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Beitrag von Verträgen zur Steuerung von Pflegequalität : empirische Untersuchung am Beispiel der vollstationären Pflege

Stache, Eva


Originalveröffentlichung: (2008) Giessen : VVB Laufersweiler 2008
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.436 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Haushaltswissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5369-7
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.07.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 01.12.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Das System der pflegerischen Versorgung besteht aus dem häuslichen, ambulanten
und stationären Leistungssektor und wird durch eine Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichen
Interessen gebildet. Dabei ist die Gewährleistung, Sicherung und Weiterentwicklung
von Pflegequalität die gemeinsame Aufgabe aller beteiligten Akteure. Um
dieser Verpflichtung gerecht zu werden, kommt eine Vielzahl von Instrumenten zum
Einsatz. Verträge sind eines dieser Werkzeuge.

Die verfügbare Literatur befasst sich nur ungenügend mit der Bedeutung von Verträgen
für die Steuerung von Pflegequalität. Aus diesem Grund erörtert die vorliegende Forschungsarbeit
den derzeitigen Einsatz von Verträgen als Steuerungsinstrument von
Pflegequalität und identifiziert Optimierungspotentiale. Die Dissertation beruht auf einer
Literaturanalyse und der empirischen Untersuchung der Vertragslandschaft des vollstationären
Pflegesystems. Neun Vertragsarten werden anhand ausgewählter Vertragsbeispiele
inhaltsanalytisch im Hinblick auf ihren Beitrag zur Steuerung von
Pflegequalität beurteilt.

Grundsätzlich zeigt die Arbeit auf, dass Verträge vor allem im ambulanten und stationären
Leistungssektor Einsatz finden und dort eine pflegequalitätssteuernde Wirkung
innehaben. Der häusliche Pflegesektor wird hingegen nur indirekt von Verträgen tangiert,
was hauptsächlich mit der Schutzwirkung des Grundgesetzes und der Nicht-
Beruflichkeit der häuslichen Pflege zu begründen ist. Häusliche Pflegequalität unterliegt
folglich keiner unmittelbaren Steuerungswirkung von Verträgen.

Im Bereich der ambulanten und stationären Pflege äußert sich der Nutzen von Verträgen
in mehrfacher Hinsicht. Im Rahmen ihrer individuellen Vertragsziele legen Verträge
umfangreiche Qualitätsanforderungen fest, die der Steuerung von Pflegequalität dienen.
Zugleich helfen Verträge den Akteuren bei der Durchsetzung ihrer individuellen
Sichtweisen von Pflegequalität und unterstützen sie bei der Erfüllung ihrer gesamtgesellschaftlichen
Aufgaben, der Sicherung und Weiterentwicklung von Pflegequalität.

Die aktuelle Vertragspraxis birgt jedoch auch Probleme. Verträge werden zwar als
Steuerungsinstrument von ambulanter und stationärer Pflegequalität eingesetzt, allerdings
geschieht dies ohne eine umfassende Beschreibung des Steuerungsobjekts und
ohne eine schlüssige und evaluierte Steuerungsstrategie. Derzeit existiert weder in
Deutschland noch international eine umfassende und anerkannte Definition des Pflegequalitätsbegriffs.
In sachlogischer Konsequenz mangelt es auch an einer fundierten

und zwischen den Akteuren abgestimmten Vorgehensweise zur Steuerung von Pflegequalität
durch Verträge. Eine maßgebliche Schwäche ist, dass die Steuerung hauptsächlich
durch detaillierte Vorgaben zur Potenzial- und Prozessqualität erfolgt. Diese
bewirken eine Einschränkung der Handlungsfreiheit der ambulanten und stationären
Leistungserbringer und sind zudem mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden.In der derzeitigen Vertragsgestaltung sind aktuelle Forschungsergebnisse, die die
Bedeutung der Ergebnisqualität hervorheben, nicht ersichtlich. Weiterhin ist zu konstatieren,
dass keine Gleichberechtigung zwischen den Vertragspartnern herrscht. Bedingt
durch unterschiedliche Vertragskompetenzen und Machtpositionen nehmen die
Akteure in ungleichem Maß Einfluss auf die inhaltliche Vertragsgestaltung. Hieraus
folgt, dass sie Verträge nur in ungleichem Ausmaß als Steuerungsinstrument von Pflegequalität
einsetzen können.

