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Untersuchungen zum genetischen Hintergrund von Temperament und Umgänglichkeit bei Mutterkühen und Kälbern der Rassen Dt. Angus und Dt. Fleckvieh anhand der Validierung von geeigneten Testverfahren

Urban, Carina


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.09.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 22.04.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Untersuchung hatte zum Ziel, Unterschiede in Temperament und Umgänglichkeit von Fleischrindern der Rassen Dt. Angus und Dt. Fleckvieh in Mutterkuhhaltung aufzuzeigen, hierfür geeignete, praktikable Testmethoden zu entwickeln, wobei es unter anderem darauf ankam, einen frühen Lebensabschnitt zu finden, ab dem mit einer konstanten Ausprägung der Temperamentsmerkmale der Rinder zu rechnen ist. Darüber hinaus sollte der genetische Hintergrund der Parameter Temperament und Umgänglichkeit anhand von Heritabilitätsschätzungen evaluiert werden um Aussagen über eine mögliche Einbindung in Zuchtprogramme anstellen zu können.

Die Studie wurde an Tieren der Mutterkuhherde des Lehr- und Versuchsbetriebs Rudlos in den Jahren 2000 und 2001 durchgeführt. Hierfür standen Mutterkühe der Rassen Dt. Angus (n = 150) und Dt. Fleckvieh (n = 123) sowie deren 482 Reinzuchtkälber zur Verfügung. Die Kühe wurden in jeweils fünf etwa gleich große Zuchtgruppen aufgeteilt, wobei in zwei Jahren sechs Dt. Angus- und sieben Dt. Fleckviehbullen zum Zuchteinsatz kamen. 38 weibliche Tiere beider Rassen standen für eine Langzeitstudie bis zum Alter von 21 Monaten zur Verfügung.

Die Testverfahren zur Evaluierung der Temperamentsmerkmale wurden in verschiedenen Altersabschnitten mit und ohne Fixierung der Tiere durchgeführt. Es wurden Anbinde-, Wiege-, Separier- und Rückhaltetests sowie Messungen der Fluchtzeiten und –distanzen durchgeführt. Die Mutterkühe wurden zudem auf ihr mütterliches Verhalten, im Sinne einer Verteidigungsbereitschaft für das junge Kalb gegenüber dem Menschen, geprüft.

In allen angewandten Testverfahren erwiesen sich weibliche Tiere durchwegs als erregbarer und somit schwieriger im Umgang mit dem Menschen als männliche Probanden. Dt. Anguskälber und –absetzer waren stets ruhiger als Vertreter der Vergleichsrasse Dt. Fleckvieh, wobei sich fast immer ein deutlicher Vatereffekt abzeichnete.

Erste Hinweise auf die Temperamentsausprägung lieferte der Anbindetest ab der dritten Lebenswoche des Kalbes. Die Heritabilitätskoeffizienten für Parameter dieses Testverfahrens lagen zwischen 0,01 und 0,17, wobei altersabhängige Unterschiede in den Erblichkeiten der verschiedenen Merkmale vorlagen.

Beim Wiegetest mit Ermittlung der Fluchtzeit wurden mittlere bis hohe Erblichkeitsgrade zwischen 0,23 und 0,60 geschätzt, die die Temperamentsmerkmale „Verhalten in der Waage“ und „Fluchtzeit“ als gute und einfach, auch bei jüngeren Tieren durchführbare Selektionsparameter empfehlen. Voraussetzung dafür ist, daß die Tiere noch keine früheren Erfahrungen mit der Wiegevorrichtung hatten und standardisierte Meßvorrichtungen zum Einsatz kommen.

Der Separier- und Rückhaltetest mit Ermittlung der Fluchtdistanz eignet sich besonders, um Tiere, die aggressiv auf den Kontakt mit dem Menschen reagieren, ausfindig zu machen. Er ist zwar erst nach dem Absetzen der Kälber praktikabel, allerdings scheinen die Temperamentsmerkmale der Tiere ab dieser Lebensphase konstant zu bleiben. Der Test könnte zu einer einfacheren Durchführung im Rahmen von Selektionsprogrammen auf die wichtigsten Parameter des Rückhaltetests, zu denen v.a. die Note für das Temperament des Absetzers zählt, gekürzt werden. Die Heritabilitätskoeffizienten zwischen 0,09 und 0,38 empfehlen auch diese Merkmale für eine Einbindung in Fleischrinderzuchtprogramme.

