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Schutz von tropischen Küstenökosystemen durch Ökotourismus? - dargestellt an zwei Beispielen aus Thailand-

Simon, Sarah


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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-70372
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/7037/

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SWD-Schlagwörter: Ökotourismus , Thailand <Süd> , Biodiversität , Küste , Ökosystem
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geographie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 30.06.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Der weltweite Rückgang der biologischen Vielfalt bedeutet einen unwiederbringlichen und in ihren Auswirkungen nicht vorhersehbaren Verlust für heutige und folgende Generationen. Der Mensch ist maßgeblich für die derzeitige Bedrohung der Biodiversität verantwortlich, indem er in Ökosysteme eingreift und Lebensräume vernichtet. Die Existenz des Menschen beruht jedoch auf der Vielfalt des Lebens. Daher sind Gesellschaft und Politik gefordert, Strategien zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Biodiversität zu entwickeln. Eine dieser Strategien ist das Konzept des Ökotourismus. In der Theorie gilt Ökotourismus als eine Möglichkeit, eine Inwertsetzung der Biodiversität zu erreichen und diese somit langfristig zu sichern.
Werden diese Erwartungen auch in der praktischen Anwendung erfüllt? Kann Ökotourismus zur nachhaltigen Nutzung und somit zum Erhalt der Biodiversität beitragen?
In dieser Diplomarbeit soll diese Leitfrage beantwortet und somit das Potential des Ökotourismus als Instrument des Naturschutzes überprüft werden. Dazu werden Chancen sowie Probleme des Ökotourismus anhand zweier Fallbeispiele aufgezeigt. Nach einer Analyse und Bewertung der Stärken und Schwächen dieser unterschiedlichen Ökotourismuskonzepte werden ein Entwicklungstrend und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Darüber hinausgehend wird überprüft, inwieweit sich die vorgestellten Konzepte auf andere Projekte übertragen lassen.
Neben ökologischer und soziokultureller Verträglichkeit soll Ökotourismus den Naturschutz aktiv unterstützen, indem er zur Finanzierung von Naturschutzvorhaben und einer Stärkung der Naturschutzakzeptanz beitragen soll. Zusätzlich werden an den diese Reiseform auch entwicklungspolitische Ziele, wie z.B. Armutsreduzierung, Regionalentwicklung und infrastrukturelle Verbesserungen, geknüpft. Jedoch gibt es auch kritische Stimmen, die dem Konzept nur begrenztes Potential bei der Umsetzung dieser Ziele bescheinigen und die auf Probleme und Gefahren hinweisen. Gefahren für den Naturschutz gehen zum einen von den direkten negativen Umweltauswirkungen aus, zum anderen trägt Ökotourismus zur Destinationserschließung und damit einer Streuung der ökologischen Probleme bei.
Um das Potential des Ökotourismus als Naturschutzinstrument auf der lokalen Ebene zu überprüfen, wurden zwei Fallbeispiele ausgewählt. Beide Fallbeispiele befinden sich in Thailand und haben den Schutz tropischer Küstenökosysteme zum Ziel.
Sie liegen in direkter räumlicher Nachbarschaft, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Konzeption und Organisation. Beim ersten Fallbeispiel handelt es sich um einen staatlichen Nationalpark (Khao Lampi Hat Thai Muang Nationalpark). Dieser Nationalpark ist ein Beispiel für Schutzgebiete, die die gebräuchlichste Methode sind, um die Biodiversität in ihrer natürlichen Umgebung zu erhalten. Im zweiten Fallbeispiel verfolgt eine Dorfgemeinschaft (Ta Din Daeng) einen Community-based Ökotourismusansatz. Mit Hilfe dieses Konzeptes soll gewährleistet werden, dass ein großer Teil der lokalen Bevölkerung an der Planung und am wirtschaftlichen Erfolg des Tourismus beteiligt ist. In beiden Fallbeispielen ist das Potential des Ökotourismus zur Finanzierung der Naturschutzvorhaben beizutragen gering. Beim Khao Lampi Hat Thai Muang Nationalpark mangelt es zudem an einer Einbeziehung der im Schutzgebiet wirtschaftenden Bevölkerung. Der Ökotourismus stellte für diese bisher noch keine Alternative zur Landwirtschaft im Park dar. Limitierende Faktoren sind in Ta Din Daeng die geringe Gebietsgröße sowie die geringe Vielfalt der geschützten Ökosysteme. Des Weiteren gehen unmittelbare Risiken vom Tourismus aus, da gerade die direkten negativen Umweltauswirkungen in empfindlichen Küstenökosystemen langfristige Veränderungen und Schäden verursachen. Positiver Effekt des Ökotourismus in beiden Fallbeispielen ist die Stärkung der Naturschutzakzeptanz bei den beteiligten Akteuren durch eine erhöhte öffentliche Wahrnehmung und einen gesellschaftlichen Diskurs. Es deutet sich zudem an, dass der touristische Ausbau in Ta Din Daeng dazu beiträgt, dass die diversifizierten Wirtschaftsweisen beibehalten werden traditionelles Wissen wiederbelebt wird.
Zusammenfassend lässt sich das Fazit ziehen, dass es für eine abschließende pauschale Beantwortung der Leitfrage noch zu früh ist. Denn beide Fallbeispiele stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung als Ökotourismusdestination Wagt man einen Ausblick und versucht einen Trend festzustellen, zeigt sich, dass trotz der sich abzeichnenden Grenzen und Schwächen gute Voraussetzungen dafür bestehen, dass die Ökotourismusentwicklung zum Naturschutz beitragen kann. Denn die wichtigste Erkenntnis für diese Fallbeispiele ist, dass Ökotourismus einen Beitrag zur Erhöhung der Naturschutzakzeptanz leistet. Und nur durch eine Stärkung der Naturschutzakzeptanz haben Naturschutzbemühungen im Wettbewerb mit anderen Interessen langfristig die Chance, wahrgenommen zu werden und sich durchzusetzen.