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Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-60964
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/6096/


Komplementäre Diagnostik : Ermöglichen Irisdiagnostik / Iridologie und Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein die Diagnose von Malignomen? - Eine prospektive Studie

El-Safadi, Samer


Originalveröffentlichung: (2008) Giessen : VVB Laufersweiler 2008
pdf-Format: Dokument 1.pdf (983 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5326-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.07.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 05.08.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund

Die Irisdiagnostik / Iridologie und die Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein haben eine hohe Akzeptanz bei Patienten. Beide Methoden werden von annähernd
100% der Heilpraktiker zur Krebsprävention angewendet. Sie versprechen die Erkennung eines Malignoms in einem frühen und symptomlosen Stadium.
Die Irisdiagnostik erkennt angeblich das an Krebs erkrankte Organ und die Dunkelfeldmikroskopie ermöglicht die Diagnose von akuten und metastasierten Karzinomen im Gegensatz zu gesunden Personen.

Die Studie sollte klären, ob beide Verfahren es zulassen, ein Malignom des Ovars, des Uterus, der Mamma, der Prostata und kolorektale Karzinome zu diagnostizieren.


Material und Methoden

Einem staatlich geprüften Heilpraktiker mit langjähriger Erfahrung in beiden Verfahren wurden 110 Testpersonen ohne Vorinformationen und verhüllt vorgestellt. Von den Testpersonen waren 68 an einem histologisch gesicherten Karzinom der fünf oben genannten Entitäten erkrankt. Eine Kommunikation durfte nicht stattfinden.

Durch die Betrachtung mit einem Irismikroskop soll die Iris nach Krankheitszeichen (Pigmente, Krypten, Lakunen, Substanzzeichen) abgesucht werden.

Bei der Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein wird ein Bluttropfen aus der Fingerbeere entnommen und unter dem Dunkelfeldmikroskop analysiert.


Ergebnis

Im Ergebnis wurden bei den 68 an einem Tumor erkrankten Patienten mit der Irisdiagnostik nur drei richtig identifiziert. Bei der Dunkelfeldmikroskopie sah das Ergebnis unwesentlich besser aus. Hier wurden von den 12 akuten und metastasierten Karzinomen nur drei richtig erkannt. Im Gegensatz dazu wurde bei 30 von 41 Personen eine akute Tumorerkrankung mit der Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein festgestellt, obwohl klinisch und anamnestisch keine Tumorerkrankung vorhanden war.


Fazit

Beide Verfahren lassen keine zuverlässige Aussage zu Tumorentitäten zu. Wegen der hohen Anzahl von falsch-positiven Aussagen kann es bei den Patienten zu unnötigen Ängsten, einer Verunsicherung sowie bei falsch-negativen Aussagen zu einer Scheinsicherheit kommen. Nachfolgend werden meist komplementäre Therapieverfahren eingeleitet, welche hohe Kosten verursachen können.

Beide Verfahren haben keine Berechtigung in der Diagnose von Tumoren. Ihre Anwendung ist abzulehnen.
Kurzfassung auf Englisch: Background

Iridology and darkfield microscopy according to Enderlein claim to diagnose a malignancy process in a very early and symptomless stage.
They are widespread in use by most health practitioners (non-medically qualified complementary practitioners) and physicians in Germany and the USA.

Iridology claims that the anterior iris surfaces are associated with different organs and special irregularities in the iris are in indications of different malignancies.

Minute abnormalities in a drop of blood under a darkfield microscope are supposed to show the presence of a malignancy process or a metastasis status.

In a prospective study it was examined if it is possible to detect cancer of five different entities (breast, uterus (cervix and endometrium), ovary, prostate and colorectum).

Material and Methods

A well versed health practitioner in both methods investigated 110 patients without knowing anything about the patient. 68 patients were affected by 5 different histological proven tumor entities.
Iridology should identify the cancer affected organs and darkfield microscopy had to diagnose the presence of cancer or a metastasis situation in comparison to healthy person.

Results

Among 68 patients with 5 different tumor entities only three patients were correctly identified with iridology (sensitivity 0.04).
Analysis by darkfield microscopy did not reveal any better results. Among the 12 patients with an acute or metastasis tumor disease three were correctly identified (sensitivity 0.25). In contrast to this result 30 cases were incorrectly identified. Unfortunately these 30 false positive cases are identified in the group of 41 healthy persons.

Conclusions

Since both methods produce a high rate of false positive results, the patients will be unnecessarily scared and have a great financial burden when they start a complementary therapy. False negative diagnosis delays an efficient clinical therapy. Both methods cannot detect cancers and the use of these methods should be discouraged.