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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-56517
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5651/


Veränderung der Beliebtheit und der Wahrnehmung von Fett im Verlauf eines Gewichtsreduktionsprogramms für Adipöse : Einfluss von Fettverzehr, Körpergewicht und PROP-Tasterstatus

Kreuter, Petra


Originalveröffentlichung: (2008) Göttingen : <a href=http://www.sierke-verlag.de/>Sierke</a> 2008
pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.354 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Adipositas , Fett , Geschmack , Hedonik , PROP-Tasterstatus
Freie Schlagwörter (Englisch): obesity , fat , taste , hedonic , PROP
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft; Ernährungspsychologische Forschungsstelle, Universität Göttingen
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-940333-99-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.12.2007
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 15.04.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Zur Gewichtsreduktion und -stabilisierung empfiehlt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft die Reduktion des Fettanteils in der Ernährung. Ob Gewichtsabnahme und eingeschränkter Fettverzehr auch die Beliebtheit von Fett dahingehend verändern, dass fettreiches Essen weniger gemocht wird und somit eine günstige Langzeitprognose für die Stabilisierung des neuen Körpergewichts entsteht, untersuchte die vorliegenden Arbeit sechs Monate lang an 46 adipösen Teilnehmern eines einjährigen ambulanten Gewichtsreduktionsprogramms. Ferner wurde geprüft, inwieweit dadurch auch die Wahrnehmung von Fett beeinflusst wird. 31 weibliche und 15 männliche Teilnehmer bewerteten vor Beginn des Gewichtsreduktionsprogramms, nach drei Monaten Formuladiät und nach weiteren drei Monaten jeweils fünf ungesüßte Milchlösungen unterschiedlichen Fettgehaltes daraufhin, wie sehr sie die Lösungen mögen bzw. deren Fettgehalte von fettarm bis fettreich einstufen.


Bisherige Studien mit Normalgewichtigen sahen einen Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Beliebtheit von Fett und der genetisch bedingten Bitterwahrnehmung von 6-n-Propylthiouracil (PROP). Mittels Intensitätsratings wurde daher zusätzlich ermittelt, ob die Teilnehmer Non-, Medium- oder Supertaster von PROP sind. Während Erstere PROP nicht oder kaum als bitter schmecken, empfinden Letztere beim Testen einen extremen Bittergeschmack.


Im Untersuchungszeitraum ging der BMI von ausgangs knapp 39 auf etwa 32 kg/m2 zurück, der prozentuale Fettverzehr sank in dieser Zeit von fast 40 auf knapp 23. Während der dreimonatigen Formuladiät lag er bei etwa 20.


Die fettreichen Milchlösungen wurden mehr gemocht als die fettarmen, nach der Formuladiät nahm deren Beliebtheit tendenziell noch zu. Während kein Zusammenhang zwischen BMI, Körpergewicht und der Fettbeliebtheit gefunden wurde, ergab sich eine positive Korrelation mit der Gewichtsabnahme über sechs Monate, der in der linearen Regression nur noch schwach signifikant war. Die Fettzufuhr beeinflusste weder zu Beginn noch nach sechs Monaten die Beliebtheit der Milchlösungen. Auch aufgeteilt nach Fettklassen zeigte sich zu Beginn der Studie kein Unterschied. Jedoch mochten nach sechs Monaten diejenigen, die bis zu 30 Energieprozent Fett verzehrten, die fettreichen Milchproben signifikant mehr als jene mit einem Fettverzehr > 30 bis einschließlich 35 Energieprozent.


Die Fettgehalte der Milchlösungen konnten von den Teilnehmern unterschieden werden. Nach drei Monaten Formuladiät verbesserte sich die Wahrnehmung von Fett signifikant, nach sechs Monaten war allerdings kein signifikanter Unterschied zum ersten und zweiten Messzeitpunkt auszumachen. Dabei nahmen weder der BMI, das Körpergewicht noch die Höhe der Gewichtsabnahme Einfluss auf die Wahrnehmung von Fett. Dagegen ergab sich zu Beginn ein signifikant positiver Einfluss des Fettverzehrs auf die Fettwahrnehmung, der sich durch Einteilung in Fettklassen bestätigte: Wer am meisten Fett konsumierte, nahm die Fettgehalte der Milchlösungen besser wahr. Dies traf tendenziell auch nach sechs Monaten zu: Ein Fettverzehr > 30 bis einschließlich 35 Energieprozent ging schwach signifikant mit einer besseren Wahrnehmung einher als ein Fettverzehr bis zu 30 Energieprozent.


