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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-71055
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/7105/


Einfluss verschiedener Parameter auf Fertilitätsstörungen in Milchviehbeständen

Müller, Susanne


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler 2009
pdf-Format: Dokument 1.pdf (980 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5426-7
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.05.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 23.07.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden anamnestische, klinische und labordiagnostische Daten von Milchkühen aus 48 Betrieben in Mittelhessen in den Jahren 2002 bis 2004 gesammelt und hinsichtlich potentieller Zusammenhänge zwischen Betriebsfaktoren, Stoffwechselstörungen, dem direkten oder indirekten Nachweis von Infektionserregern und den Bestandsproblemen Aborte, Nachgeburtsverhaltung, Festliegen und Brunstlosigkeit untersucht. Weiterhin wurde überprüft, ob sich die Harnanalyse dazu eignet, Informationen darüber zu erhalten, wie sich die Konzentrationen von Kalzium, Kalium und Natrium im Plasma verhalten.
Folgende relevanten Ergebnisse konnten erzielt werden:
- Der Zusammenhang zwischen der Kalziumkonzentration im Harn und im Plasma war statistisch signifikant (p < 0,001). Dies gilt nicht für die Konzentration der Elektrolyte Natrium und Kalium.
- Herden, in denen Aborte ein Problem darstellen, werden häufiger in Laufstallhaltung gehalten, weisen häufiger eine Geburtsbox auf und werden häufiger gegen das BVD-Virus geimpft (p < 0,05). Weidegang, Tierzukauf, Impfungen gegen das Bovine Herpes Virus 1 und die Nutzung des Natursprunges unterscheiden sich in Betrieben mit und ohne Abortproblematik nicht.
- In Herden, in denen das Auftreten einer Nachgeburtsverhaltung, Festliegen oder Brunstlosigkeit Probleme darstellen, konnten die Aufstallungsform, Weidegang, Tierzukauf, Impfungen gegen das Bovine Herpes Virus 1 und das BVD-Virus sowie die Nutzung des Natursprunges und einer Geburtsbox nicht als Risikofaktor für diese Probleme identifiziert werden.
- In Herden mit einer Abortproblematik werden häufiger Tiere mit Antikörpern gegen das BVD-Virus und Coxiellen gefunden als in Herden, in denen Aborte als Bestandsproblem keine Rolle spielen (p < 0,05). Dieser Zusammenhang ließ sich nicht für die Häufigkeit des Nachweises von Antikörpern gegen Chlamydien, Listerien, Neospora caninum und Chlamydien-Antigen sowie von BVD-Virus-Antigen nachweisen.
- Bestände, in denen Aborte ein Problem darstellen, zeigen keine Unterschiede hinsichtlich der Körperkondition der Tiere, der Plasmakonzentration von Phosphat, Magnesium, Natrium, Harnstoff, Cholesterin, Gesamtbilirubin, dem Nachweis von Acetonkörpern und der Konzentration von Kalium und Natrium im Harn sowie der Aktivität der Aspartat-Amino-Transferase und Glutamat-Dehydrogenase im Vergleich zu Herden ohne erhöhte Abortrate. Signifikante Unterschiede bestanden hinsichtlich der Plasmakonzentration von Gesamtkalzium, Glukose, Triglyzeriden (p < 0,05).
- In Herden mit einer Abortproblematik kommen gehäuft festliegende Tiere vor (p < 0,05). Es konnte kein Zusammenhang mit den gehäuften Vorkommen von Nachgeburtsverhaltungen und mangelhafter Brunstausprägung nachgewiesen werden.
- In Herden mit einer erhöhten Rate von festliegenden Kühen werden häufiger Tiere mit Antikörpern gegen das BVD-Virus gefunden als in Herden, in denen Festliegen kein Problem ist (p < 0,05). Dieser Zusammenhang ließ sich nicht für die Häufigkeit des Nachweises von Antikörpern gegen Chlamydien, Coxiellen, Listerien, Neospora caninum und Chlamydien-Antigen sowie von BVD-Virus-Antigen nachweisen.
