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Langzeitergebnisse nach traumatischen Hüftluxationen mit und ohne Hüftkopffrakturen

Jäckle, Cornelia


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SWD-Schlagwörter: Hüftgelenkluxation , Unfallchirurgie , Hüftgelenkkopf , Reposition
Freie Schlagwörter (Deutsch): Pipkinfraktur , Hüftkopffraktur , Hüftkopfnekrose , Coxarthrose
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Chirurgie, Anaesthesiologie und Urologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.05.2009
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 02.09.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die traumatischen Hüftverletzungen haben innerhalb der letzten hundert Jahre einen enormen Zuwachs aufgrund der überproportional starken Zunahme von Hochrasanztraumen erfahren.
Bei ausschließlich traumatischer Hüftluxation läßt sich die Diagnose klinisch anhand der typischen Fehlstellung des Beines in federnder Fixation stellen.
Bei Hüftluxationen mit begleitender Verletzung wie z. B. ipsilateraler Femurschaft- oder Schenkelhalsfraktur wird die Diagnose erst durch das Röntgenbild aufgedeckt.
Es ist deshalb zwingend notwendig, bei entsprechenden Verletzungen (dash-board) die Röntgendiagnostik auf das Becken auszudehnen.
Die notfallmäßige Reposition des luxierten Gelenkes innerhalb 6 Stunden ist wesentlich für eine günstige Prognose und damit für das Schicksal des Hüftgelenks entscheidend.
Ansonsten kommt es wegen Gefährdung der Blutversorgung des Hüftkopfes über die Kapselgefäße zu Zirkulationsstörungen und zur Hüftkopfnekrose.
Vielfältige therapeutische Maßnahmen und uneinheitliche Arten der Nachbehandlung lassen eine Überprüfung der eigenen durchgeführten therapeutischen Vorgehensweisen ratsam erscheinen.

Von insgesamt 55 Patienten, die in den Jahren 1973 bis 1997 in der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie der JLU Gießen versorgt wurden, konnten 49 Patienten mit 28 Hüftluxationen und 22 Pipkinfrakturen persönlich nachuntersucht werden.

In unserem Krankengut ließ sich bei den ausschließlichen Hüftluxationen ein deutlicher Zusammenhang zwischen frühzeitiger, schonender Reposition und einem guten Endergebnis festgestellen. Bei Patienten mit Hüftkopffrakturen konnte eine Hüftkopfnekrose nur bei unmittelbarer Reposition vermieden werden, wobei wir jedoch bei einem Repositionszeitpunkt zwischen 12 und 24 Stunden ebenfalls keine Hüftkopfnekrose nachweisen konnten.
Mißlingt eine geschlossene Reposition oder liegt ein primärer Ischiadicusschaden vor, muß eine sofortige offene Reposition durchgeführt werden.

Isolierte Hüftluxationen traten seltener auf, wiesen jedoch bessere Endergebnisse als Patienten mit Hüftkopffrakturen nach Pipkin auf.

Bei der Behandlung dieser schweren Verletzungen ist ein konsequentes Behandlungsregime zu fordern. Bei beiden Verletzungsformen muß eine sofortige Reposition der Hüfte mit anschließender kurzfristiger Extensionsbehandlung des Gelenkes erfolgen.
Die Spätprognose ist vom Frakturtyp, dem Ausmaß der Hüftgelenksschädigung sowie den Begleitverletzungen abhängig. Es ist deshalb von großer Bedeutung eine sichere Diagnose zu stellen und eine zügige, adäquate Therapie einzuleiten.

In dem hier vorgestellten Patientengut kamen unterschiedliche operative Vorgehensweisen zur Versorgung der Hüftkopffrakturen zur Anwendung.
Aufgrund der kleinen Fallzahl von 22 Patienten mit Hüftkopffrakturen – davon 3 konservativ behandelt – läßt sich eine Wichtung der einzelnen Operationsverfahren nicht durchführen. Dazu müßte man innerhalb der 4 Gruppen nach der Pipkin-Klassifikation mehr Patienten haben.

Zusammenfassend läßt sich anhand unserer Untersuchungsergebnisse – trotz obengenannter Einschränkung – jedoch feststellen, daß im Langzeitverlauf weder das konservative noch das operative Vorgehen die komplette Revaskularisation des Hüftkopfes oder die Regeneration des kontusionierten Knorpels garantiert.
Im Vergleich zu den traumatischen Luxationen stellten die sog. Pipkinfrakturen die ungünstigere Verletzungsart dar mit hoher Inzidenz zu posttraumatischer Arthrose oder Hüftkopfnekrose sowie paraartikuläre Verkalkungen.
Kurzfassung auf Englisch: Traumatic hip injuries have experienced an enormous growth within the last hundred years on account of the disproportionally strong increase of high-speed traumas. For exclusively traumatic hip luxations, the diagnosis can be made clinically on the basis of the typical misposition of the bone in springy fixation. For hip luxations with accompanying injuries such as for example ipsilateral femoral shaft fracture or femoral neck fracture, the diagnosis is first revealed through the x-ray. It is therefore absolutely necessary to extend the x-ray diagnostics to the pelvis for such (dash-board) injuries. The emergent reposition of the luxated joint within six hours is essential for a favorable prognosis and so decisive for the fate of the hip joint. Otherwise it comes to circulation disorders and to femur head necroses, because of endangering the blood supply of the femur head over the capsule vessel. Manifold therapeutic measures and inconsistent ways of subsequent treatment makes a verification of the carried-out therapeutic approaches appear advisable.

From a total of 55 patients, who were cared for in the years 1973 to 1997 in the Department of Emergency Surgery of the JLU Giessen, 49 patients with 28 hip luxations and 22 Pipkin fractures could be personally followed-up.
In our patient collective, a clear correlation between early, caring repositioning and a good final result was established for the exclusive hip luxations. For patients with femur-head fractures, a femur-hear necrosis could be avoided only with immediate repositioning, whereby we could though likewise prove no femur-head necrosis for a repositioning time point between 12 and 24 hours.

If a closed repositioning fails or if a primary sciatic damage is present, then an immediate open reposition must be performed. Isolated hip luxations appear rarely but show better final results as patients with femur-head fractures according to Pipkin. For the treatment of these serious injuries, a consistent treatment regime should be promoted. For both forms of injury, an immediate repositioning of the hip with subsequent short-term extension-treatment of the joint must occur. The late prognosis is dependent upon the type of fracture, the amount of hip-joint damage, and the accompanying injuries. It is therefore of major significance to make a certain diagnosis and to implement a speedy, adequate therapy.

In the patient collective presented here, different operative approaches were used for the care of the femur-head fractures. Due to the small number of cases of 22 patients with femur-head fractures – of which three were conservatively treated – a weighing of the individual operative procedures cannot be carried out. For this, one must have more patients within the four groups according to the Pipkin classification.

In summary, it could be nonetheless be established on the basis of our investigation’s results – despite the limitations mentioned above – that in the long-term course neither the conservative nor the operative procedure guarantees the complete revascularization of the femur-head or the regeneration of the contusioned cartilage. In comparison to the traumatic luxations, the so-called Pipkin fractures represent the more unfavorable kind of injury with a higher incidence of post-traumatic arthrosis or femur-head necroses as well as para-articulatory calcification.