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Wege in der Wissenschaft : von der Frauenforschung zur Geschlechterforschung in Gesellschaftswissenschaften und Philosophie

Pathways of science : from women studies to gender studies in social sciences and philosophy

Niekant, Renate


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-55311
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5531/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Gender Studies
Freie Schlagwörter (Englisch): gender studies
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Politikwissenschaft
Fachgebiet: Politikwissenschaft
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.12.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 13.03.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Anders Wissenschaft zu machen – Wissenschaft zu verändern: Was ist aus diesem Anspruch feministischer Wissenschaft im Verlauf ihrer Institutionalisierung und Professionalisierung in den deutschsprachigen Sozialwissenschaften und Philosophie geworden? In der vorliegenden Untersuchung wird dies als Frage der Selbstreflexion feministischer Wissenschaft verfolgt. Wie fasst sich feministische Wissenschaft als "Wissenschaft" auf? Wie bewegt sie sich in dem von ihr als zentral postulierten Konflikt zwischen Wissenschaft und Politik? Wie gestaltet sich das politische und wissenschaftliche Selbstverständnis der Akteurinnen? Wie profilieren sich ihre Netzwerke? Wie ordnet sich in den Achtziger- und Neunzigerjahren die Selbstreflexion des Diskurses?
Das Material dieser Untersuchung stellen 70 Einleitungen zu feministischen Sammelbänden seit Anfang der Achtzigerjahre dar. Im Vordergrund stehen die strategischen Verhältnisse, die den feministischen Diskurs als einen wissenschaftlichen Diskurs ermöglichen.
Welches Subjekt lässt der feministische Diskurs in den Sozialwissenschaften und in Philosophie sprechen? Wie bringt er Geschlecht (gender) als neues Objekt hervor? Wie individualisiert sich die diskursive Formation der Frauenforschung? Welche gemeinsame Verbindlichkeit stellt sie her? Welche Wahrnehmungssituation und welches Abhängigkeitssystem strukturieren den Diskurs? (Kap.2.1.) Was bedeutet die "Krise" Ende der Achtzigerjahre, welche Prozesse begründen sich mit ihr? (Kap.2.2.) Wie lassen sich die Transformationen des Diskurses von der Frauen- zur Geschlechterforschung seit Ausgang der Achtzigerjahre (Kap. 2.3.) und in den Neunzigerjahren (Kap. 3.) als Wahrheitspolitik und Effekte von Machtwirkungen auf das Wissenschaftsverständnis und im Selbstverständnis der Akteurinnen beschreiben?
So entsteht eine Chronologie der Subjektivierungen und theoriepolitischen Positionen im Spektrum feministischer Wissenschaft. Ihr schließt sich eine Chronologie der "Diskursgesellschaft" (Foucault) der Frauen- und Geschlechterforschung an (Kap. 4.), d.i. konkret eine Chronologie der "Autorschaft" (Foucault) des Diskurses (Kap. 4.1.), d.h. eine Chronologie der Organisation des Zugangs zum Diskurs, und eine Chronologie der Äußerungsmodalitäten (Kap. 4.2.), d.h. der spezifischen Art und Weise der Organisation, wer sprechen darf. Schließlich zeigt die Sprache, die geschrieben wird, die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten akademischer Existenz auf, denen sich der wissenschaftliche Feminismus, zu dem der feministische Diskurs in den Wissenschaften geworden ist, fügt, auch wenn er sie – nunmehr punktuell und nicht mehr grundlegend – kritisiert. Die Frage, ob und inwieweit diese Übernahme der Konventionen des Wissenschaftsbetriebs die Möglichkeiten der feministischen Kritik an der Wissenschaft nicht zunehmend eingeschränkt hat, muss offen bleiben. Es ist aber auffällig, dass in den Bilanzen um die Jahrtausendwende diese Frage, die den Diskurs in seinen Anfängen ganz wesentlich begründet hat, in den Hintergrund getreten ist. Die Normen der scientific community ordnen die Selbstreflexion des Diskurses. Das bedeutet allerdings nicht, dass er entpolitisiert wäre. Er ist vielmehr eine neue Form kritischer weiblicher Intellektualität.
Kurzfassung auf Englisch: Making science in different ways – changing science: What became of that claim of feminist science in the course of its institutionalisation and professionalization in German spoken social sciences and philosophy? The studies presented here will analyse this question as an issue of self-reflection of feminist science. How does feminist science conceive itself as science? How does feminist science operate in the conflict between science and policy – a conflict it postulates as being pivotal? How does the political and scientific self-concept of the protagonists develop? How do their networks distinguish themselves? How does the self-reflection of the discourse organize itself in the eighties and nineties?
The material to be analysed in this study includes 70 introductions of feminist omnibus volumes, issued since the beginning of the eighties. The strategic conditions, which enable the feminist discourse becoming a scientific discourse, are in the centre of this analysis.
What subject is given a voice in the feminist discourse in social sciences and philosophy? How does this discourse generate gender as a new object? How does the discursive formation of the womens studies individualise itself? What is the common obligation it creates? What kind of perceptual conditions and what kind of dependencies are structuring the discourse? (chapter 2.1.) What does the "crisis" of the eighties mean, what kind of processes does it constitute? (chapter 2.2.) How can the transformations of the discourse from womens to gender studies, that took place since the end of the eighties (chapter 2.3.) and in the nineties (chapter 3.), be described as policy of truth and as repercussions of power on the theory of science and the self-conception of the protagonists?
Thus emerges a chronology of subjectifications and the positions of theory policy in the spectrum of feminist science. Then follows a chronology of the discourse society (Foucault) of the womens and gender studies (chapter 4.). Actually, this is a chronology of the authorship (Foucault) of the discourse (chapter 4.1.), that means, a chronology of the organisation of the approach to the discourse and a chronology of the modalities of expression (chapter 4.2.), i.e. of the specific way of organisation and who is allowed to speak. After all, written language reveals the possibilities and impossibilities of academic existence to which scientific feminism submits to - the feminist discourse in science, which has turned to scientific feminism, even if scientific feminism is criticising science henceforth only partly and no longer fundamentally. The question whether and to what extent this adoption of the conventions of science and academic life curbs the possibilities of feminist criticism of science has to remain unsettled. However, it is striking that this question has taken a back seat in the balances at the turn of the millennium – a question which, after all, had been constituent in the beginning of that discourse. The standards of the scientific community regulate the self-reflection of the discourse. However, this doesn´t mean that it would be depoliticized. It is rather a new form of critical female intellectuality.

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