Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-69996
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/6999/


Wundbehandlung bei Hund und Katze – unter besonderer Berücksichtigung von Biss- und Abrasionsverletzungen

Hübler, Cornelia


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler 2009
pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.639 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere, Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5450-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.04.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 09.06.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Wunden bei Hund und Katze werden häufig unterschätzt und nicht sofort adäquat behandelt. Oft werden bereits bei den Grundschritten der Behandlung Fehler gemacht, was einen negativen Einfluss auf das Resultat der Therapie hat.

Ein grundsätzliches Problem liegt darin, dass es keinen einheitlichen Standard zur Behandlung von Wunden gibt.

Ziel der vorliegenden Untersuchungen war es, zu evaluieren, ob akute Abrasionswunden und Bissverletzungen nach einem standardisierten Therapieschema behandelt werden können und ob eine Standardisierung für Wundbehandlungen generell möglich ist.

Die Untersuchungen für diese Arbeit wurden an Patienten durchgeführt, die in der Zeit von November 2005 bis März 2008 in der Klinik für Kleintiere der Justus-Liebig-Universität mit derartigen Verletzungen vorgestellt wurden. Der Wundheilungsverlauf wurde während des stationären Aufenthaltes der Patienten verfolgt. Es wurden 14 Hunde und zwölf Katzen mit akuten Abrasionsverletzungen sowie 24 Hunde und acht Katzen mit akuten Bissverletzungen in die Untersuchungen einbezogen.

Die durchgeführten Wundbehandlungen richteten sich grundsätzlich nach den von Pavletic (1999) aufgestellten Basisschritten: Prävention weiterer Wundkontamination, Entfernung von Fremdkörpern und Kontaminanten, Débridement toten/ absterbenden Gewebes, Bereitstellung einer adäquaten Wunddrainage, Wahl der geeigneten Verschlussmethode sowie Förderung eines lebensfähigen Granulationsbettes.

Die Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Art und Weise und der Umfang, in dem die einzelnen Schritte durchgeführt werden müssen, sich beträchtlich unterscheiden und auch das Ausmaß der Folgeuntersuchungen stark vom individuellen Ausmaß der Verletzung abhängt.

Bei Abrasions- und Bissverletzungen handelt es sich um zwei grundsätzlich verschiedene Wundarten. Die Behandlung dieser Wundarten kann demnach zwar nach einem groben Schema, nicht aber komplett standardisiert durchgeführt werden.

Dies ist weder für alle Wundarten übergreifend noch für die spezifischen Verletzungen getrennt gesehen möglich.

Vergleicht man den Zeitpunkt der Drainageentfernung sowie die Komplikationsrate mit den Daten zwischen Katze und Hund, so fällt auf, dass Hunde schwerwiegendere Verletzungen haben. In der Veterinärmedizin stellen Hundebisse aufgrund der Kombination aus Quetsch-, Schnitt- und Rissverletzungen schwerwiegendere Probleme dar, als Katzenbisse. Die unterschiedlichen Ausmaße der Bissverletzungen bei Hund und Katze machen ebenfalls deutlich, dass eine speziesübergreifende standardisierte Wundbehandlung nicht möglich erscheint.

In die Untersuchungen wurde das Signalement der Patienten sowie die Lokalisation der Wunden mit einbezogen, um Vergleiche zu anderen Studien ziehen zu können. Es zeigte sich, dass bei Hunden mit Abrasionsverletzungen die Hälfte der Patienten (n= 7) ≤ 1 Jahr alt war (Ø 3 Jahre). Dies zeigt, dass beim Hund meist die Unerfahrenheit und der Spieltrieb der Jungtiere zu Unfällen und damit verbundenen Verletzungen führen. Bei den Katzen ist die Altersverteilung ausgeglichener, wenn auch das durchschnittliche Alter mit 3,82 Jahren nicht beträchtlich höher liegt.

Die Abrasionen sind bei allen Hunden (n= 14) im Bereich der distalen Gliedmaße (ab Bereich Carpus/Tarsus) zu finden (Hintergliedmaße; n= 10). Auch bei allen Katzen (n= 12) befinden sich die Wunden im Bereich der distalen Gliedmaßen (Hintergliedmaße; n= 11).

Von den mit Bissverletzungen vorgestellten Hunden (n=24) haben 14 ein Gewicht von <15 kg („kleine Hunde“). Die Geschlechterverteilung zeigt einen höheren Anteil an männlichen Tieren (n= 14), zehn der vorgestellten Tiere sind weiblich. Kastraten sind selten zu finden (je zwei männliche und weibliche Hunde). Diese Ergebnisse stimmen mit den Vergleichsstudien überein, in denen unkastrierte „kleine“ Rüden den größten Teil des Patientengutes ausmachen (Shamir et al., 2002; Kilic und Sarierler, 2003; Stammwirtz, 2005). Die Geschlechterverteilung der vorgestellten Katzen ist ausgeglichen.