Unter den untersuchten Adipösen fanden sich signifikant mehr Nontaster als Supertaster. Davon abgesehen nahm der PROP-Tasterstatus aber entgegen der Annahmen weder Einfluss auf die Beliebtheit noch die Wahrnehmung von Fett. Ebenfalls ließen sich keine Unterschiede im Fettverzehr und beim BMI der drei Tastergruppen feststellen.


Die Ergebnisse zeigen, dass nach sechs Monaten Studiendauer ein moderater Fettkonsum bei Adipösen eine höhere Beliebtheit von "fettarm" bedingt. Ein stark eingeschränkter Fettkonsum hingegen bewirkt das Gegenteil, dass nämlich "fettreich" hedonisch höher bewertet wird. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass diese Beliebtheit von endogenen Opioiden im Belohnungssystem vermittelt wird. Auf dieses nehmen ferner Dopamin und Verhaltenstherapiemaßnahmen wie die kognitive Kontrolle Einfluss, so dass sich das Belohnungssystem direkt auf Essverhalten und Übergewicht auswirkt. Entgegen gängiger Annahmen lässt sich die Fettwahrnehmung in der vorliegenden Arbeit beeinflussen, was auch vermehrt Studien mit bildgebenden Verfahren bei Adipösen bestätigen. Der PROP-Tasterstatus der hier untersuchten Adipösen spielt dagegen hinsichtlich der Beliebtheit und Wahrnehmung von Fett keine Rolle.
Kurzfassung auf Englisch: For weight reduction and stabilisation the German Adiposity Society recommends to reduce the fat content of the diet. The present study examined 46 obese patients of a yearlong ambulatory weight loss programme for the duration of six months to find out if weight loss and decreases in fat intake also change the liking of fat since less liking of high-fat foods results in a beneficial long-time prognosis. Furthermore it was examined to what extent the perception of fat was affected. For that purpose 31 female and 15 male participants rated the liking and the fat content of unsweetend milk solutions with five different fat levels at the beginning of the weight loss programme, after three months of a Formula diet, and after three further months.


Previous studies with normalweight participants saw a connection between perception and liking of fat and the genetically caused bitter perception of 6-n-propylthiouracil (PROP). By means of intensity ratings it was additionally determined if the participants are nontasters, mediumtasters or supertaster of PROP. While the former do not or hardly taste PROP as bitter, the latter perceive an extremely bitter taste.


During the six months the BMI decreased from nearly 39 to circa 32 kg/m2. At the same time, the percentual fat intake decreased from circa 40 to circa 23. The percentual fat intake while consuming the Formula diet was nearly 20.


The high-fat samples were better liked than the low-fat ones. This liking even showed the tendency to increase after the Formula diet. While no relationship between BMI, body weight and liking of fat was found there was a positive correlation between the hedonic judgement and the weight loss over six months. This effect was only weakly significant in linear regression. Neither at the beginning nor at the end did fat intake affect the liking of the milk samples. Divided into fat categories, no differences at the beginning of the study was found, either. Yet, after six months those with a fat intake up to 30 percent of energy liked high-fat milk samples significantly better than those who consumed between 30-35 percent of energy from fat.


The participants were able to differentiate between the milk samples. The fat perception improved significantly after the three months of Formula diet. However, after six months it didn’t differ from the first nor the second measurement point. Thereby neither the BMI, the body weight nor the amount of weight loss had an impact on fat perception. In contrast, a significant positive influence of fat intake on fat perception was found at the beginning of the programme which was further confirmed by classification into fat categories: The more fat was consumed, the better the fat contents of the milk samples were perceived. After six months, this effect was only weakly significant: A fat intake between 30 and 35 percent of energy showed a tendency to go along with a better perception than a fat intake up to 30 percent of energy.


Among the examined obese, there were significantly more nontasters than supertasters. Apart from this finding, the PROP taster status didn’t influence neither liking nor perception of fat. These findings were contrary to the study assumption. Additionatelly no differences in fat intake and BMI could be found between the three taster groups.


The results show that a moderate fat intake by obese persons accounts for a higher liking of low-fat foods. However, a strongly reduced fat intake causes the opposite: high-fat is more liked than low-fat. Previous studies revealed that liking is provided by endogenous opioids in the reward system. Furthermore it is influenced by dopamine and behavioural therapy meth-ods as cognitive control. Thereby the reward system directly affects eating behaviour and overweight. Contrary to common assumptions, the present study does find influences on fat perception. This result is confirmed by an increasing number of studies using neuroimaging. The PROP taster status however doesn’t play a role with respect to the liking and perception of fat.