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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/6454/


Welchen Einfluss hat die Dauer der Seitenlagerung auf die Qualität und den Verlauf einer Spinalanaesthesie mit hyperbarem Bupivacain?

Ritter, Thilo


pdf-Format: Dokument 1.pdf (18.772 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Spinalanaesthesie , Bupivacain , Seitenbetonung , Hemispinalanaesthesie , hyperbar
Freie Schlagwörter (Englisch): unilateral , bupivacaine , spinal , duration
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Anaesthesie und Operative Intensivmedizin, St. Vincentius-Kliniken gAG, Karlsruhe
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.08.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 29.09.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Theoretische Vorteile der seitenbetonten Spinalanaesthesie sind eine bessere hämodynamische Stabilität und eine profundere neuronale Blockade der betroffenen Seite. Ziel der vorliegenden Arbeit war es festzustellen mit welcher Zuverlässigkeit eine Seitenbetonung zu erreichen ist und wie deren Verlauf durch die Dauer der Seitenlagerung beeinflusst wird.


In einer randomisierten, prospektiven Untersuchung erhielten 40 Patienten jeweils 2,0 ml Bupivacain 0,5% hyperbar zur Spinalanästhesie. Die Injektion erfolgte in Seitenlage. Gruppe I (n=20) wurde nach 5 min, Gruppe II (n=20) nach 15 min wieder in Rückenlage gebracht. Der Verlauf der sensiblen und der motorischen Blockadeausbreitung wurde seitengetrennt in einem standardisierten Zeitraster perioperativ erfasst.


Die beiden Gruppen unterschieden sich, bis auf eine geringe Abweichung beim Körpergewicht, nicht in ihren morphometrischen Eigenschaften. 15 min nach Injektion unterschied sich die mittlere sensible Blockadeausbreitung zwischen der zunächst unten und oben liegenden Seite in Gruppe I um 2 Segmente (Th 7 vs. Th 9) und in Gruppe II um 4 Segmente (Th 8 vs. Th 12). Im weiteren Verlauf verschwanden diese Seitenunterschiede zunächst und zeigten sich erst nach deutlicher Rückbildung der sensiblen Blockade wieder. Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen war hinsichtlich der Sensibilität zu keinem Zeitpunkt nachzuweisen. Im Gegensatz zur Sensibilität zeigte sich bei der motorischen Blockade eine deutliche und im Verlauf anhaltende Seitenbetonung zugunsten der zunächst unten liegenden Seite. Dabei war jedoch kein Gruppenunterschied feststellbar. In Gruppe I gaben die Patienten im Mittel 43 min früher Schmerzen im OP-Gebiet an als in Gruppe II (225 min vs. 268 min). In Gruppe I kam es im Mittel 48 min früher zu einer subjektiven Normalisierung der Sensibilität auf der Seite des OP-Gebietes als in Gruppe II (218 min vs. 266 min).


Eine klinisch relevante Seitenbetonung der sensiblen Blockade konnte in unserer Untersuchung nicht erreicht werden. Die weitgehend erhaltene Motorik der nicht operierten Seite kann aber möglicherweise Ängste der Patienten reduzieren (partiell erhaltenes Körpergefühl) und zu einer grösseren Akzeptanz der Methode führen. Die mögliche Ursache für die fehlende sensible Seitenbetonung sind anhaltend hohe Wirkstoffkonzentrationen im Liquor, die sich nach Umlagerung, der Schwerkraft folgend, auch auf die zuvor oben liegende Seite verteilen. Zur Blockade der motorischen Efferenzen (A alpha-Fasern) sind diese Konzentrationen offensichtlich zu gering. Der Einfluss der Lagerungsdauer ist auf die Analgesiedauer und die Dauer bis zur subjektiven Normalisierung der Sensibilität der operierten Seite begrenzt und von geringer klinischer Relevanz. Die Dauer der Seitenlagerung spielt nach den vorliegenden Ergebnissen somit nur eine untergeordnete Rolle für das Erreichen einer Seitenbetonung.
Kurzfassung auf Englisch: Theoretical advantages of unilateral spinal anaesthesia are a reduced incidence of hemodynamic changes and a better and pronounced sensomotoric block of the affected side. The present investigation was designed to 1) evaluate the reliability of a restriction of the spinal block to one side and to 2) what extend the duration of lateral decubitus does influence the characteristics of the spinal anaesthesia.


In a prospective, randomised study 40 patients received 2 ml of 0.5% hyperbaric bupivacaine intrathecally. The injection occurred in lateral position. Group I (n=20) was returned into the supine position after 5 minutes. Group II (n=20) was returned into the supine position after 15 minutes. The spread of sensory and motor block were assessed separately in a predetermined pattern of time.


Both groups were identically regarding their morphometric parameters except a small variance concerning the weight. 15 minutes after the injection the mean difference of the sensory block level between the initially dependent and non dependent side reached two segments (T7 vs. T9) in group I and four segments (T8 vs. T12) in group II. During the subsequent progress those bilateral differences disappeared, reappearing after clear regression of the sensory block. Statistically significant differences between both groups regarding the sensory block level could not be detected at any time. In contrast to the sensory block the motor block showed a considerable and lasting accentuation to the former dependent side. However, no difference between both groups regarding the motor block could be detected either. Patients belonging to group I complained about pain in the surgical area at an average of 43 minutes prior then patients belonging to group II (225 min vs. 268 min). Patients belonging to group I also reported 48 minutes prior a complete regression of the subjective sensory block than patients belonging to group II (218 min vs. 266 min).


Under the conditions of our investigation no inter-lateral difference in sensory block with clinical relevance could be obtained. But patient’s potential fears could be reduced because of the largely conserved motor function. Maybe this can lead to a better acceptance of the anaesthetic method itself. The most likely reason for the lack of inter-lateral differences in sensory block is the lasting high concentration of the local anaesthetic in cerebrospinal fluid which, after turning the patient supine, will transit to the previously non-dependent side. Obviously the resulting concentration of local anaesthetic is not sufficient to block the motor pathway (A alpha). The influence of the duration of the lateral horizontal position is restricted to the period of analgesia and the time of complete regression of the subjective sensory block on the operated side. Regarding the instant results, the duration of the lateral decubitus seems to be secondarily to achieve a unilateral spinal anaesthesia.