Auf Basis dieser Erkenntnisse lassen sich verschiedene Ansatzpunkte für eine Optimierung
des Einsatzes von Verträgen in der Pflege ableiten. Insbesondere ist zu empfehlen,
dass eine umfassende, von allen Beteiligten anerkannte Definition des Begriffs
der Pflegequalität sowie eine schlüssige Steuerungsstrategie für Pflegequalität erarbeitet,
evaluiert und etabliert werden sollte. Hierfür ist die Evaluation und Implementierung
von akzeptierten Qualitätsindikatoren notwendig, die das anzustrebende Qualitätsniveau
der pflegerischen Versorgung abbilden. Auf Basis dieses Punktes könnte
nachfolgend eine konsistente und systematische Strategie für den Einsatz von Verträgen
als Steuerungsinstrument von Pflegequalität erarbeitet werden. Dabei sollte eine
ergebnisorientierte Steuerung im Sinne des New Public Management-Ansatzes angestrebt
werden. Dies könnte durch den Ausbau der vertraglichen Vorgaben zur Ergebnisqualität
erreicht werden. Hierbei ist es ratsam, dass Ergebnisindikatoren Berücksichtigung
finden, die von den Akteuren integrativ erarbeitet und gemeinsam konsentiert
wurden. Im Gegenzug sollten die Vorgaben zur Potenzial- und Prozessqualität
abgebaut werden, um den ambulanten und stationären Leistungserbringern einen größeren
Entscheidungsspielraum zu gewähren und einen Beitrag zur Entbürokratisierung
zu leisten. Weiterhin ist eine verstärkte Überwachung der Vertragsdurchführung zu
befürworten. Denn nur, wenn die Vertragspartner ihre vertraglichen Rechte und Pflichten
einfordern und erfüllen, können Verträge ihre steuernde Wirkung auf die Qualität in
der Pflege entfalten.
Kurzfassung auf Englisch: The care system consists of home, ambulatory and stationary care sectors and is
formed by a multiplicity of participants with different interests. It is the common task of
all participants to guarantee, ensure and develop the quality of care. In order to fulfil
this responsibility, a wide range of instruments is used. Contracts are one of these
tools.

The available literature documents the meaning of contracts for care quality only
insufficiently. For this reason, the dissertation discusses the present use of contracts as
management instrument of care quality and identifies optimization potentials. The
research rests on a literature analysis and an empirical investigation of the contract
landscape of the full-stationary care system. Nine types of contract based on selected
contract examples (N=17) are evaluated contents-analytically regarding their
contribution for the management of care quality.

In principle, the work points out that contracts are applied particularly in the ambulatory
and stationary care sector and influence the over there care quality. Contracts affect
the home care sector only indirectly, which is to be justified mainly by the protective
effect of the Basic Constitutional Law of the Federal Republic of Germany and the nonprofessionalism
of home care.

Therefore, contracts do not have a direct impact on home care quality. Within the
ambulatory and stationary care, the use of contracts expresses itself in several
respects. In the context of their individual contract aims contracts specify extensive
quality requirements, which serve the management of ambulatory and stationary care
quality. Contracts support the participants both with the achievement of their individual
interests in care quality and with the fulfilment of their common tasks, the assurance
and development of care quality.

Current contract practice shows however also problems. Therefore, it is to be stated
that contracts are used as management instrument for ambulatory and stationary care
quality - however this happens without a comprehensive description of the
management object and without a conclusive and evaluated management strategy. At
present exists neither in Germany nor internationally a wide-ranging and recognized
definition of the care quality term. In consequence, there is also no well-founded and
co-ordinated proceeding obvious for the management of care quality by contracts.
Relevant weakness is that management by contracts takes place mainly via detailed
specifications regarding structure and process quality. This effects a restriction of the

activity scope of the ambulatory and stationary service provider and causes also a high
bureaucratic effort. In the present contract design current research results, which
emphasize the meaning of the outcome quality, are not evident. Further, there is no
equality between the contracting parties apparent. Due to different contract authorities
and positions of power, the participants influence the subject matter of contracts in a
different degree. Consequently, they apply contracts as management instrument of
care quality in an unequal extent.

To basis of these results, different optimization fields for the use of contracts can be
identified. In particular, a comprehensive and agreed definition of the term of the care
quality as well as a general consistent management strategy for care quality are
recommended to be compiled, evaluated and implemented. For this, the establishment
of accepted quality indicators is necessary, which illustrate the target quality level of the
care. On basis of this point, a consistent and systematic strategy for the use of
contracts as management instrument can be worked out. The strategy should strive for
an outcome-oriented management in the sense of New Public management. This could
be realised by the extension of the matters of contract regarding outcome quality. It is
advisable to compile and agree the outcome indicators together with all participants of
the care system. In response, the contracting parties should diminish the specifications
regarding structure and process quality. This leads to a larger decision clearance of the
ambulatory and stationary service provider and contribute to debureaucratisation.
Besides an intensified monitoring of contract execution is to be endorsed. Contracts
can just unfold their management effect on the quality in the care, if the contracting
parties call in and fulfil their contractual rights and obligations.