Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-70516
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/7051/


Real Time-PCR-Untersuchungen zur Persistenz von infektiösen Toxoplasma gondii-Dauerstadien in Rohwurst-Erzeugnissen

Rosa, Stefanie


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler 2009
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.788 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5410-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.05.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 06.07.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die T. gondii-Infektion wird durch kontaminierte Lebensmittel übertragen. Sie kann diaplazentar erfolgen oder durch zufälligen Kontakt entstehen (z.B. Katzentoilette, Sandkasten, Gartenarbeit). Neben mit Oozysten kontaminierter Nahrung (Obst, Gemüse, Trinkwasser) spielt vor allem rohes bzw. unzureichend erhitztes Fleisch eine entscheidende Rolle für die alimentäre Übertragung der Erkrankung (KAPPERUD et al., 1996; CHOI et al., 1997; COOK et al., 2000; SUKTHANA et al., 2000).
Aufgrund fehlender Erhitzungsschritte im Herstellungsprozess von Rohwurst-Erzeugnissen ist das Infektionspotential dieser Produkte nicht geklärt (TENTER und FEHLHABER, 2002). Beruhend auf den Ergebnissen von SOMMER et al. (1965) werden langgereifte Erzeugnisse (z. B. Salami) gemeinhin als sicher angesehen (TENTER und FEHLHABER, 2002; BfR, 2005; BfR, 2006). Das BFR warnt jedoch vor einer möglichen Infektionsgefahr bei dem Verzehr kurzgereifter Produkte, wie Mett- und Teewürsten (BfR, 2005). Darüberhinaus bedürfen ökologische Erzeugnisse ebenfalls genauerer Betrachtung, da einerseits mit einem erhöhten Vorkommen von T. gondii in den Schlachttierkörpern zu rechnen ist (SCHULZIG und FEHLHABER, 2006) und andererseits der bei ökologisch gefertigten Produkten oftmalige Verzicht auf Nitritpökelsalz ebenso wie vielfach festgestellte Qualitätsschwankungen bei der Herstellung von Rohwurst-Erzeugnissen das Überleben von Erreger-Zysten begünstigen können (SOMMER et al., 1965; MÜLLER et al., 1994; TENTER und FEHLHABER, 2002).
Auf der Basis dieser Literaturangaben war das Ziel dieses Projektes einen Beitrag zur Einschätzung des möglichen Gefährdungspotentials von Rohwurst-Erzeugnissen für den Verbraucher zu leisten. Hierfür wurden zwei Schweine intravenös mit dem Erreger infiziert und der Infektionserfolg serologisch mithilfe des IHA- und des Western-Blot-Verfahrens (freundlicherweise durchgeführt von Dr. Schares, Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) überprüft. Im Alter von 6 Monaten wurden die Tiere geschlachtet und die Schlachttierkörper mithilfe einer für dieses Projekt am Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen entwickelten Real Time-PCR untersucht. Das Fleisch der Tiere wurde zu verschiedenen Rohwurst-Erzeugnissen verarbeitet und diese ebenfalls auf T. gondii-DNA untersucht. Um die potentielle Infektionsgefahr lang- und kurzgereifter Erzeugnisse miteinander vergleichen zu können, wurde Salami als Beispiel einer langgereiften Rohwurst ausgewählt, Mett- und Teewürste dienten als Beispiel kurzgereifter Erzeugnisse. Darüberhinaus wurden alle Rohwurst-Sorten sowohl konventionell als auch unter Berücksichtigung ökologischer Rezepturen hergestellt. Zur Überprüfung der Infektiösität der erzeugten Produkte wurden diese an BALB/c Mäuse verfüttert. Nach ungefähr 45 Tagen wurden die Tiere getötet und die Organe (Hirn, Herz, Milz) mithilfe der Real Time-PCR auf eine stattgefundene Infektion untersucht. Es gelang, den Erreger sowohl in beiden Schlachttierkörpern als auch in jeder produzierten Rohwurst-Charge nachzuweisen. Folglich konnte eine Erregerhaltigkeit der verwendeten Rohwurst-Inokula bewiesen werden. Bei der Real Time-PCR-Untersuchung der Mäuse konnte bei jedem Tier der Positivkontrollgruppe eine Infektion detektiert werden, die Negativkontrollgruppe ergab hingegen ausnahmslos negative Ergebnisse. Bei zwei weiteren mit unbehandelter Schweinemuskulatur der Schlachttierkörper gefütterten Mäusegruppen gelang der Nachweis bei vier von sieben bzw. zwei von acht Versuchsmäusen. Dies bestätigt die allgemein vertretene Auffassung, dass rohes Fleisch eine wichtige Quelle für eine Toxoplasma-Infektion ist.
Von den 288 mit Rohwurst-Erzeugnissen gefütterten Mäusen wurden vier positiv auf
T. gondii-DNA getestet. Aufgrund der geringen positiven Tierzahl kann keine Aussage über unterschiedliche Gefährdungspotentiale in Abhängigkeit vom Rohwurst-Erzeugnis bzw. vom Herstellungsverfahren getroffen werden; die unterschiedlichen Ergebnisse erwiesen sich als statistisch nicht signifikant. Zu beachten ist, dass alle drei einbezogenen Wurstsorten zu einer Infektion geführt haben. In Bezug auf die Mett- und Teewurst wurde somit die vielfach vertretene Ansicht einer von diesen Produkten ausgehenden Verbrauchergefahr bestätigt. Unterwartet war hingegen der positive Infektionsnachweis einer mit Salami gefütterten Maus. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zur bisherigen Auffassung, nach welcher langgereifte Rohwürste gemeinhin als sicher angesehen werden.
