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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-70397
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/7039/


Untersuchungen zum Einfluss einer frühzeitigen Kontaktmöglichkeit zwischen Ferkelwürfen auf Sozialverhalten, Gesundheit und Leistung

Kutzer, Tanja Miriam


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler 2009
pdf-Format: Dokument 1.pdf (9.979 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5404-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.05.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 25.06.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Das Absetzen von Saugferkeln gehört zur risikoreichsten Phase der Ferkelerzeugung. Die Ferkel werden beim Absetzen und Zusammenstallen von mehreren Würfen in einer Aufzuchtbucht plötzlich einer Vielzahl von Stressoren ausgesetzt, die ihr Anpassungsvermögen überfordern und zu geschwächter Kondition, verminderter Futteraufnahme, Durchfällen, Wachstumsverzögerungen sowie Aggressionen gegenüber unbekannten Tieren mit daraus resultierenden Hautverletzungen führen können. Bei den in der Praxis dominierenden Einzelabferkelungssystemen mit Kastenständen (KS) oder Bewegungsbuchten (BB) haben Ferkel bis zum Absetzen keinen Kontakt zu wurffremden Tieren. In der vorgelegten Dissertation wurde daher untersucht, ob das gegenseitige Kennenlernen wurffremder Artgenossen bereits in der Säugeperiode durch den Einbau einer Ferkeltür zwischen benachbarten Buchten (KSmS bzw. BBmS) realisierbar ist, inwieweit ein solcher Ferkelschlupf aktiv genutzt wird, und welche Auswirkungen diese Kontaktmöglichkeit auf Verhalten und Leistung der Ferkel bzw. Läufer hat. Als Kontrollen dienten dabei einerseits die Würfe aus den Einzelabferkelungen ohne Ferkeltür (KS bzw. BB) und andererseits die Ferkel aus einem Gruppenabferkelungssystem (GS) als Positivkontrollen.

Innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren wurden 230 Würfe von 113 Sauen mit den Wurfnummern 1 bis 9 untersucht, verteilt auf 32 kontinuierliche Abferkeltermine in 3wöchigen Intervallen, mit insgesamt 2384 geborenen und 1935 abgesetzten Ferkeln (DL x DL bzw. DL x Pi). Die 113 Sauen rotierten durch die Abferkelsysteme KS, BB bzw. GS. Bei den Kontaktbuchten (KSmS bzw. BBmS) erfolgte die Öffnung der Ferkeltür zwischen zwei benachbarte Buchten 10 Tage post partum. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch allen 8 Würfen des GS freier Zugang zum gesamten Stallbereich gewährt. Für die Aufzuchtphase über eine Dauer von 5 Wochen in einem Offenfrontstall ergaben sich Versuchsgruppen zu je durchschnittlich 20 Ferkeln pro Koomansbucht. Die Frequentierung der Ferkeltür während der Säugezeit wurde mittels eines eigens entwickelten Transponder-Antennensystems überprüft. Das Verhalten der Ferkel wurde an beiden Tagen nach dem Umstallen durch Direktbeobachtung über jeweils 4 Stunden erfasst. Das Integument der Tiere wurde zu 4 verschiedenen Zeitpunkten auf Verletzungen bonitiert, das Gewicht der Ferkel wurde bis zur 9. Lebenswoche individuell ermittelt. Die Daten wurden mit gemischt linearen Modellen bzw. dem Kruskal-Wallis- oder dem Mann-Whitney-U-Test unter Verwendung der Software SAS 9.1.3 analysiert.

