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Krebstiere (Crustacea) – Biologie, Vorkommen, Haltung und Erkrankungen, sowie ihre Bedeutung als Zootierobjekte und Lebensmittelressourcen : eine Literaturstudie

Walther, Marc


Originalveröffentlichung: (2008) Giessen : VVB Laufersweiler 2008
pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.293 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierphysiologie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5288-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.06.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 17.06.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Crustaceen stellen nicht nur eine biologisch interessante Tiergruppe dar, sondern erlangen aufgrund
ihrer Haltung in Zoos und durch ihre Nutzung als wichtige Lebensmittelquelle ein immer
größer werdendes Interesse. Gerade in den letzen Jahren gab es eine enorme Informationsflut
über Erkrankungen bei Crustaceen. Dies wurde als Anlass genommen, das heutige Wissen in
einer Abhandlung zusammenzufassen.

Die Literaturstudie wird durch eine systematische zoologische und lebensmitterelevante Einteilung
der Gruppe der Crustacea eingeleitet.

Anschließend werden anatomische und physiologische Besonderheiten erarbeitet und innerhalb
der Gruppe der decapoden Crustacea verglichen. Besonderes Augenmerk verdienten hierbei die
vergleichende Atmungsphysiologie und die Physiologie der Osmoregulation bei Krebsen, die
im Süßwasser, im Salzwasser und an Land leben.

Der folgende Abschnitt der Arbeit befasst sich mit der Immunologie bei Crustaceen und geht
speziell auf das Prophenoloxidasesystem ein.

Das Kapitel Erkrankungen der Crustacea liefert einen Überblick über die wichtigsten Mikroorganismen,
wie Bakterien, Viren, Pilze und Algen, und über metazoische Parasiten, die sowohl
bei Süß- als auch bei Salzwassercrustaceen vorkommen. Wichtige diagnostische Verfahren und
prohylaktische und/oder therapeutische Methoden werden erwähnt.

Bakterielle Infektionen scheinen in den meisten Fällen opportunistischer Art zu sein, die
durch Stresseinwirkung aus einer Latenzphase in eine klinische Phase übergehen. Meist handelt
es sich dabei nicht nur um einen einzelnen Erregertypus, sondern um ein multifaktorielles Geschehen,
das den Organismus schädigt.

Eine größere Bedeutung kommt jedoch mittlerweile den viralen Erkrankungen zu. Aufgrund
der in den letzten Jahren gestiegenen Nachfrage nach Produkten aus dem „Seafood“-
Bereich kam es zu einer intensiven Haltung von Crustaceen in Aquakulturen, die von Viruserkrankungen
nicht verschont blieben. Gerade in den letzten Jahren wurden immer neue durch
Viren bedingte Erkrankungen bei Krebstieren beschrieben, die nicht zuletzt massive Einbußen
in kommerziellen Anlagen verursachten. Oft sind Therapien bei viralen Erkrankungen nutzlos,
so dass auf prophylaktische Maßnahmen zurückgegriffen werden muss.

Mykosen sind vor allem durch die Krebspest bekannt geworden. Den Pilzerkrankungen
wird daher ein eigener Abschnitt gewidmet, in dem die Ätiologie, Verbreitung, Klinik, Pathogenese,
Diagnose und Therapie der jeweiligen Mykose behandelt werden. Neben Aphanomyces
astaci, dem Erreger der Krebspest, werden Schimmelpilzerkrankungen, die Brandfleckenerkrankung
und Infektionen mit Saprolegnia-Arten beschrieben.

Bei den protozealen Erkrankungen werden Infektionen mit Mikrosporidien, Flagellaten
und Ciliaten erwähnt, wobei die bedeutendste Erkrankung wohl die Porzellankrankheit durch
Thelohania contejani zu sein scheint, da sie neben dem Edelkrebs auch Shrimps befällt.

Metazoische Parasitosen werden durch Plathelminthen (Turbellarien, Trematoden, Cestoden),
Nemathelminthen und Anneliden verkörpert, die jedoch bis auf wenige Ausnahmen als Kommensalen
auftreten. Arthropoden treten in Form von Muschelkrebsen auf, die den Kiemenkammern
aufsitzen und so durch Störung der Kiemenfunktion Schaden anrichten können. Nebenbei
dienen sie ebenfalls als Vektor für digene Trematoden.

Der Abschnitt „Decapoda“ befasst sich mit einzelnen decapoden Spezies, die sowohl als Lebensmittel
Verwendung finden (Callincets sapidus, Homarus-Arten, Macrobrachium rosenbergii,
Shrimps), als auch als Schädlinge vorkommen (Eriocheir sinensis, Carcinus maenas)
oder von besonderem biologischen Interesse sind (Birgus latro). Ihre spezielle Biologie, ihr
Vorkommen und ihre Ansprüche an Haltung und Vermehrung werden beschrieben, so dass
dieses Kapitel im Zusammenhang mit den Teilen Physiologie und Anatomie des ersten Kapitels,
in dem die hier erwähnten Decapoden bereits hinsichtlich ihrer anatomischen und physiologischen
Besonderheiten dargestellt wurden, steht.

