil von Mietverhältnisseen und die jeweiligen Probanden sind am schlechtesten mit Jod versorgt. Dieses Ergebnis deckt sich mit dem Giessener Armutsbericht von 2000. Auch in den für die Stadt Giessen erstellten Sozialstrukturdaten zur Beschreibung der Lebenslage von Kindern, Jugendlichen und Familien wurde auf die Giessener Innen- und Nordstadt, als Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf hingewiesen. Im Giessener Armutsberich von 2000 fand sich im Gebiet der Innen- und Nordstadt mit 18,5 bis 21,2 % der höchste Anteil an Hauptschulabschlüssen unter den Schulabgängern. Die Kariesverteilungs- und Häufigkeitsstudie aus dem Jahre 1999/2000 in der Stadt Giessen und Umgebung zeigte mit mehr als 30 % der Grundschulkinder in der Innen- und Nordstadt die höchste Inzidenz und Prävalenz von Karies. Die Ergebnisse machen deutlich, dass noch weiterhin Maßnahmen ergriffen werden müssen, um eine gleichmässig gute Gesamtversorgung der Bevölkerung zu erzielen. So ist Jodmangel bisher kein Bestandteil von Einschulungsuntersuchungen. Wäre diese der Fall könnten vorhandene Mangelerscheinungen rechtzeitig erkannt, und entsprechende Empfehlungen an Eltern und Schule gegeben werden. Eine Verwendung von Jodsalz bei der Produktverarbeitung und Produktherstellung von Fast Food könnte dazu beitragen die Jodlücke zu verringern. Richtet man die Pausenverpflegung in den Schulen an den Vorschlägen der DGE aus und weckt im Unterricht Motivation und Mitarbeit, unter Einbezug der familiären Herkunft von Kindern, ihrer Ziele und Einstellungen, dann sollte es durchaus möglich sein, den Ernährungszustand, das Ernährungswissen und das gesundheitsrelevante Verhalten auch in unterprivilegierten Bevölkerungsteilen stärker als bisher zu fördern. Zur Überprüfung der Jodversorgung sollte in regelmäβigen Abständen ein flächendeckendes, repräsentatives Jod-Monitoring durchgeführt werden.
Kurzfassung auf Englisch: Approximately 800 million people world-wide are still affected by iodine deficiency.
International studies demonstrate iodine deficiency of students of elementary schools. Up to now, an area-wide study with students of elementary schools in the federal state of Hessen has not been carried out. The study on hand has the objective to record the current iodine supply status of students in the city of Giessen and its surroundings subject to possible influence factors.
256 urine samples and questionnaires of third and fourth grade students who have been attending elementary school in the area of Giessen in the year 2006 have been analyzed for this study. A total of 141 boys and 115 girls at the age of 8 up to 11 have participated. Urinary iodine concentration in the samples was determined by high performance liquid chromatography (HPLC). The questionnaire has registered nutrition habits and the social status of the test persons’ parents. The program SAS version 9.13 for Windows has been used for the statistic evaluation.
The median of the urinary iodine concentration was 122.9 µg iodine / g creatinine whereas 17.9 µg iodine / g creatinine was the lowest and 365.2 µg iodine / g creatinine the highest concentration of urinary iodine. Iodine supply of 65.6 % of the 256 examined students has been sufficient to good. 34.4 % of the students meet the iodine deficiency criteria of WHO. The consumption of fish as well as the frequency of ingesting milk and milk products has no influence on the iodine supply according to this evaluation. Iodized salt is used in most of the households of the test persons (95.8 %). Graduation and job of the parents does neither have a significant influence on the iodine supply of the involved students.
With regard to domestic circumstances, a difference in iodine supply may be displayed among families living in rented apartments and families living in their own property. Among the test persons with iodine deficiency, 64.4 % of the families live in rented apartments and 35.6 % in their own property. In case of test persons with a sufficient iodine supply, 46.5 % live in rented apartments and 35.6 % in their own property. Four elementary schools that vary in their number of immigrants as well as in their location in the urban area of Giessen have been selected for the questioning and medical evaluation of social structural and nutrition political aspects.
The test persons have attended schools located in the west and east as well as in the centre of the city of Giessen. Students of school no. 2 (eastern town) are supplied best, only 12.5 % (n=9) of the students suffer from iodine deficiency. Half of the students of school no. 3 are not sufficiently supplied with iodine (53.2 %, n=42).
The implementation of a logistic regression analysis including the different schools and the domestic circumstances of the parents shows regional differences in the iodine supply in the area of Giessen. Most of the families of the test persons of school no. 3 that is located in the rather deprived district downtown/north live in a rented apartment and the test persons from this area are worst supplied with iodine. This result is congruent with the report on poverty in Giessen of 2000. Also social structural data provided for the city of Giessen in 1999 describing the circumstances of children, juvenile persons and families and social structures relating to districts has suggested that downtown and the northern part of Giessen are districts with a specific need for development. The report on poverty in Giessen of 2000 has shown that the highest share of school graduation can be found among the students living in downtown and the northern part of the city with a share of 18.5 up to 21.2 %.
A study about the distribution and frequency of cavities of the year 1999/2000 in the city of Giessen and its surroundings has also shown the highest incidence and prevalence of cavities downtown and in the northern part of the city (more than 30 % of the elementary students). The results of the evaluation on hand show clearly that measures still have to be taken to reach a consistent sufficient supply of provisions of the population. Iodine deficiency has not been part of the examinations taken before entering school yet. Otherwise, existent deficiencies could be discovered on time and corresponding recommendations could be given to parents and schools.
Consumption of processed food as well as fast food has clearly increased with children and juvenile persons in the last years. The use of iodized salt at the processing and production of products could thus add to reduce the lack of iodine.
If snacks at schools were according to the propositions of the German nutrition corporation (DGE) and motivation and cooperation in this regard was inspired during school lessons considering the social background of children, their objectives and attitudes, it should be absolutely possible to improve the nutrition situation, the knowledge about nutrition and the behavior with regard to health also in underprivileged parts of the population more than before. An area-wide periodic representative iodine monitoring should be carried out to check the iodine supply on a regular basis.