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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-70584
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/7058/


Untersuchungen zu Laktosegehalt, somatischer Zellzahl und bakteriologischer Beschaffenheit von Ziegenmilch aus hessischen Beständen

Jendretzke, Kai


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler 2009
pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.335 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5412-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.05.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 06.07.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Über einen Zeitraum von einem Jahr wurden bei 13 Ziegenmilchbetrieben Mittelhessens mehrfach (Frühlaktation, Spätlaktation) Hälftengemelksproben von Einzeltieren sowie Sammelgemelksproben gewonnen. Gleichzeitig wurden Daten zur Betriebsstruktur und zur Haltungsform erhoben. In diese Untersuchungen einbezogen wurden die Betriebshygiene sowie die Parameter Laktosegehalt, Zellgehalt, aerobe mesophile Keimzahl sowie in Verdachtsproben auch bakterielle Mastitiserreger.

Die indirekte Zellzahlschätzung in Ziegenhälftengemelksproben (n = 845) mittels California-Mastitis-Test (CMT) ergab für Proben aus der Frühlaktation in 50 %, für Proben aus der Spätlaktation in 45 % ein negatives Ergebnis. Der Medianwert der Zellgehalte für CMT-negative Proben lag bei 8,1 – 11 x 105 Zellen/ml. Zwischen CMT-Ergebnis und der festgestellten Laktosekonzentration bestand keine Korrelation.

Bei der direkten mikroskopischen Zellzahlbestimmung in Ziegenhälftengemelksproben (n = 863) gemäß der Methoden nach PRESCOTT und BREED ergab sich im Medianwert eine Zellzahl von 9,9 x 105 Zellen/ml. Annähernd die Hälfte aller Proben hätte damit den in der Literatur besprochenen Grenzwert von 1,0 x 106 Zellen/ml nicht einhalten können. Lediglich 25 % aller Proben wiesen einen Zellgehalt von < 5,0 x 105 Zellen/ml auf, und nur rund 20 % aller Proben lagen unterhalb des Grenzwertes der Milchgüteverordnung für Kuhmilch. Ein Viertel aller Proben wies Zellgehalte von > 2,0 x 106 Zellen/ml auf. In der Früh- und Spätlaktation zeigten sich bei den somatischen Zellen bezogen auf die relative Häufigkeit in den einzelnen Zellklassen nur geringe Unterschiede.

Die höchsten durchschnittlichen Zellzahlen wurden bei Tieren in der ersten Laktation festgestellt (1,4 x 106 Zellen/ml). Mit zunehmendem Alter nahm die durchschnittliche Zellzahl ab, Tiere mit einem Alter von > 6 Jahren wiesen wieder höhere Zellgehalte auf.

Ein Vergleich der Medianwerte der Zellgehalte einzelner Rassen von Ziegen ergab deutliche Unterschiede. Im Hinblick auf den in der Literatur diskutierten Grenzwert von 1,0 x 106 Zellen/ml konnten mit Ausnahme der Bunten Deutschen Edelziege in der Früh- und Spätlaktation, sowie der Saanenziege und der Weißen Deutschen Edelziege in der Spätlaktation weniger als 50 % aller Tiere diesen Wert einhalten. Den Grenzwert der Milchgüteverordnung für Kuhmilch konnten mit Ausnahme von Tieren der Rasse „Bunte Deutsche Edelziege“ weniger als 25 % der Tiere aller anderen Rassen einhalten.

Die Zellzahlbestimmung in der Sammelmilch der Betrieb zeigte, dass nur fünf der 13 untersuchten Betriebe einen Grenzwert von 1,0 x 106 Zellen/ml einhalten konnten. Keiner der untersuchten Betriebe konnte den Grenzwert der Milchgüteverordnung für Kuhmilch (4,0 x 105 Zellen/ml) einhalten.

Generell wurde in den untersuchten Betrieben eine zufriedenstellende Hygienepraxis bezüglich Tierhaltung und Melken vorgefunden. Der Medianwert der Keimbelastung in Sammelmilchproben unterschiedlicher Betriebe in der Früh- und Spätlaktation lag bei 1,1 x 105 KbE/ml. Der Median der Hälftengemelksuntersuchungen zufällig ausgewählter Tiere lag bei 0,013 x 104 KbE/ml. Der Grenzwert von derzeit 1,5 x 106 KbE/ml in Ziegenmilch wurde in den Sammelmilchproben dreimal überschritten, einmal sehr deutlich (2,5 x 106 KbE/ml, 2,6 x 106 KbE/ml und 1,2 x 108 KbE/ml). Die festgestellten, recht hohen Keimgehalte in der Sammelmilch wiesen auf Hygieneprobleme bei Reinigung und Desinfektion der Milchgerätschaften und der Lagerung der Ziegenmilch hin.

Die bakteriologische Untersuchung der Hälftengemelksproben zeigte eine durchweg gute Eutergesundheit. In 66,5 % der untersuchten Milchproben wurde kein Bakterienwachstum nachgewiesen. Am häufigsten wurden Koagulase-negative Staphylokokken (KNS) nachgewiesen (26,9 % in der Früh- und 28,8 % in der Spätlaktation). Von den als „major pathogens“ bezeichneten Keimen wurde S. aureus (Frühlaktation = 4,3 %, Spätlaktation = 0,9 %) am häufigsten isoliert. Der Nachweis eines „major pathogens“ war in fast allen Fällen mit einem CMT-Wert von mindestens einfach positiv verbunden. Weniger deutlich war dagegen die Abstufung der CMT-Werte.