- Bestände, in denen Festliegen ein Problem darstellt, zeigen keine Unterschiede hinsichtlich der Körperkondition der Tiere, der Plasmakonzentration von Phosphat, Kalium, Magnesium, Natrium, Harnstoff, Glukose, Cholesterin, Triglyzeriden, Gesamtbilirubin, dem Nachweis von Acetonkörpern, der Kalium- und Natriumkonzentration im Harn sowie der Aktivität der Aspartat-Amino-Transferase und Glutamat-Dehydrogenase im Vergleich zu Herden ohne diese Problematik. Signifikante Unterschiede bestanden hinsichtlich der Plasmakonzentration von Gesamtkalzium (p < 0,05).
- In Herden mit schlechter Brunstausprägung werden häufiger Tiere mit Antikörpern gegen das BVD-Virus gefunden als in Herden, in denen diesen Problem keine Rolle spielt (p < 0,05). Dieser Zusammenhang ließ sich nicht für die Häufigkeit des Nachweises von Antikörpern gegen Chlamydien, Coxiellen, Neospora caninum und Chlamydien-Antigen sowie von BVD-Virus-Antigen nachweisen.
- Bestände mit schlechter Brunstausprägung zeigen keine Unterschiede hinsichtlich der Körperkondition der Tiere, der Plasmakonzentration von Kalzium, Phosphat, Kalium, Magnesium, Natrium, Harnstoff, Glukose, Triglyzeriden, Gesamtbilirubin, dem Nachweis von Acetonkörpern, der Kalium- und Natriumkonzentration im Harn sowie der Aktivität der Aspartat-Amino-Transferase und Glutamat-Dehydrogenase im Vergleich zu Herden ohne diese Problematik. Signifikante Unterschiede bestanden hinsichtlich der Plasmakonzentration von Cholesterin (p < 0,05).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Laufstallhaltung und die Nutzung einer Geburtsbox als Risikofaktor für das Auftreten von gehäuften Aborten gelten können. Dies könnte darin begründet sein, dass in der Laufstallhaltung die Übertragung von Infektionserregern begünstigt wird und Stress durch häufigere soziale Auseinandersetzung zwischen den Tieren einen Fruchtverlust verursachen können. Die Geburtsbox kann, wenn keine fachgerechte Reinigung und Desinfektion zwischen Ausstallung und Neubelegung erfolgt, ebenfalls die Ausbreitung von Infektionserregern begünstigen. Die Infektion mit dem BVD-Virus ist derzeit die Infektion, die in Herden mit Bestandsproblemen am häufigsten nachgewiesen wird, wobei im Einzelfall der kausale Zusammenhang zwischen der Virusinfektion und dem konkreten Bestandsproblem nicht immer klar ist. Als Aborterreger spielen in den erfassten Herden in erster Linie Coxiellen und das BVD-Virus eine Rolle.
In Herden mit Abortproblematik, Festliegen und schlechter Brunstproblematik konnten einige Unterschiede in labordiagnostischen Stoffwechselparametern im Vergleich zu Herden ohne diese Problematik gefunden werden, die auf die komplexen Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und Energie-, und Nährstoffversorgung hinweisen.
Kurzfassung auf Englisch: In the context of this study data, was collected from 2002 until 2004 in order to collect values of anamnestical, clinical and also facts from laboratory diagnostics of dairy cows from 48 farms in Hessen. This information was analysed regarding potential coherences between service factors, metabolic diseases and the direct respectively indirect detection of infectious agent and the live stock problem with abortion, retained placenta, downer cow syndrome and suboestrus. Furthermore it was the question to verify whether analysis of urine was appropriated to achieve information on the behavior of the concentration of calcium, potassium and sodium in plasma.
Following relevant results were achieved:
- The relationship between concentration of calcium in urine and its concentration in plasma was statistically sigificant (p < 0.001). This does not apply to the concentration of the electrolytes sodium and potassium.
