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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-66531
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/6653/


Positionsveränderungen der Unterkiefer-Incisivi in Bezug auf die Unterkiefervorverlagerung bei der Schienen-Herbst/Multibracket Apparatur Behandlung

Martin, Julia


Originalveröffentlichung: (2008) Giessen : VVB Laufersweiler 2008
pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.206 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Kieferorthopädie
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5340-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.09.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 01.12.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den Einfluss der Schienen-Herbst/Multibracket-(MB) Apparatur auf die Stellung der Unterkiefer-Incisivi in Bezug auf das Ausmaß der Unterkiefervorverlagerung zu Beginn der Behandlung an Patienten mit einer Klasse II:1-Dysgnathie in einer explorativen Studie zu ermitteln. Hierbei wurden die sagittale und vertikale Kieferrelation, das Alter und die skelettale Reife der Patienten mit berücksichtigt.


Untersucht wurden 133 Angle-Klasse II:1 Dysgnathien, welche mit einer Schienen-Herbst Apparatur und anschließend mit einer MB-Apparatur behandelt wurden. Anhand der Größe der Unterkiefervorverlagerung (Bite jumping) zu Beginn der Behandlung wurden die Probanden in drei Gruppen (I, II und III) unterteilt:


·I: 49 Probanden mit einem Bite jumping ≤ mm

·II: 44 Probanden mit einem Bite jumping von 7,5 mm bis 9,5 mm

·III: 40 Probanden mit einem Bite jumping >9,5 mm

Das Durchschnittsalter war bei: I: 13,6 ± 2,4 Jahre, II: 15,4 ± 6,7 Jahre, III: 14,7 ± 4,7 Jahre.

Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug mit der Herbst-Apparatur 7 Monate und mit der anschließenden MB-Apparatur 12 Monate.

Die skelettale Reife der Probanden vor Beginn der Behandlung wurde anhand der Reifung der Handknochen (Handröntgen) oder der C3-Halswirbelkörper (FRS) ermittelt. Im Verhältnis zum pubertären Wachstumsgipfel wurde zwischen vier Reifestadien unterschieden: Pre-Peak, Peak, Post-Peak und das Wachstumsende. Die Verteilung der Reifestadien war in den drei Bite jumping-Gruppen vergleichbar.

Es wurden Fernröntgenseitenbilder (FRS) des Kopfes in habitueller Okklusion zu drei verschiedenen Zeitpunkten ausgewertet: vor der Herbst-Behandlung (T1), nach der Herbst-Behandlung (T2) und nach der anschließenden MB-Behandlung (T3). Die kephalometrischen Veränderungen während drei Untersuchungszeiträumen wurden festgehalten:

·T2 - T1 Herbst -Behandlungsphase

·T3 - T2 MB-Behandlungsphase

·T3 - T1 Gesamter Behandlungszeitraum

Untersucht wurden die Veränderungen der vertikalen und sagittalen Position der Unterkiefer- Incisivi.

Die sagittale und vertikale Kieferrelation wurde anhand des ANB-Winkels und des Mandibularbasiswinkels (ML/NSL) erfasst.

Die Studie führte zu folgenden Ergebnissen:

·Während der Herbst-Behandlungsphasen (T2 - T1) kam es bei allen drei Bite jumping-Gruppen zur ausgeprägten Intrusion, Protrusion und Proklination der Unterkiefer-Incisivi. Bei dem Vergleich der drei Bite jumping-Gruppen untereinander kam es bei Gruppe II und III zu deutlich größeren Zahnbewegungen als in Gruppe I. Zwischen Gruppe II und III lag kein Unterschied vor.

Betrachtet man die individuellen Messwerte der Probanden, war folgendes zu finden:

Eine Intrusion der Frontzähne von mehr als 3 mm war bei 10% der Probanden der Gruppe I, 25% der Probanden der Gruppe II und 43% der Probanden der Gruppe III zu finden.

Eine Protrusion der Frontzähne von mehr als 3 mm kam bei 41% der Probanden der Gruppe I, 52% der Probanden der Gruppe II und 63% der Probanden der Gruppe III vor.

Eine Proklination der Frontzähne von mehr als 12° kam bei 16% der Probanden der Gruppe I, 36% der Probanden der Gruppe II und 43% der Probanden der Gruppe III vor.