Eine Ferkelöffnung ließ sich technisch einfach in die bestehenden Systeme integrieren und wurde von den Ferkeln sehr häufig genutzt. Dabei frequentierten Ferkel aus dem System KSmS die Tür insgesamt signifikant häufiger als Tiere aus dem System BBmS (F1,41 = 5,75, p < 0,05). Ein Einfluss dieser Kontaktmöglichkeit auf das Verlustgeschehen (H = 1,81, FG 2, ns) während der Säugezeit konnte ebenso ausgeschlossen werden wie eine Beeinträchtigung der Lebendmassezunahme der Saugferkel bis zum Absetzen (F4,216 = 1,21, ns). Unmittelbar vor dem Umstallen war die Anzahl an Hautverletzungen bei den Tieren aus dem System KS signifikant niedriger als bei allen anderen Tieren, Ferkel aus den Systemen BBmS sowie GS wiesen die meisten Verletzungen auf (H = 33,86, FG 4, p < 0,0001). Dabei handelte es sich jedoch ausschließlich um geringgradige Hautschäden. Beim Umstallen in die Aufzuchtbuchten konnten zwischen Ferkeln aus den jeweiligen Buchten mit Kontaktmöglichkeit (KSmS, BBmS und GS) kaum aggressive Interaktionen beobachtet werden, während diese bei Ferkeln ohne Kontaktmöglichkeit (KS, BB) signifikant häufiger auftraten. Sowohl für die Verhaltensweise Beißen (H = 53,36,
FG 4, p < 0,0001) als auch das Verhaltenselement Kämpfen (H = 67,27, FG 4,
p < 0,0001) waren diese Reduzierungen hoch signifikant. In der Folge wurde eine geringere Latenz bis zur ersten Ruhephase aller Ferkel bei den Positiv- im Vergleich zu der der Negativkontrollen festgestellt (F4,93 = 25,76, p < 0,0001). 4 Tage nach dem Umstallen zeigten sich bei den Negativkontrollen weiterhin signifikant häufigere und gleichzeitig schwerere Hautverletzungen im Vergleich zu Tieren aus den Kontaktbuchten (H = 75,25, FG 4, p < 0,0001). Am Ende der 9. Lebenswoche wiesen Ferkel aus den Kontaktbuchten im Vergleich zu den Tieren aus den Systemen KS und BB eine um rund 1 kg höhere Lebendmassezunahme (F4,204 = 7,01, p < 0,0001) und insgesamt ein höheres Lebendgewicht (F4,207 = 5,34, p < 0,001) auf. Dabei waren GS-Ferkel im Mittel am schwersten, KS-Ferkel dagegen am leichtesten.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Öffnung einer Ferkeltür zwischen benachbarten Einzelabferkelbuchten 10 Tage p. p. von den Ferkeln sofort und während der gesamten Säugeperiode genutzt wird. Dabei verlaufen diese ersten Begegnungen ohne Rangauseinandersetzungen und Hautverletzungen. Der positive Effekt dieses frühen Kontaktes manifestiert sich nach dem Absetzen und Umstallen in einer Verminderung der Aggressionen zwischen den Ferkeln, in weniger häufigen und geringfügigeren Verletzungen infolge von Rangauseinandersetzungen sowie einer signifikant besseren Lebendmasseentwicklung. Diese einfach zu realisierende Kontaktmöglichkeit ist daher geeignet, die Tiergerechtheit von konventionellen Einzelabferkelungssystemen zu verbessern.
Kurzfassung auf Englisch: In this study we tested whether contact possibilities between non-littermate piglets affected the pre- and postweaning behaviour, weight gain and skin lesions of piglets kept in different farrowing systems. As husbandry systems we used a group housing system for lactating sows (GS), a single pen loose housing system (BB), and conventional farrowing crates (KS) with 8 pens each per trial. In half of the single pens a passage to the adjacent pen was opened on d 10 p. p. to enable contact between two litters (BBmS, KSmS), whereas the other half served as controls without any contact between litters (BB, KS). GS piglets also had contact to all other GS animals in the trial from d 10 p. p. After weaning (d 28) two litters were merged in one rearing pen: piglets from GS, BBmS, KSmS with a known litter and litters from BB / KS with an unknown litter. All piglets were scored for skin lesions immediately before and 4 days after opening the piglet doors, as well as directly before and 4 days after moving into the rearing pens. Agonistic behaviour was observed after moving to the rearing pens for 2 x 4 hours. Body weights were obtained each week until weaning and on d18 and d39 after weaning. All data were analysed with SAS 9.1.3 by using general mixed linear models respectively Kruskal-Wallis- and Mann-Whitney-U-test. In total, data were obtained from 230 litters (113 sows with 1935 farrowed piglets).

Our results showed that piglets to a great extend used doors between two adjacent pens to mingle with pigs from another litter. Piglets from conventional farrowing crates frequented the passages more often than piglets in loose housing pens (F1,41 = 5,75, p < 0,05). Neither influences on the piglet losses (H = 1,81, FG 2, ns) nor any differences in daily weight gain during the suckling period (F4,216 = 1,21, ns) could be found between treatments. During farrowing skin lesion score was higher in GS and BBmS compared to all other treatments (H = 33,86, FG 4, p < 0,0001), but lesions were not severe. After moving to rearing pens less agonistic behaviour was observed in piglets from the contact groups (KSmS, BBmS und GS). The decrease of fighting (H = 67,27, FG 4, p < 0,0001) and biting (H = 53,36, FG 4, p < 0,0001) were highly significant. Lying-latency in contact groups was shortened (F4,93 = 25,76, p < 0,0001). Reduced aggressive behaviour consequently induced a significantly lower number and less severe skin lesions in piglets from contact groups than in piglets from KS and BB at day 4 after grouping (H = 75,25, FG 4, p < 0,0001). Five weeks after weaning, piglets from KSmS and BBmS had higher weight gains respectively higher body weights compared with control groups KS and BB (F4,204 = 7,01, p < 0,0001). GS piglets showed the highest body weight whereas piglets from farrowing crates without contact were the lightest.

Co-mingling unfamiliar litters on d 10 p. p. had very positive effects on behaviour and performance of piglets after weaning primarily by decreasing aggressive interactions after moving to the rearing pens. As a consequence, stress during weaning and lesions due to agonistic interactions could be reduced and this was accompanied by positive effects on piglets’ performance. The modification of common farrowing pens had only minor costs and, very important from an economic perspective, no additional space was needed in the stable.