Die Fluchtdistanzmessung sollte entweder in einem eigenen Testverfahren ermittelt werden oder in geänderter Art und Weise durchgeführt werden.

Für die Parameter der verschiedenen Testverfahren mit und ohne Einschränkung der Bewegungsaktivität konnten, v. a. für die Verhaltensnoten, mittlere bis hohe genetische Korrelationen berechnet werden.

Mittlere negative genetische Korrelationen zwischen Merkmalen des Temperaments und den Tageszunahmen bis zum Absetzen (Zeit bis Ecke: r = -0,62; Score für Eintritt in die Waage: r = -0,30) bestätigen Literaturzitate, daß bei einer züchterischen Selektion auf bessere Temperamentseigenschaften keine Leistungseinbußen zu befürchten sind.

Der mütterliche Verhaltensscore für die Kuh steht in engem statistischen Zusammenhang zur generellen Erregbarkeit und dem Aggressionspotential der Mutterkuh als Reaktion auf den Umgang mit dem Menschen (Fluchtzeit: r = -0,28.; Aggressivität beim Rückhaltetest: r = 0,19; Verhaltensnote beim Separier- und Rückhaltetest: r = 0,26). Wiegetest mit Ermittlung der Fluchtgeschwindigkeit und der Rückhaltetest scheinen bereits im ersten Lebensjahr geeignete Testmethoden zu sein, Tiere ausfindig zu machen, die später als Mutterkuh eine Gefahr für den Menschen darstellen könnten.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of the present study was to detect differences in docility and temperament of the two extensively kept beef cattle breeds German Angus and German Simmental and to develop practicable and suitable tests. An other important aspect was to determine from which age on the beef cattle’s temperaments is persistent. Furthermore heritabilities were estimated for different parameters of the temperament tests that might be used in selection programs for these beef cattle breeds.

For the study 150 German Angus and 123 German Simmental cattle cows and their purebred 482 suckler calves, born 2000 and 2001, which belonged to the beef cattle herd of Rudlos, were tested. The cows have been divided in five breeding groups each breed. In the two consecutive years six German Angus and seven German Simmental bulls were used for mating. 38 females of both breeds participated in a long-term study until the age of 21 months.

The tests were carried out at different ages with and without restraining the animals. Four different temperament tests were used: “tethering test”, “weigh test with flight time measuring”, “separation and restraint test with flight distance test” and “mother behaviour score during calf’s ear tagging and weighing after birth”.

During all temperament tests female animals cattle were much more difficult to handle and showed a more “excitable” temperament than males. German Angus calves and weaners were much calmer than German Simmental cattle what was often due to an effect of their fathers.

The “tethering test” that could be used at the age of three weeks gave early information about calf’s temperament. The estimated heritabilities for this test ranged from 0.01 to 0.17 but varied for the different parameters for different ages.

Medium to high heritabilities between 0.23 and 0.60 for the parameters of the “weigh test with flight time measuring” “score during weighing” and “flight time” seem to be suitable for selection programs. This test method is easy to evaluate even for younger animals. Important is that the calves have no former experience with the weighing scale and to use a standardized measuring device.

The “separation and restraint test with flight distance test” is ideal to detect animals that react aggressive while having contact with humans. This test can be used after weaning but temperament seems to persist constant at this age. To ease the carry out of this test it could be reduced to the most important parameters of the restraint test. One of them was the subjective temperament score. The estimated heritabilities for the parameters of this test method ranged from 0.09 to 0.38 and seem to be suitable for beef cattle selection programs.

The flight distance test has to be modified or used as an individual test.

For the different parameters of restraint and non-restraint tests, especially for the scores, mean to genetic correlations were estimated.

Medium negative genetic correlations between temperament traits and daily gains until weaning (“time to the corner” r = -0.62, “score for entering the scale” r = -0,30) indicated that there won’t be negative effects on performance traits while selecting for better temperament.

The “maternal behaviour score” had a tight statistical connection to the cow’s general excitability and aggressiveness towards contact with humans (“flight time”: r = -0,28; “aggressiveness during restraint test”: r = 0,19; “score during separation and restraint test”: r = 0,26) . The “weigh test with flight time measuring” and the “restraint test”, used in the first year of age seem to be suitable test methods to detect animals that might later be dangerous as suckling cows.