In der vorliegenden Untersuchung traten Bisswunden an verschiedensten Körperregionen auf.

Die häufigste Lokalisation der Bissverletzungen war bei den Hunden zwischen Kopf und Schulterbereich gelegen (n= 10). Weitere zehn Hunde wurden an den Gliedmaßen gebissen.

Bei den Katzen (n= 8) waren die häufigsten Bissstellen im Bereich der Vordergliedmaße zu finden (n= 5). In der Literatur wird als Hauptlokalisation für Bisswunden bei Hunden der Nackenbereich angesehen (Swaim SF und Henderson RA, jr, 1997; Shamir et al. (2002); Stammwirtz (2005); Pavletic und Trout 2006). Über die Lokalisation von Bissen bei der Katze liefert die Literatur stark differenzierende Daten, die teilweise mit dem Ergebnis der vorliegenden Studie korrelieren (Kilic und Sarierler (2003)) oder auch abweichen (Shamir et al. (2002)).


Desweiteren sollte in der vorliegenden Studie eruiert werden, ob sich ein Unterschied im Heilungsverlauf ergibt, wenn akute Verletzungen mit steriler Vollelektrolytlösung oder einer antiseptischen Lösung gespült werden. Verglichen wurden Sterofundin® (B/Braun Melsungen AG) mit dem Polyhexanid-haltigen Prontovet® (B/Braun VetCare GmbH). Bei Abrasionsverletzungen wurde der Einfluss der Spüllösungen auf den Zeitpunkt der ersten Granulationsgewebsbildung untersucht, bei den Bissverletzungen wurde festgehalten, nach wie vielen Tagen die Wundexsudation sistierte.

Die Patienten wurden in acht Gruppen eingeteilt. Abrasionsverletzungen bildeten die Gruppe Ι (n= 26) und Bissverletzungen die Gruppe ΙΙ (n= 32). Sie wurden weiter unterteilt in: Hunde, deren Wunden mit Prontovet® (Gruppe Ι/ΙΙ.1) und Hunde, deren Wunden mit Sterofundin® gespült wurden (Gruppe Ι/ΙΙ.2). Katzen, deren Wunden mit Prontovet® (Gruppe Ι/ΙΙ.3) sowie Katzen, deren Wunden mit Sterofundin® gespült wurden (Gruppe Ι/ΙΙ.4).

Sowohl bei Abrasions- als auch bei Bissverletzungen konnte bei Hund und Katze die Komplikationsrate (Rate an Nekrosen, Dehiszenzen und eitriger Exsudation) durch die Anwendung von Prontovet® gesenkt werden und somit der Umfang der benötigten Wundbehandlungen eingeschränkt werden.
Bei Katzen mit Abrasionsverletzungen schien sich das Antiseptikum zudem positiv auf die Granulation auszuwirken. (Gruppe I.3. Ø drei Tage (zwischen zwei und vier Tagen); Gruppe I.4. Ø 8,67 Tage). Es muss jedoch beachtet werden, dass die Fallzahlen der Katzen sehr gering sind (n= 3) und daher nur von einer Tendenz gesprochen werden kann. Im Gegensatz zu den Katzen trat bei den Hunden der Gruppe I.1. das erste Granulationsgewebe auf der Wundoberfläche nach Ø 3,75 Tagen auf (3- 5 Tage), bei Gruppe I.2. nach Ø 4 Tagen (3- 5 Tage).

Auf den Zeitpunkt der Entfernung der Drainage scheint die Wahl der Spüllösung bei Hunden (Gruppe II.1. Ø 6,22 Tage; Gruppe II.2 Ø 6,25 Tage) und Katzen (Gruppe II.3. Ø 3 Tage; Gruppe II.4. Ø 2,33 Tage) mit Bissverletzungen keinen Einfluss zu nehmen. Bei allen Katzen lag der Zeitpunkt der Drainageentfernung zwischen dem 2. und 4. Tag, es gab keine stark abweichenden Ergebnisse.

Diese Ergebnisse zeigen, dass sowohl Prontovet® als auch Sterofundin® zur Wundspülung bei Hund und Katze mit akuten Abrasions- bzw. Bissverletzungen sehr gut geeignet sind. Das Antiseptikum zeigt jedoch hinsichtlich der Komplikationsrate und bei Katzen auch im Verlauf der Wundheilung (Granulation) Vorteile gegenüber der sterilen Vollelektrolytlösung.
Kurzfassung auf Englisch: Wounds of dogs and cats often are underestimated and they are not treated adequately. Mistakes are frequently made in basic treatment of wounds, which may have an influence on the results of the therapy.
The main problem is, that there is no standard procedure to treat a wound.

The aim of the present study was to evaluate, if acute abrasions and bite wounds can be treated in a standard way and if there is a possibility to standardize wound treatment at all.

