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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-59491
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5949/


Das Labrum glenoidale beim Hund : eine anatomisch-histologische Studie unter besonderer Berücksichtigung des Kollagenfaserverlaufs und klinischer Relevanz im Vergleich zur humanmedizinischen Schultergelenkssituation

Ruchay, Stefanie


Originalveröffentlichung: (2008) Giessen : VVB Laufersweiler 2008
pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.996 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere (Chirurgie); Orthopädische Klinik u. chirurgische Abteilung der Tierversuchsanlage des Universitätsklinikums Düsseldorf
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5294-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.06.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 18.06.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Im Gegensatz zu zahlreichen humanmedizinischen Studien zum Labrum glenoidale wird die Schultergelenkslippe des Hundes in der veterinärmedizinischen Literatur nur in wenigen Publikationen erwähnt. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, die Zusammensetzung und den Verlauf des caninen Labrums makroskopisch und mikroskopisch zu beschreiben und seine Beziehung zu angrenzenden Strukturen, wie der Bizepssehne, den Glenohumeralbändern und der Gelenkkapsel zu klären sowie im Hinblick auf klinische und experimentelle Relevanz mit der humanen und veterinärmedizinischen Literatur zu diskutieren.

Untersucht wurden 20 Schultergelenke von 6 Monate alten Beagles, die im Rahmen einer toxikologischen Studie euthanasiert wurden. Nach der Aufteilung des formalinfixierten und entkalkten Glenoids in 7 Segmente, welche sich an der cranial gelegenen Bizepssehne ausrichteten, erfolgten histologische Färbungen der paraffin-eingebetteten Schnittpräparate. Darüber hinaus wurde das Labrum immunhistologisch auf das Vorhandensein von Kollagen I, II und III überprüft und die tissue-Transglutaminase-Aktivität von Endothelzellen zum Nachweis der Blutgefäßversorgung herangezogen.

Das Labrum glenoidale stellt sich beim Hund als nicht einheitliche Struktur dar. Während die cranial gelegenen Segmente VII, I und II eine faserknorpelige Verankerungszone aufweisen, welche sich Kollagen II-positiv darstellt, dominiert in den übrigen Segmenten III bis VI eine zirkulär ums Glenoid verlaufende, Kollagen II-negative Faserzone. Lediglich im zweiten Segment finden sich beide Zonen parallel. Im dritten Segment schiebt sich eine meniskoide Falte in den Gelenkspalt vor, deren gute Gefäßversorgung im ansonsten gefäßfreien Labrum immunhistologisch deutlich gemacht werden konnte.

Eine direkte Anbindung des Labrums an die Gelenkkapsel des Schultergelenks findet sich in den Segmenten III bis VII. Hierbei wird die Kapselwand medial durch den caudalen Schenkel des medialen Glenohumeralbandes (MGHL) sowie lateral durch das laterale Glenohumeralband (LGHL) verstärkt, wobei letzteres ausschließlich in der Verankerungszone des siebten Segmentes ansetzt. Im ersten Segment werden Labrum und Kapsel durch die tief knöchern ansetzende Bizepssehne getrennt, deren Ursprungsfasern zum Teil auch im Labrum verankert sind. Im zweiten Segment dominiert der craniale Schenkel des MGHL, welches, über ein Gekröse aufgehängt, zwischen Labrum und Gelenkkapsel zu liegen kommt und den Recessus subscapularis in zwei Buchten unterteilt.

Makroskopisch lässt sich das Labrum glenoidale lediglich lateral als derber Ringwulst ansprechen, während craniolateral bereits keine Trennung mehr vom LGHL möglich ist. Medial liegt die meniskoide Falte dem peripheren Rand des Glenoids auf. In den übrigen Segmenten lässt sich das Labrum nicht als eigenständige Struktur definieren.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass dem Labrum glenoidale beim Hund trotz nachgewiesener Inkongruenz des Schultergelenks von ungefähr 1:2,5 weder gelenkflächen-vergrößernde, noch vertiefende Hauptfunktion zugesprochen werden kann, es jedoch als Anheftungszone für angrenzende Strukturen einen unerlässlichen Bestandteil des Schultergelenks darstellt. Die vorliegende anatomische Beschreibung soll es dem veterinärmedizinischen Orthopäden in der bildgebenden Diagnostik mittels MRT, Sonographie oder Arthroskopie künftig erleichtern, glenoidnahe Veränderungen richtig zu interpretieren, eine korrekte Therapie daraus abzuleiten und die Prognose zu bestimmen.

Kurzfassung auf Englisch: Unlike the case in human medical studies of the labrum glenoidale, the glenoid lip of the dog was only mentioned in a few publications. Therefore, the purpose of this study was to describe the composition and the progression of the canine labrum macroscopically and microscopically and to explain the relation to the adjacent structures, such as the biceps tendon, the glenohumeral ligaments and the joint capsule.The results are to be discussed with the human and veterinarian literature.

I examined 20 shoulder joints of 6 months old beagles. They were euthanized as part of a toxicological study. The formalin-fixed and decalcified glenoids were separated into 7 segments arranged around the cranial biceps tendon. The paraffin-embedded segments were cut into several slices and stained histologically. The labrum was also examined immunohistologically to see, whether there are traces of collagen I, II and III. The tissue-transglutaminase activity of endothelial cells was used to prove the presence of a blood vessel supply.

The canine labrum glenoidale has no uniform structure. The cranial segments VII, I und II show a fibrocartilaginous transition zone, which is shown as collagen II positive. A collagen II negative fibrous zone surrounds the glenoid of the remaining segments III till VI. Only in the second segment, both zones are parallel. In the third segment, a well blood supplied meniscoide fold penetrates the articular space. No blood circulation could be shown immunohistologically in the fibrocartilaginous transition zone and the rounded fibrous structure.

In the segments III till VII, the labrum is directly attached to the joint capsule of the shoulder joint. Here, the capsulewall is reinforced medially by the caudal part of the medial glenohumeral ligament (MGHL) and reinforced laterally by the lateral glenohumeral ligament (LGHL), the latter only fixed to the transition zone of the seventh segment. In the first segment, the labrum and the capsule are separated by the biceps tendon, which is deeply fixed in the supraglenoidale tuberculum of the shoulder. The original fibers of the biceps tendon are also partially fixed in the labrum. In the second segment the dominant cranial part of the MGHL is hanging between labrum and joint capsule and divides the recessus subscapularis into two subpouches.

Macroscopically, the labrum glenoidale can only be recognized as a thick and rough limbus, whereas craniolaterally the separation from the LGHL cannot be seen any more. Medially, the meniscoid fold is lying on the peripheral glenoid rim. In the other segments the labrum cannot be defined as an independent structure.

In spite of the proven incongruence of the shoulder joint (approximately 1:2,5), the results show clearly that the canine labrum glenoidale neither enlarges the joint surface nor deepens it considerably. As a fixing zone for adjacent structures, it is however an essential part of the shoulder joint. Thanks to this anatomic description it will be easier for veterinary orthopaedics to correctly interpret deviations of the glenoid labrum by MRI, sonography or arthroscopy and determine an effective therapy and prognosis.