In einem gesonderten Kapitel, „Lebensmittelkundliche und -hygienische Aspekte bei der Verwendung
von Krebstieren als Lebensmittel“, werden zunächst gesundheitliche Gefahren, die
beim Verzehr von Krustentieren enstehen können, beschrieben. Zu diesen Gefahren zählen in
erster Linie Erreger mit zoonotischem Potential, die sich bei den Bakterien (beispielsweise Escherichia
coli, Salmonellen, Vibrionen und andere Bakterien), bei den Viren (beispielsweise
Noroviren) oder bei den Parasiten (beispielsweise Paragonimus westermani) wiederfinden.
Zudem wird auf Rückstände in Form von Antibiotika, Pestizide und Schwermetalle hingewiesen.
Toxine in Krebsen, die sich durch Aufnahme im Krebskörper akkumulieren und so Bedeutung
für den Konsumenten erlangen können, werden kurz abgehandelt.

Mikrobiologische Anforderungen an Krebstiere, die als Lebensmittel verwendet werden, werden
tabellarisch aufgelistet.

Im Kapitel „Eigene Auswertung“ werden an crustaceenhaltende Einrichtungen versendete Fragebögen
mit Fragen zur Haltung, Fütterung und Krankheiten ausgewertet und Vorschläge zu
Therapien von Krankheiten den Angaben aus der wissenschaftlichen Literatur gegenübergestellt.
Kurzfassung auf Englisch: Crustaceans are not only an interesting group of arthropodes for themselves, they gain a growing
interest in seafood industry and in zoos. In recent years there was an extensive increase in
new information on crustacean diseases, which was taken as an occasion to summarize in a
literature review.

This literature review starts with a taxonomy of crustaceans, followed by anatomical and
physiological pieces of information. Within the group of decapoda, anatomical and
physiological features are compared with remarks on comparing respiratory and
osmoregulation systems in terrestrial, marine and freshwater decapods. The next part describes
the crustacean immunological defense system and emphasizes on the prophenoloxidase
activating system.

The next chapter deals with crustacean diseases and describes important microorganisms (like
bacteria, viruses, fungi and algae), protozoan and metazoan parasites that can lead to important
infections in freshwater and marine crustaceans. Possible methods of prophylactic procedures,
diagnostic and therapeutic measures are mentioned after each description.

Bacterial infections are primarily opportunistic ones as a result of different stressors.
They shift from subclinical to clinical appearance and can damage their host. Therefore bacterial
infections seem to be multifactorial and are characterized by mechanical damage of the
epicuticular layer in a first step, followed by bacterial invasion in a second step.

Today viruses seem to be of greater importance. Intensive increase in aquaculture systems
as a result of growing demand for crustacea in seafood industry led to mass production
followed by disastrous viral infections. In recent years new types of viruses were described
causing mass mortalities and high financial costs. In most cases viral infections cannot be treated
succesfully – prophylactic measures are the only way to prevent disastrous outbreaks.

The most important fungal infection seems to be predominantly the crayfish plague caused
by Aphanomyces astaci. The main part of this section is concerned with Aphanomyces
astaci’s aetiology, distribution, clinical signs, pathogenesis, diagnostis and therapy. Burn Spot
Disease caused by Ramularia astaci or Didymaria cambari is mentioned, fungal infections
with Fusarium ssp. and Saprolegnia spp. are described.

Within the group of protozoan parasites of crustacea Thelohania contejani (Porcellain
Disease) seemed to be of great significance. Thelohania contejani can have disastrous effects
on European crayfish (Astacus astacus) and on several shrimp species. Controlling Porcellain
Disease can only be made by eradication of infected stocks, wherefore this agent can lead to
high financial losses in commercial systems. Infections caused by Vavraia spp., Psorospermium
haeckeli, Ciliates and Flagellates are described in shorter term.

Metazoan infestations are caused by plathelminthes (turbellaria, trematoda, cestoda),
nemathelminthes or annelids. In most cases they can be regarded as commensales.


Ostracoda are the only known arthropods infesting crustacea. Ostracoda are located in branchial
chamber and on gill filaments and interfere with respiration. Moreover Ostracoda can deal as
vector for trematoda.

Crustaceans are highly allergenic food sources. Recent years have seen an increase in the production
and consumption of seafood-products, leading to more frequent reports of allergic reactions
after consumption and in occupational seafood industry. Persons concerned with seafoodinduced
immediate allergic responses can develop several symptoms affecting the skin, respiratory,
cardiovascular or gastrointestinal tract. The causative agents are IgE-reactive tropomyosines
like Pen a I, Pen m II or Par f I which are characterized biochemically.

The next part describes several decapod crustaceans. Beside species of interest for commercial
seafood-productions (Callinectes sapidus, Homarus spp., Macrobrachium rosenbergii,
Shrimps) there are crustaceans that are seen as aquatic nuisance species (Carcinus maenas,
Eriocheir sinensis) or some of biological interest (Birgus latro). Their biology, distribution and
their requirements with regard to keeping and reproduction are discussed.

The following chapter deals with crustaceans used as seafood. Health risks, such as viral, bacterial
or parasitic agents with a zoonotic potential are discussed. Chemical health risks like antibiotic
residues, heavy metals, pesticides or biological toxines accumulated in crustaceans are
briefly mentioned. The microbiological requirements of crustaceans used as seafood are tabularly
presented.

The last part is an interpretation of the questionnaire mailed to several aquariums, hatcheries
and institutions working with crustaceans. Questions towards crustacean husbandry, feeding
and crustacean diseases and therapy are discussed. Therapeutical suggestions made by the
asked institutions are compared with literature comments on diseases dealt with in the questionnaire