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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/6666/


Untersuchung zur exokrinen Pankreasfunktion und hepatobiliären Parametern bei Patienten mit Hyperlipidämie

Hahn, Jochen


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Pankreatitis , Gallensteine , Hyperlipidämie
Freie Schlagwörter (Englisch): chronic , pancreatitis , gallstone , hepatobiliary , hyperlipidemia
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik und Poliklinik III
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 31.10.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 10.12.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Seit langem ist bekannt, dass Fettstoffwechselstörungen, insbesondere die familiäre Hypertriglyceridämie, akute Pankreatitiden auslösen können. Allgemein war jedoch die Rolle der Fettstoffwechselstörungen bezüglich der Entwicklung der chronischen Pankreatitis unklar. Auch wurde die Bedeutung der Cholelithiasis bei der Entstehung der chronischen Pankreatitis kontrovers diskutiert, obwohl es allgemein unstrittig ist, dass akute Pankreatitiden durch Gallensteine oder Sludge ausgelöst werden. Seit kurzem ist mit dem fäkalen Elastase 1-Test ein neuer indirekter Test zur Messung der exokrinen Pankreasfunktionsleistung auf dem Markt, der Studien, die in diese Richtung zielen, vereinfacht. Zusammen mit den bildgebenden Verfahren, wie dem CT, dem MRT, der ERCP und der Sonographie wurden in der vorliegenden Arbeit die Veränderungen, die durch Cholelithiasis und Fettstoffwechselstörungen am Pankreas verursacht werden könnten, untersucht. Mit Auswertung der Daten von Bildgebung sowie hepatobiliären Parametern und Pankreasfunktionsparametern, die über einen Zeitraum von vier Jahren erhoben wurden, wurde analysiert, in welchem Zusammenhang Hyperlipidämie-, Gallengangs- und Pankreaserkrankungen stehen. Es ergab sich eine Anzahl von 397 Patienten, von denen die Daten für die vorliegende Arbeit retrospektiv erhoben und an¬schließend statistisch ausgewertet wurden. Zugelassen wurden nur Patienten mit mindestens einer Hyperlipidämie-Diagnose und mindestens einem fäkalen Elastase 1-Befund.

Bei 42,2% der Patienten, die einen Oberbauchsonographiebefund aufwiesen, zeigte sich Cholelithiasis in Form von Gallensteinen oder Sludge. Bei 19% wurde durch die bildgebenden Verfahren eine chronische Pankreatitis diagnostiziert. Hier bestand, ge¬messen am fäkalen Elastase 1-Test, bei 10,8% eine eingeschränkte (100-200 müg/g) und bei 14,4% eine insuffiziente exokrine Pankreasfunktion (< 100 müg/g).

Es wurde kein Zusammenhang zwischen der reinen Hypercholesterinämie, der gemischten Hyperlipidämie und den sonstigen Hyperlipidämien mit der chronischen Pankreatitis gefunden. Wohl aber stellte sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Elastase 1-Werten von unbehandelten Hypertriglyceridämiepatienten und den unbehandelten, an anderen Hyperlipidämien erkrankten Patienten heraus. Die Elastase 1-Mittelwerte waren niedriger bei Patienten mit Hypertriglyceridämie (213,0 müg/g) als bei Patienten mit anderen Hyperlipidämiediagnosen (385,84 müg/g); (p = 0,03). Weiterhin zeigte sich, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen einer Zunahme der exokrinen Pankreasinsuffizienz und der nicht behandelten Hypertriglyceridämie besteht (p = 0,025), so dass eine exokrine Pankreasinsuffizienz bei Hyperlipidämiepatienten mit Hypertriglyceridämie häufiger war als bei Patienten mit anderen Hyperlipidämie¬diagnosen. Folglich scheint ein Zusammenhang zwischen Hypertriglyceridämie und exokriner Pankreasinsuffizienz zu bestehen, was sich am ehesten durch eine zugrunde liegende chronische Pankreatitis erklären lässt.

Wir fanden weiterhin einen hoch signifikanten Zusammenhang zwischen Cholelithiasis und chronischer Pankreatitis, die mit bildgebenden Verfahren diagnostiziert wurde. Das Risiko für eine chronische Pankreatitis stieg bei Cholelithiasis um das 4,134-fache. Auch war die Beziehung zwischen erweitertem Ductus Choledochus und den mit bild¬gebenden Verfahren diagnostizierten chronischen Pankreatitiden hoch signifikant. Das Risiko für die chronische Pankreatitis stieg bei einer Erweiterung auf über 6 mm um das 3,186-fache. Die These, dass Gallensteine mit einer chronischen Pankreatitis (bei Hyperlipidämiepatienten) assoziiert sind, wurde durch die vorliegende Studie aussagekräftig bestärkt.

