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Epiphysenfugenschluss und Übergangsfrakturen am distalen Radius

Epiphyseal fusion and transitional fractures of the distal radius

Reyers, June Dayla


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Epiphysenfugenschluss , distaler Radius , Übergangsfraktur , MRT
Freie Schlagwörter (Englisch): epiphyseal fusion , distal radius , transitional fracture , MRT
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Radiologie, Abt. für Kinderradiologie,
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.04.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 19.06.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die Übergangsfraktur ist eine relativ seltene Frakturform, die für die Tibia in der Vergangenheit gut untersucht worden ist. Sie tritt in der Phase auf, in der sich der Patient im Übergang zwischen Kindes- und Erwachsenenalter befindet. Seit fast einem halben Jahrhundert ist geklärt, wie und warum es zu dieser bestimmten Fraktur kommen kann: Ein Trauma bei zum Teil geschlossener Epiphysenfuge führt zu einer Fraktur, deren Frakturspalt abhängig vom Ossifikationsfortschritt der Fuge verläuft. In diesem Zusammenhang wurde auch die Ausbreitung des Fugenschlusses der distalen Tibia röntgenologisch erforscht.
Die Fraktur des distalen Radius ist die häufigste Fraktur des Menschen. Übergangsfrakturen an dieser Stelle sind bislang in der Literatur selten beschrieben worden, ebenso wenig ist der physiologische Epiphysenfugenschluss des Radius bekannt.
Die hier vorliegende explorative Studie untersuchte diesen Vorgang magnetresonanztomografisch. 21 weibliche und 3 männliche Jugendliche wurden aus der Normalbevölkerung akquiriert. Die Untersuchungen erfolgten zum größten Teil im Querschnitt, bei einigen Probanden zudem im Längsschnitt.
Es konnte ein Schema beschrieben werden, nach dem der Epiphysenfugenschluss am distalen Radius abläuft: Die Mineralisation beginnt in der radialen Hälfte des Fugenquerschnitts und breitet sich nach ulnar aus. Die Peripherie schließt sich zuletzt, wobei erst der ulnare und palmare Teil ossifizieren, anschließend der dorsale Teil auf Höhe des Tuberculum dorsale radii und zuletzt der radiale Rand, obwohl dieser in unmittelbarer Nähe zu dem Punkt liegt, an dem die Mineralisation beginnt.
Der Vorgang der Ossifikation wird auf ungefähr eineinhalb Jahre geschätzt. Allerdings dauert es weniger als ein Jahr, bis der gesamte zentrale Block bis auf einen schmalen Randsaum mineralisiert ist. Diese Schätzung wird durch die Tatsache gestützt, dass nur wenige Untersuchungsergebnisse von Probanden mit halb verknöcherter Fuge vorliegen.
In dieser Studie konnte keine Korrelation zwischen Alter der Probandinnen und Reifegrad der Fuge festgestellt werden. Ebenso wenig stand die Menarche in Zusammenhang mit der Fugenreife. Tendenziell befand sich die Radiusepiphysenfuge im 17. Lebensjahr der Probandinnen in bereits weit fortgeschrittenem Mineralisationsstadium. Bei den im Durchschnitt 18jährigen männlichen Probanden waren alle Fugen bereits vollständig verknöchert.
Aus diesen Ergebnissen lassen sich folgende Schlüsse ziehen:
• Die Ossifikation der Radiusepiphysenfuge erfolgt in einem relativ kurzen Zeitraum, zumindest deutlich kürzer als an der distalen Tibia. Ein möglicher Grund, warum es wenige Fälle von Übergangsfrakturen am distalen Radius gibt, könnte diese relativ kurze Zeitspanne der Mineralisation sein.
• Eine Übergangsfraktur im Sinne einer triplanaren Fraktur hätte somit eine Frakturebene in der Epiphyse, ausstrahlend in das Gelenk, eine zweite senkrecht dazu im zentro-ulnaren Bereich der Fuge und als dritte Ebene einen metaphysären Keil im ulnaren Bereich.
• Mit Fortschreiten der Ossifikation verschiebt sich die zweite Frakturebene von radial nach ulnar.
Kurzfassung auf Englisch: The transitional fracture of the distal tibia is a quite uncommon but very well-investigated kind of fracture. It occurs during change from childhood to adulthood in early adolescence.
Since about half a century ago, it is elucidated how and why this sort of fracture occurs: a trauma during the period of epiphyseal union leads to a fracture. The fracture line depends on the degree of closure of the growth plate. In this context, the fusion pattern of the distal tibial epiphysis was explored by x-ray.
The distal radius is the most common site of fracture. Transitional fractures of the distal radius, however, have been reported quite seldomly, just as little is the fusion pattern of the distal radial epiphysis determined.
In this explorative clinical trial, the pattern of the epiphyseal fusion of the distal radius was explored with magnetic resonance imaging. Twenty-one female and three male subjects were acquired from the local population. The study was conducted cross-sectionally for the most part, as well as partly longitudinally.
A scheme which describes the epiphyseal fusion on the distal radius could be found: the fusion begins in the area of the radial half of the growth plate. As ossification progresses, the central ulnar part closes while leaving the entire periphery open. Of the remaining open fraction, the ulnar and palmar parts fuse just before the dorsal hump. At last, the radial marge ossifies – although this point lies close to the origin of epiphyseal fusion.
The fusion process requires approximately one and a half year. Indeed, it takes less than one year until the entire central block is fused. This estimation is also based on the fact that only a few subjects in this trial had a half-closed growth plate.
In this clinical trial no considerable correlation could be found between the subjects’ age and the degree of closure of the growth plate as little as menarche is associated with it. However, the female subjects tend to have a widely ossificated epiphyseal plate at the age of seventeen. The male subjects, averaged eighteen years old, had entirely fused growth plates.
The following conclusion can be drawn: epiphyseal growth plate fusion at the radius proceeds within a relatively short period, at least well below than at the tibia. One possibility for the low rate of radial transitional fractures could be the short period of time. A transitional fracture in terms of a triplane fracture would therefore have one fracture line in the epiphysis, drawing right into the joint, another line at right angle to the first line in the central-ulnar part of the growth plate while a third line lies in a metaphyseal fragment. As fusion progresses, the fracture plane through the growth plate shifts from radial to ulnar.