Als Ergebnis dieser Studie ist demnach bei im Handel befindlichen Rohwurst-Erzeugnissen eine Verbrauchergefahr gegeben, die Übertragungswahrscheinlichkeit erscheint jedoch relativ gering. Ein möglicherweise unterschiedliches Gefährdungspotential verschiedener Rohwurst-Sorten und Herstellungsverfahren konnte nicht abschließend geklärt werden. Entsprechend besteht zur Sicherung der hier vorgestellten Ergebnisse weiterer Forschungsbedarf.
Kurzfassung auf Englisch: T. gondii-infections basically occur on account of contaminated foodstuffs, are passed over diaplacentally or through casual contact (e.g. cat litter box, sandpit, gardening). Besides foodstuffs contaminated with oocysts (fruits, vegetables, drinking water), raw or insufficiently heated meat products play a decisive role for nutrition-based infections (KAPPERUD et al., 1996; CHOI et al., 1997; COOK et al., 2000; SUKTHANA et al., 2000). On account of missing heating while manufacturing raw sausages the actual infection risk of these products has not been evaluated yet (TENTER und FEHLHABER, 2002). Based on results of SOMMER et al. (1965) long-ripened products (e. g. Salami) are generally considered as being safe (TENTER et al., 2000; BfR, 2005; BfR, 2006), nevertheless the BfR has brought out a warning regarding consumption of short-ripened products, such as “Mettwurst” and “Teewurst” (BfR, 2005). Furthermore ecologically produced sausages also require closer examination since on the one hand an increasing number of contagioned carcasses might occur (SCHULZIG und FEHLHABER, 2006); on the other hand, the omitting of nitrite-salt as well as frequently observed variations of quality during the ecological manufacturing process might lead to a prolonged survival of cysts (SOMMER et al., 1965; MÜLLER et al., 1994; TENTER und FEHLHABER, 2002).
Based on these literature statements an estimation of the potential risk of raw sausages was goal of this investigation. Therefore two pigs were infected with the pathogen. The success of the infection was proved serologically by using the IHA- and the Western Blot technique (kindly carried out by Dr. Schares, Friedrich-Loeffler-Institut, Federal Research Institute for Animal Health). At the age of six months the animals were slaughtered. The carcasses were tested positively for oocysts with a Real Time-PCR, newly developed and established for this project at the Institute of Veterinary Food Science in Gießen. The obtained meat has been manufactured into different kinds of raw sausages which were also tested for T. gondii-DNA. To be able to compare the potential infection risk of long and short ripened products, Salami served as an example for long-ripened sausages, “Mett-“ and “Teewürste” represented short-ripened products. Furthermore all kinds of raw sausages were produced traditionally as well as ecologically. To achieve basic knowledge about the infectivity of the products the raw sausages were fed to BALB/c mice. After about 45 days the laboratory animals were killed, and their organs (brain, heart and spleen) were tested for an occurred infection, again by using the Real Time-PCR.
The pathogen was detected in the carcasses as well as in each of the raw sausages. On account of this it can be taken for granted that the fed raw sausauge-inocula contained
T. gondii. The Real Time-PCR of the mice proved an infection in each of the positive control group animals, the negative control group was detected negative without exception. The parasite-DNA was also found in four of seven, respectively two of eight animals out of the two groups fed with unhandled meat taken from the carcasses on the slaughtering day. This confirms the general conception, where raw meat is considered to be an important source of a Toxoplasma-infection.
Four mice – out of a total of 288 mice fed with raw sausages – were positively detected for T. gondii-DNA. Because of the low number of positive animals no statement can be made regarding different risk potentials neither due to the raw sausage type nor due to the manufacturing process; the different results turned out to be statistically not significant. It certainly has to be noted that all three kinds of sausages led to an infection. Considering the “Mett-“ and “Teewurst” the results confirm the common opinion of a consumer hazard coming from these products. An unexpected result was the detected infection of a mouse which had been inoculated with Salami. This is contradictory to the general opinion seeing long-ripened sausages commonly as safe.
As a result of this study a consumer hazard by commercial raw sausage products has to be considered as probable even though the probability of an infestation appears to be quite low. The possibility of different risk potentials regarding different raw sausage types and their manufacturing processes could not be resolved. In order to confirm the achieved results further investigations are required.