·Während der MB-Behandlungsphase (T3 - T2) kam es bei allen drei Bite jumping-Gruppen zu rückläufigen Bewegungen der Unterkiefer-Incisivi: Extrusion, Retrusion und Retroklination. Es war kein statistischer Unterschied zwischen den Bite jumping Gruppen zu erkennen.

·Es konnte eine mäßige Korrelation (r = 0,40-0,44) zwischen dem Ausmaß des Bite jumpings und der sagittalen und vertikalen Positionsveränderung der Unterkiefer-Incisivi während der Herbst-Behandlungsphase festgestellt werden.

·Es konnten keine Zusammenhänge zwischen der Größe des Bite jumpings und der Veränderung der sagittalen und vertikalen Kieferrelation sowie dem Alter oder der skelettalen Reife gefunden werden.

Schlussfolgernd konnte festgestellt werden, dass je größer der Bite jumping, desto größer die Intrusion, Protrusion und Proklination der Zähne während der Herbst-Behandlungsphase. In der nachfolgenden MB-Behandlungsphase kam es zu rückläufigen Bewegungen der unteren Incisivi. Die Größe dieser Bewegungen war unabhängig vom Ausmaß des Bite jumpings.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of the present exploratory study was to analyse the effect of the Herbst/Multibracket (MB)-appliance on the position of the lower incisors in relation to the amount of mandibular advancement (bite jumping) at the beginning of treatment. In the evaluation, sagittal and vertical jaw relations, age and skeletal maturity of the patients were considered.

The subject material comprised 133 Class II:1 malocclusions treated by the cast splint Herbst appliance and followed by a MB-appliance. With respect to the amount of bite jumping at the beginning of treatment, the subjects were divided into three groups:

·I: 49 subjects with a bite jumping of <7 mm

·II: 44 subjects with a bite jumping of 7.5 to 9.5 mm

·III: 40 subjects with a bite jumping of >9.5 mm.

The average age of the subjects in the three bite jumping groups was: I: 13.6 ± 2.4 years of age, II: 15.4 ± 6.7 years of age and III: 14.7 ± 4.7 years of age.


The average treatment time with the Herbst appliance was 7 months and with the MB appliance 12 months.

The skeletal maturity of the subjects before treatment was assessed by the analysis of handswrist bones (hand radiographs) or by the analysis of C3 cervical vertebrae (lateral headfilms). It was differentiated between four maturity stages: Pre-Peak, Peak, Post-Peak and End of growth. The different stages were equally distributed among the three bite jumping groups.

Lateral headfilms in habitual occlusion were evaluated at three occasions: Before Herbst treatment (T1), after Herbst treatment (T2) and after MB treatment (T3). Cephalometric changes during three examination periods were considered:

·T2-T1 Herbst treatment period

·T3-T2 MB treatment period

·T3-T1 Total treatment period

Changes of the vertical and sagittal position of lower incisors were assessed. The sagittal and vertical jaw relations were recorded on the basis of the ANB-angle and the ML/NSL-angle, respectively.

The study led to following results:

·During the Herbst treatment period (T2-T1) the lower incisors were intruded, protruded and proclined in all three bite jumping groups. When comparing the bite jumping groups, significant larger tooth movements occurred in groups II and III than in group I. When comparing group II and III no statistical differences were found.

Considering individual values the following was found:

An incisor intrusion of more than 3mm in 10% of the group I subjects, 25% of the group II subjects and 43% of the group III subjects.

An incisor protrusion of more than 3mm in 41% of the group I subjects, 52% of the group II subjects and 63% of the group III subjects.

An incisor proclination of more than 12 degrees in 16% of the group I subjects, 36% of the group II subjects and 43% of the group III subjects.

·During the MB treatment period (T3-T2) relapsing incisor tooth movements occurred. When comparing the three bite jumping groups no statistical
differences were seen.

·A moderate correlation (r = 0.40-0.44) could be seen between bite jumping and the sagittal and vertical position changes of the lower incisors during the Herbst treatment period.

·No correlation was found between bite jumping and the changes of sagittal and vertical jaw relations during the Herbst treatment period and Herbst/MB treatment periods. The same was found for the age and the treatment growth period.

Conclusion: During the Herbst treatment period an association between bite jumping and movement of the lower incisors existed: the larger the bite jumping, the larger the intrusion, protrusion and proclination of teeth. During the following MB treatment period, relapsing incisor tooth movements occurred which were independent of the original amount of bite jumping.