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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-59213
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5921/


Kompetenz von Verhaltenstherapeuten in der Ausbildung

Behavioural therapists´ competencies in training

Domma, Julia


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Abteilung für Klinische und Physiologische Psychologie
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.04.2008
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 10.06.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Unter Gesichtspunkten der Prozess- und Ergebnisqualität der Arbeit von 71 Psychotherapeuten des Gießener postgraduierten Weiterbildungsstudienganges "Psychologische Psychotherapie (Schwerpunkt Verhaltenstherapie)" wurde ihre therapeutische Kompetenz aus drei Perspektiven erfasst: aus der Sicht der Therapeuten, ihrer Patienten und der Sicht externer Beobachter. Die Arbeit sollte einerseits einen Beitrag zur Qualitätssicherung des Gießener Weiterbildungsstudienganges leisten, andererseits Anregungen für die Gestaltung von Ausbildungselementen, insbesondere der Ausbildungssupervision geben.
Klärung, ob Therapeuten ihr eigenes therapeutisches Handeln patientengerecht einschätzen können; ihr Urteil ein geeignetes Abbild des Behandlungsverlaufs für die Supervision darstellt und inwiefern Differenzen optimal in der Supervision genutzt und verändert werden können. Untersuchung, welche Aspekte zur subj. Wirksamkeitserwartung (suWe) von Therapeuten und zur Patientenzufriedenheit (PaZu) beitragen. Prüfung, inwiefern sich subj. wirksame Therapeuten von unwirksamen Therapeuten unterscheiden; ob bei zufriedenen vs. weniger zufriedenen Patienten unterschiedliches Therapeutenverhalten beobachtet werden kann und ob Therapeuten, die sich als unterschiedlich wirksam erleben, beobachtbare Verhaltensunterschiede aufweisen.
Messinstrumente: Stundenbeurteilungsbögen (Grawe, 1995; Therapeuten- und Patientenurteil); Beobachtungsbogen für Verhaltensratings zur Therapeutenkompetenz (Langer & Frank, 1999; Beobachtereinschätzung)
Studie: 71 Auszubildende zum Zeitpunkt des Beginns ihrer eigenständigen verhaltenstherapeutischen Behandlungstätigkeit unter Supervision; Bewertung der jeweils 4. Therapiestunde (entsprach der Zwischenprüfung der Therapeuten); dyadisches, unstandardisiertes Setting.
Es zeigte sich, dass die untersuchten jungen Therapeuten zum Untersuchungszeitpunkt bereits über gute Beziehungs- und Methodenkompetenzen verfügten (durchschnittliche suWe; überdurchschnittliche PaZu). Das therapeutische Wirksamkeitserleben kann durch die Realisierung einer guten Therapeut-Patienten-Beziehung, Ziel- und Aufgabenorientierung sowie förderlichen Problemaktualisierung vorhergesagt werden. Ebenso geht die beobachtbare problembewältigende Arbeit mit einer positiven suWe auf Therapeutenseite einher. Merkmale, die PaZu hervorsagen, sind die von Patienten wahrgenommene Ziel- und Aufgabenorientierung, Problemaktualisierung und Ressourcenaktivierung sowie die von Außen erkennbare formale Struktur. Im Ergebnis unterscheiden sich subj. wirksame von unwirksamen Therapeuten in ihrer eigenen Stundenbeurteilung sowie aus der Beobachterperspektive. Mit der Wahrnehmung der eigenen Wirksamkeit geht eine höhere Beziehungsqualität sowie eine bessere Problemaktualisierung und –bewältigung einher. Patienten nehmen keine Unterschiede im Verhalten der beiden Therapeutengruppen wahr. Das beobachtbare Therapeutenverhalten von zufriedenen Patienten zeichnet sich durch eine ziel- und aufgabenorientierte sowie patientenzugewandte Beziehungsgestaltung aus. Die Therapeuten schaffen Problemnähe (Problemaktualisierung) und einen formal gut strukturierten Stundenablauf. Auch die Ausstrahlung von emotionaler Sicherheit nimmt einen positiven Einfluss auf die Stundenzufriedenheit. Bei der Betrachtung der beiden Therapeutengruppen (subj. wirksam/unwirksam) im Zusammenhang mit der PaZu wurde deutlich, dass das Patientenurteil u. a. dafür notwendig ist, die Therapeutenwahrnehmung zu korrigieren. So fühlten sich Therapeuten wirksam, die aber unzufriedene Patienten hatten und dies nicht realisierten, ebenso wie sich Therapeuten als unwirksam wahrnahmen, die Patienten sich aber durchaus zufrieden zeigten. Im Hinblick auf die Entwicklung eines professionellen Selbstbildes ist es erforderlich, sowohl die Wahrnehmung des eigenen Verhaltens als auch das Erkennen von Patientensignalen zu schulen.
Die Studie impliziert, dass neben der Therapeutensicht, wie sie bei Fall-Supervisionen auf der Basis verbaler Berichte im Vordergrund steht, auch die Sicht der Patienten und externe Verhaltensbeurteilungen zum Therapeutenverhalten heranzuziehen sind, wie dies bei videogestützter Supervision möglich ist. Anhand von Kriterien, die sich auf diese drei Informationsquellen beziehen, kann die Entwicklung von therapeutischer Expertise im Rahmen von Ausbildung und Supervision optimal unterstützt werden.
Die Ergebnisse werden im Hinblick auf Implikationen für Praxis und Forschung diskutiert.