Nichtinfizierte Proben und mit KNS infizierte Proben hatten im Medianwert eine Zellzahl von jeweils rund 1,0 x 106 Zellen/ml. Mit einem „major pathogen“ Keim infizierte Proben hatten im Medianwert eine Zellzahl von 1,8 x 106 Zellen/ml.

Für den Laktosegehalt in Ziegenmilch wurde ein Mittelwert von 4,65 % ± 0,59 % ermittelt. In der Frühlaktation lag die Laktosekonzentration im Mittel um 0,82 % höher, als in der Spätlaktation. Ein Vergleich verschiedener Ziegenrassen sowie ein Vergleich der Früh- und Spätlaktation ergab relativ geringe Variabilität. Die maximalen Unterschiede zwischen den Rassen lag bei ca. 0,4 %. Die Laktosekonzentrationen der Frühlaktation lagen innerhalb einer Rasse um 0,6 – 1 % höher als diejenigen in der Spätlaktation. Auf Betriebsebene wurde im Jahresmittel eine Laktosekonzentration von 4,65 ± 0,35 % erreicht. Zwischen der Laktosekonzentration einerseits und der somatischen Zellzahl oder dem Tieralter andererseits konnte kein Zusammenhang festgestellt werden.
Kurzfassung auf Englisch: This thesis describes a study on lactose content, somatic cell count and bacteriological quality of goats milk form producers in central Hessen, Germany.

Over a period of one year, in early lactation and in late lactation stage, milk samples (udder halfes) from individual animals, as well as bulk milk samples were collected from 13 goat milk farms in central Hessen. At the same time data were raised concerning operating structure and production characteristics and hygienic status of these farms. The following parameters were analysed in milk: lactose content (enzymatic), somatic cell count (california mastitis test (CMT), microscopy), bacteriological analysis (aerobic mesophilic bacteria count, major and minor mastitis pathogens).

The qualitative somatic cell estimate in milk samples of udder halfes of goats (n = 845) by means of (CMT) resulted in a negative result for samples from the early lactation in 50 % and for samples from the late lactation in 45%. The median somatic cell counts enumerated by microscopy for CMT negative samples was 8.1 - 11 x 105 cells/ml. There was no useful correlation between CMT result and lactose concentration.

In the case of the direct microscopic enumeration of somatic cell count, udder halfes of goats (n = 863) had a median value of 9.9 x 105 cells/ml. Thus, more or less exactly the half of all samples would not have been within a maximum value as discussed in the literature (1.0 x 106 cells/ml). Only 25 % of all samples had somatic cell counts of < 5.0 x 105 cells/ml, and only approximately 20 % of all samples were below the limit cow s milk (4.0 x 105 cells/ml). A quarter of all samples had high somatic cell counts of > 2.0 x 106 cells/ml. There were only small differences between early and late lactation stage with regard to somatic cell counts.

The highest average cell counts were determined for animals in the first lactation (1.4 x 106 cells/ml). With increasing age the average cell count decreased, while older animals with an age of > 6 years again had higher somatic cell counts.

A comparison of the median cell counts depending on breed resulted showed some differences between breeds. Regarding a limit of 1.0 x 106 cells/ml, less than 50 % of samples of most breeds were below this value, with the exception of the “Bunte Deutsche Edelziege” in early and late lactation, as well as “Schweizer Saanenziege” and “Weiße Deutsche Edelziege” in late lactation.

The somatic cell count for bulk milk samples of the farms showed that only five of the 13 examined farms could keep a limit value of 1.0 x 106 cells/ml. None of the examined farms could keep the limit value of the milk quality regulation for cow s milk (4.0 x 105 cells/ml).

With regards to overall hygiene, generally a satisfying hygiene practice was found for most farms. The median of total aerobic mesophilic bacteria in bulk milk samples of different farms in the early and late lactation was at 1.1 x 105 KbE/ml. The median of the milk samples of udder halfes of arbitrarily selected animals was at 0.013 x 104 KbE/ml. The regulatory value for goat milk of 1.5 x 106 KbE/ml was slightly exceeded in two bulk milk samples (2.5 x 106 KbE/ml, 2.6 x 106 KbE/ml). In one sample, high total bacteria numbers of 1.2 x 108 KbE/ml indicated hygienic problems with cleaning and disinfection of the milk equipment and/or the storage of the milk.

The bacteriological investigation of milk samples of udder halfes for major and minor mastitis pathogens indicated a generally good udder health. In 66.5 % of the examined milk samples no bacterial growth was observed. Most frequently coagulase negative staphylococci (CNS) were found (26.9 % early lactation, 28.8 % late lactation). Among the major mastitis pathogens, Staphylococcus aureus was most frequently isolated (4.3 % early lactation, 0.9 % late lactation). If a major pathogen was found in a udder half milk sample, a positive CMT score was observed in nearly all cases. However, the strength of a positive CMT result was less clear for mastitis pathogens.

Bacteriologically negative and CNS-positive milk samples had the same median value for somatic cells of approximately 1.0 x 106 cells/ml. Samples of udder halfes infected with a major pathogen had a slightly higher median somatic cell count of 1.8 x 106 cells/ml.

The average lactose content in goat milk was determined to be 4.65 % ± 0.59 %. In the early lactation, the lactose concentration was about 0.82 % higher than in late lactation. A comparison of different goat breeds, as well as a comparison between results for early and late lactation, showed that there was only small differences. The maximum differences of lactose content between breeds were approximately 0.4 %. The lactose content in the early lactation throughout all breeds was 0.6 – 1 % higher than in the late lactation. Comparing different farms, the average in lactose concentration was 4.65 ± 0.35 %. There was no coherence between lactose concentration and somatic cell count.