In this study medical reports of dogs and cats were reviewed, that had been examined in the “Klinik für Kleintiere der Justus-Liebig-Universität Giessen” (November 2005 to March 2008). Wound healing was documented during the clinical stay of the patients. 14 dogs and 12 cats with acute abrasions as well as 24 dogs and 8 cats with acute bite wounds were examined.

The manner of wound care followed the basic steps of Pavletic (1999):
Prevention of further wound contamination, removal of foreign debris and contaminants, débridement of devitalized and necrotic tissue, provision of adequate drainage, selection of appropriate wound closure and promotion of viable vascular bed.

The results of the examinations show, that the reqired method and extent of every step of wound care can differ considerably for each patient. The extent of following treatments during clinical stay also depends on the individual case.

Abrasions and bite wound are fundamental different kinds of wounds. Therefore they can be treated in a similar manner, a standardized way of wound care however is not possible.

The later removal of drains and the higher rate of complications show, that bite wounds of dogs are graver than in cats. Dog bites tend to be more problematic for the veterinarian because of the combination of crush, tear and avulsion injury (Pavletic and Trout, 2006). Therefore a standardized wound care for dogs and cats does not seem not to be possible.

Personal description and localisation of the wounds were evaluated. Half of the examined dogs with abrasions (n= 7) were younger than 1 year old (Ø 3 years). Inexperience and play instinct of young dogs seems to lead to abrasions by car accidents. The age of wounded cats is more balanced, the average age however is not much higher than in the case of dogs (Ø 3,82 years).

Abrasions of all dogs (n= 14) and cats (n= 12) were located on the distal limbs (carpus/ tarsus and paws). Most of them on the pelvic limbs (dogs: n= 10, cats: n= 11).

Most of the dogs with bite wounds (14 of 24 dogs) weigh <15 kg (“little dogs”). There were 14 males and 10 females, only 4 dogs were castrated (2 of each sex respectively). These results are comparable to other studies, which suggest that small “real” male dogs are mainly bitten (Shamir et al., 2002; Kilic and Sarierler, 2003, Stammwirtz, 2005). The sexes of cats with bite wounds were balanced.

Bite wounds were located on different parts of the body. The main location of bites in dogs was between head and shoulder (n= 10) and on the limbs (n= 10). In cats (n= 8) most wounds were on the thoracic limbs (n= 5). The results of dogs are comparable with other studies. They describe the neck of dogs as main localisation of bite wounds (Swaim SF und Henderson RA, jr, 1997; Shamir et al. (2002); Stammwirtz (2005); Pavletic and Trout 2006). There are very different statements about localisation of bite wound of cats in literature. Some studies correlate with this study (Kilic und Sarierler (2003), other studies differ from this result (Shamir et al. (2002).


Another aim of the present study was to determine differences in wound healing, if an acute wound is cleansed with a sterile balanced electrolyte solution (Sterofundin® (B/Braun Melsungen AG)) or an antiseptic solution with polyhexanides (Prontovet® (B/Braun VetCare GmbH)).

In abrasions the influence of the solution over the first appearance of granulation tissue was determined. In bite wounds the date was documented, when wound drainage stopped.

The patients were classified in 8 groups (Abrasions: Group I (n= 26); Bite wounds: Group II (n= 32)). These two groups were divided in: Dogs, whose wounds were cleansed with Prontovet® ( Group I/II.1), dogs, whose wounds were cleansed with Sterofundin® (Group I/II.2), cats, whose wounds were cleansed with Prontovet® ( Group I/II.3) and cats, whose wounds were cleansed with Sterofundin® (Group I/II.4).

In dogs and in cats complications (necrosis, wound dehiscence and purulent exudation) and consequently the extent of required examinations and treatments can be lowered, if the wound is cleansed with Prontovet®. In cats with abrasions the antiseptic agent also seems to be beneficial to granulation (Group I.3.: Ø 3 days (2 to 4 days); Group I.4. Ø 8,67 days). But the number of examined cats is very low (n= 3), so the result only shows a tendency. In dogs the first granulation tissue was seen at a medial time of 3,75 days (Group I.1) and at a medial time of 4 days (Group I.2). All dogs had granulating wounds after 3 to 5 days.

There seems to be no influence of the rinsing solutions on the time of removal of the drain in dogs (Group II.1.: Ø 6,22 days; Group II.2.: Ø 6,25 days) and cats (Group II.3. Ø 3 days; Group II.4.: Ø 2,33 days) with bite wounds. In all cats the drain was removed on day 2 to 4.

Prontovet® and Sterofundin® both are really adequate wound solutions for dogs and cats with acute abrasions and bite wounds. But the antiseptic agent has advantages over the balanced electrolyt solution. There are less complications in wound healing in dogs and cats and in cats it seems to have a positive effect on granulation in wound healing.