Darüber hinaus fanden wir bei den unbehandelten Hyperlipidämiepatienten eine Tendenz für einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Cholesterinspiegel und dem Vorkommen von Gallensteinen, was darauf schließen lässt, dass ein erhöhter Serumcholesterinspiegel in Beziehung zur Entstehung von Cholelithiasis steht.

Zusammenfassend zeigt die vorliegende Studie:

1. dass eine chronische Pankreatitis offenbar doch mit Hypertriglyceridämien in Zusammenhang steht,

2. dass außerdem die Möglichkeit besteht, dass Gallensteine oder Sludge entgegen offizieller Lehrmeinung eine Ursache chronischer Pankreatitiden sein können

3. dass Gallensteine mit einem erhöhten Cholesterinspiegel verknüpft sein können.

Wegen des retrospektiven Charakters der Studie, der die Aussagekraft eingeschränkt, sollten weitere prospektive Studien zur Bestätigung der Ergebnisse folgen.
Kurzfassung auf Englisch: It has long been known that lipopathy, in particular familial hypertriglyceridemia, can trigger episodes of acute pancreatitis. In general, however, it was unclear which role the lipid metabolism disorder played in the development of chronic pancreatitis. Moreover, the significance of cholelithiasis in the development of pancreatitis was discussed controversially, although it is generally undisputed that episodes of acute pancreatitis are triggered by gallstones or sludge. Only recently on the market is the fecal elastase 1 test, a new indirect test for performance evaluation of the exocrine pancreatic function, simplifying clinical trials which address this subject. In the work presented, changes in the pancreas caused by cholelithiasis and lipopathy were examined with the aid of imaging techniques such as CT, MRT, ERCP and sonography. By evaluating the data from the images, together with hepatobiliary parameters and parameters of pancreatic function, recorded over a period of 4 years, the relationship between hyperlipidemia and disorders of the bile duct and pancreas was analyzed. For the purpose of this study, data from a total of 397 patients was recorded retrospectively and then evaluated statistically. Only patients with at least one diagnosis of lipopathy and at least one positive fecal elastase 1 test were included.

In 42.2 % of patients with findings in the abdominal sonography, cholelithiasis was evident in form of gallstones or sludge. In 19 % chronic pancreatitis was diagnosed by imaging techniques. Here, the fecal elastase 1 test showed in 10.8 % a restricted pancreatic function (100-200 µg/g) and in 14.4 % an insufficient exocrine pancreatic function (< 100 müg/g). No relationship was found between pure hypercholesterinemia, mixed hyperlipidemia and other forms of lipopathy with the chronic pancreatitis. However, a significant difference was revealed between the elastase 1 values in untreated hypertriglyceridemia patients and the untreated patients with other types of lipopathy. The mean value of elastase 1 was lower in patients with hypertriglyceridemia (213 müg/g) than in patients with other hyperlipidemia diagnoses (385.84 müg/g); (p = 0.03). Furthermore, it was shown that a significant relationship exists between an increase in exocrine pancreas insufficiency and untreated hypertriglyceridemia such that an exocrine pancreas insufficiency in patients with hypertriglyceridemia was more common than in patients with other hyperlipidemia diagnoses. Consequently, there would appear to be a connection between hypertriglyceridemia and exocrine pancreas insufficiency, which is most likely explained by an underlying chronic pancreatitis. We also found a highly significant connection between cholelithiasis and chronic pancreatitis diagnosed by imaging. The risk of chronic pancreatitis rose with cholelithiasis by 4.134 times. Furthermore, the relation between the dilated ductus choledochous and chronic pancreatitis exposed by imaging was highly significant. The risk of chronic pancreatitis rose with an increase of over 6 mm by 3.186 times. The theory that gallstones are associated with chronic pancreatitis was reinforced convincingly by this study.

Moreover, we found that in patients with untreated hyperlipidemia there tended to be a connection between raised cholesterol levels and the occurrence of gallstones which implies a relationship between raised levels of serum cholesterol and the development of cholelithiasis.

In conclusion, the study shows:

1. that chronic pancreatitis is indeed related to hypertriglyceridemia

2. that furthermore, contrary to expert opinion, it is possible that gallstones and sludge could be a cause of chronic pancreatitis

3. that gallstones could be linked to raised cholesterol levels.

Due to the retrospective nature of the study which limits its meaningfulness, further prospective studies will be necessary to substantiate the results.