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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/7110/


Lebensqualität von substanzabhängigen Ärztinnen und Ärzten

Quality of life of addicted physicians

Lippert, Svenja


pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.961 KB)

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SWD-Schlagwörter: Lebensqualität , Drogenabhängigkeit , Arbeitszufriedenheit , Berufswahl , Zufriedenheit , Gesundheit , Psychische Gesundheit , Prävention
Freie Schlagwörter (Deutsch): Substanzabhängigkeit , Lebenszufriedenheit , Ärzte , Belastung , Stress
Freie Schlagwörter (Englisch): addiction , life satisfaction , physicians , dissatisfaction , quality of life
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Psychosomatische Medizin, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.06.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 10.08.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Der Fragebogen zur Lebensqualität von Ärztinnen und Ärzten (Reimer & Jurkat), den 142 substanzabhängige Ärztinnen und Ärzte während ihrer Suchttherapie in den Oberbergkliniken ausgefüllt haben, beinhaltet Variablen, die als Prädiktoren für Suchtverhalten bzw. Suchtgefahr mit zum Teil hochsignifikanten Ergebnissen eingesetzt werden können. Dabei ist die Lebensqualität der substanzabhängigen Ärzte in den Bereichen Gesundheit und Lebenszufriedenheit im Vergleich zu nicht-süchtigen noch weitaus stärker reduziert als in den Bereichen Arbeitszufriedenheit und Berufswahl. Nur wenige sind außerordentlich zufrieden mit ihrem Leben, während die meisten noch große Unzufriedenheit äußern. Völlig unreflektiert mit beruflicher Identifikation dominiert die Arbeitszufriedenheit vor der Lebenszufriedenheit. Diese Zusammenhanglosigkeit führt in die Isolation, Unruhe und Sucht, und ihre Partnerschaft leidet nicht nur berufsbedingt, sondern auch aufgrund insuffizienten, introvertierten Suchtverhaltens bei unterdurchschnittlicher Scheidungsrate unter Disharmonie, Zeitmangel und fehlenden Interaktionsfähigkeiten sowie körperlicher und emotionaler Distanz und Fremde. Ausgebrannt schließt sich der Teufelskreis der Sucht, der die eigene Person und das Privatleben eigendynamisch zerstört. Da diese Krise eigenmächtig kaum bewältigt werden kann, ergeben sich hieraus präventive Überlegungen hinsichtlich eines frühzeitigen, berufsbegleitenden Stresscopings in Form multidimensionaler Psychohygiene, die das Wohlbefinden durch Erlernen von Psychoexploration und Bahnen eines beispielhaften Lebensweges neben der Einstellungsfrage zu Beruf und Freizeit sichert. Das neue Lebensbewusstsein der süchtigen Ärzte sollte Moral jeder ärztlich konformen Lebens- und Berufseinstellung sein, das mit dem Ziel »back to basics« die hohen Ideale zeitnah anpasst und die Selbstwahrnehmung, Psychodynamik und Distanzfähigkeit entgegen der selbst maskierenden beruflichen Wiedererkennung fördert. Dies erfordert nicht nur Suchtakzeptanz, sondern auch einen völlig divergenten Denkansatz.
Vulnerable Persönlichkeiten scheinen in der Medizin ein Kernproblem bei der Stressbewältigung darzustellen, womit die Sekundärprophylaxe ärztlicher Fehleinschätzung sehr bedeutend wird. Anstatt infolge einer auf Erfolg, Ehrgeiz, Vereinnahmung und altruistischer Selbstaufopferung basierenden, zwanghaften, begrenzt erfüllenden Berufung überarbeitet zu resignieren und sich zermürbenden Restgefühlen einer einst idealistischen Berufung bewusst zu werden, schaffen sich die süchtigen Ärzte nunmehr zeitliche Freiräume für positive Gefühle und Ideen, die zu einer persönlichen Entwicklung, ausgeglichenen Lebensweise, einem neuen beruflichen Enthusiasmus und einer verbesserten Attraktivität des Arztberufes beitragen.
Kurzfassung auf Englisch: The Fragebogen zur Lebensqualität von Ärztinnen und Ärzten (Reimer & Jurkat) that 142 substance-dependent physicians completed during their addiction therapy at the Oberberg Clinics includes variables which may be applied as predictors for addictive behaviour or risk of addiction with to some extent highly significant results. In the process, the quality of life of the addicted physicians in the areas of health and life satisfaction in comparison with the non-addicted is very much less than in the areas of work satisfaction and choice of occupation. Only a few are extremely satisfied with their lives whereas most still express great dissatisfaction. With no consideration whatsoever of professional identification, work satisfaction predominates over life satisfaction. This lack of coherence leads to isolation, anxiety and addiction and their partnership suffers not only for professional reasons but also due to insufficient, introvert addiction behaviour, with a below-average rate of divorce from disharmony, lack of time and absent interactive skills as well as from physical and emotional distance and alienation. The vicious circle of addition burns itself out, destroying through self-reinforcement the subject’s own persona and personal life. Since this crisis can scarcely be overcome alone, preventive considerations of how to cope with stress at work emerge in the form of multidimensional psychohygiene, which ensures a sense of wellbeing by learning psychoexploration and the way to an exemplary life in addition to the issue of attitudes to work and leisure time. The new life awareness of addicted physicians should be the ethic of every medically conforming attitude towards life and profession, which adjusts the current high ideals to the aim of getting “back to basics” and promotes self-perception, psychodynamics and the ability to distance oneself against self-masking professional recognition. This not only requires acceptance of the addiction but also a completely divergent approach.
Vulnerable personalities appear to be a core problem in medicine where stress management is concerned, whereby secondary prophylaxis of medical error in judgment becomes very important. Instead of resigning and becoming aware of demoralising residual sentiments about a once idealistic vocation as a result of an obsessive vocation based on success, ambition, engrossment and altruistic self-sacrifice of limited fulfilment, addicted physicians are now creating free spaces in time for positive feelings and ideas that contribute to personal development, a balanced lifestyle, renewed professional enthusiasm and an improved appeal of the medical profession.