- Live stock, in which abortion has claimed to be a problem, are often kept in loose box housing systems, they often feature a calving box and are often vaccinated against the bovine virus diarrhea virus (p < 0.05). Possibility to graze, acquisition of cattle, vaccination against bovine herpes virus 1 and the use of mounting are not different in farms with or without problems of abortion.
- In live stock, in which occurrence of retained placenta, downer cow syndrome or suboestrus are claimed to be problems, there was no evidence that the correlation with the type of housing, possibility to graze, acquisition of cattle, vaccination against bovine herpes virus 1 as well as the use of mounting was a risk factor for these problems.
- It was detected that live stock with problems with abortion have more frequent antibodies against the bovine virus diarrhea virus and coxiella than live stocks abortion is not claimed to be a problem (p < 0.05). This context could not be proved for incidence of detection of antibodies against chlamydia, listeria, neospora caninum as well as chlamydia-antigen and bovine virus diarrhea virus-antigen.
- Live stocks in which abortion is constituted to be a problem, do not show differences concerning the body condition of the cattle, the concentration of phosphate, magnesium, sodium, urea, cholesterol and bilirubin in plasma and the detection of acetone, the concentration of potassium and sodium in urine as well as the activity of the aspartate-amino-transferase and the glutamate-dehydrogenase compared to live stocks with no elevated rate of abortion. Significant differences exist concerning to the concentration of calcium, glucose and triglyceride in plasma (p < 0.05).
- Downer cow syndrome is often to be found in herds with an elevated rate of abortion (p < 0.05).
- In live stock with increased appearance of downer cow syndrome are more frequently cattle with antibodies against bovine virus diarrhea virus than in live stock without the downer cow syndrome problem (p < 0.05). This context could not be proved for incidence of detection of antibodies against chlamydia, coxiella, listeria, neospora caninum as well as chlamydia-antigen and antigen against bovine virus diarrhea virus.
- Live stock with increased appearance of downer cow syndrome do not show a difference concerning the body condition of the cattle, the concentration of phosphate, magnesium, sodium, urea, glucose, cholesterol, triglyceride, bilirubin in plasma and the detection of acetone, the concentration of potassium and sodium in urine as well as the activity of the aspartate-amino-transferase and the glutamate-dehydrogenase compared to live stocks with no elevated rate of downer cow syndrome. Significant differences exist concerning the concentration of calcium in plasma (p < 0.05).
- In live stocks with suboestrus, cattle with antibodies against bovine virus diarrhea virus are more frequently to be found than in live stocks without this problem (p < 0.05). This context could not be proved for incidence of detection of antibodies against chlamydia, coxiella, neospora caninum as well as chlamydia-antigen and antigen against bovine virus diarrhea virus.
- Herds, suboestrus is constituted to be a problem in, cattle do not show differences concerning the body condition, the concentration of calcium, phosphate, magnesium, sodium, urea, glucose, triglyceride, cholesterol, bilirubin in plasma and the detection of acetone, the concentration of potassium and sodium in urine as well as the activity of the aspartate-amino-transferase and the glutamate-dehydrogenase compared to live stocks with no problem with suboestrus. Significant differences exist concerning to the concentration of cholesterol in plasma (p < 0.05).
In summary we can maintain that loose box and the use of a calving box can be considered as a risk factor for increased appearance of abortion. This could be rooted in the advantaged transmittans of infectious agents in this type of housing. Stress by frequent social conflict between cattle can cause damage of embryo. If professional cleaning and desinfection doesn´t take place between exstabling and restocking, calving box equally can cause dissemination of infectious agents. Currently infection with bovine virus diarrhea virus is the most frequent detected infection in live stock with problems in management. Certainly the causal context between the virus infection and the management problem is in particular case not always evident. Preferential pathogenic agents for abortion in this study are coxiella and the bovine virus diarrhea virus.
In live stock with problems concerning abortion, downer cow syndrome and suboestrus we deteced several differences in metabolic parameters quantified in laboratory in comparison with live stock devoid of this problems, that refer to the complex correlation between diseases as well as energy and nutrient supply.