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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/6891/


Die Effekte von Aprotinin : Eine retrospektive Analyse in der Koronarchirurgie

The effects of aprotinin : A retrospective study in cardiovascular surgery

Immler, Christoph


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Chirurgie, Anästhesiologie und Urologie; Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.02.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 24.02.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Studie ist eine retrospektive Datenanalyse von 866 Patienten die sich im Zeitraum von Januar 2003 bis Dezember 2004 im Universitätsklinikum Gießen einer Herzbypassoperation unterzogen. Zur Minimierung des perioperativen Blutverlusts wurde bei 526 Patienten Aprotinin (Trasylol) verabreicht, in der Kontrollgruppe ohne Medikamentenapplikation waren 340 Patienten dokumentiert. Die Indikation zur Verabreichung des Medikaments wurde durch den operierenden Chirurgen gestellt. Verglichen wurden die Gruppen hinsichtlich einer postoperativen Niereninsuffizienz, Auftreten von Myokardinfarkten und Apoplex, der Gesamtmortalität, dem postoperativen Blutverlust, sowie dem Transfusionsbedarf.

Bei 2,5% der Patienten (n=13) in der Aprotiningruppe ist es zu einem Kreatininwertanstieg um mehr als das Doppelte gekommen, im Vergleich zu 4,2% der Patienten (n=14) in der Kontrollgruppe. Es ergab sich bei einem p=0,23 keine statistische Signifikanz, jedoch ein geringer Vorteil in der Medikamentengruppe. Bei den präoperativ Niereninsuffizienten ergab sich in der Medikamentgruppe ein statistisch signifikanter Vorteil (p= 0,04) hinsichtlich einer postoperativen Dekompensation im Sinne eines Kreatininwertanstieges auf mehr als das Doppelte.

In der Medikamentengruppe ergab sich kein Nachteil einen perioperativen Myokardinfarkt zu erleiden (1,5% vs.1,8%; p= 0,79). Aprotinin hatte keinen Einfluss auf die Todesursache Myokardinfarkt (1,3% vs. 1,5%, p=0.17), genauso wenig wurde das Auftreten eines Apoplexes begünstigt (1,1% vs. 1,5%; p=0,93).
Aprotinin führte zu einer Reduktion der Mortalität (2,1% vs. 4,1%, p=0,09) ohne statistische Signifikanz.

Aprotinin reduzierte den postoperativen Blutverlust (775ml vs.1220ml, p<0.001) und den Bedarf an Bluttransfusionen (36,5% vs. 59,4%, p<0.001).
In unserem Krankengut ging die Gabe von Aprotinin somit nicht mit einer erhöhten Mortalität, Myokardinfarktrate oder Inzidenz eines Apoplexes einher. Vorteile in der Medikamentengruppe zeigten sich durch einen geringeren Blutverlust, weniger Bluttransfusionen und eine bessere postoperative Nierenfunktion bei Niereninsuffizienten.

Die Auswahl des Studientyps und die interindividuellen Variabilitäten des Patientenguts spielen eine gewichtige Rolle hinsichtlich der Effekte von Aprotinin. Entscheidend ist die Gleichheit der Kriterien für bestimmte Ereignisse und somit die Vergleichbarkeit der Studien untereinander.
Die Wiederzulassung des Medikaments für den Einsatz in der Herzchirurgie kann nur durch Studien gelingen, die solche Überlegungen mit einbeziehen.

Kurzfassung auf Englisch: In this single-institution study, we analysed data of 866 patients undergoing coronary artery bypass grafting (CABG), from January 2003 to December 2004 at the Justus-Liebig-University of Gießen, Germany. To reduce bleeding, 526 patients were treated with aprotinin (Trasylol®), the control group consisted of 340 patients with no application of aprotinin during cardiac surgery. The indication for the medication was given by the surgeon.

We investigated differences in the two groups concernig postoperative renal insufficiency, rates of myocardial infarction and stroke, mortality, bleeding and transfusion requirements.

Use of aprotinin in patients with known renal insufficiency, showed less postoperative renal dysfunctions (1,7% vs. 8,1%, p=0,04).

Aprotinin was not associated with a higher risk of myocardial infarction (1,5% vs. 1,8%, p=0,79) or stroke (1,1% vs.1,5%, p=0.93). Aprotinin reduced mortality (2,1% vs. 4,1%, p=0.09) without statistical significance.
Bleeding was reduced in the group of aprotinin treated patients (775ml vs 1220ml, p<0,001), as well transfusion requirements (36,5% vs. 59,4%, p<0,001).
In our trial we could not show any disadvantage, concerning serious end-organ damage in the use of aprotinin CABG surgery. Treatment with aprotinin reduced postoperative bleeding and the need of transfusions.

The type of trial and the interindividual variabiltity, plays a decisive role, concerning the effects and outcome of patients treated with aprotinin. The consistency of criteria is crucial to compare the studies.

The reaproval for aprotinin in cardiac surgery can only be given, if studies comprising these facts are accomplished.