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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-55227
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5522/


Retrospektive Untersuchung zum Implantaterfolg bei Risikopatienten unter Berücksichtigung von patienten-, implantat- und restaurationsabhängigen Einflussfaktoren

A retrospective study of implant success in high-risk patients considering patient-dependent, implant-dependent and restoration-dependent factors

Merk, Martin


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Implantatprothetische Versorgung , Implantaterfolg , Risikopatient , Risikofaktor
Freie Schlagwörter (Englisch): implant-prosthetic care , implant success rate , high-risk patient , high-risk factor
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.02.2008
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 13.03.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Im Rahmen der vorliegenden Studie kamen die Daten zum Erfolg der implantatprothetischen Versorgung von 82 Risikopatienten zur Auswertung, wobei (a) Besonderheiten in der allgemeinmedizinischen Anamnese (n = 60), (b) Besonderheiten im Mundbefund (n = 16) und (c) die Durchführung einer Augmentation (n = 39) als Risikofaktoren definiert waren.
Insgesamt wurden innerhalb des Beobachtungszeitraums von durchschnittlich 34,7 plusminus 18,6 Monaten bei 82 Patienten mit 353 Implantaten 7 Implantatmisserfolge registriert. In der patientenbezogenen Auswertung von 82 zufällig ausgewählten Implantaten betrug die kumulierte Erfolgsrate 100% nach 1 Jahr und 98,5% nach 5 Jahren. Bei der implantatbezogenen Auswertung unter Berücksichtigung aller 353 Implantate lag die kumulierte 1-Jahres-Erfolgsrate bei 100% und die 5-Jahres-Erfolgsrate bei 99,7%. Nach diesem 5-Jahres-Zeitraum war allerdings ein deutlicher Rückgang der kumulierten Implantaterfolgsrate auf etwa 84% nach ca. 6 Jahren zu verzeichnen. Die kumulierte 1-Jahres-Erfolgsrate belief sich bezogen auf die prothetischen Restaurationen auf 100%, nach 5 Jahren lag die Rate bei ca. 98%. Nach 6 Jahren fiel die kumulierte Erfolgswahrscheinlichkeit der Restaurationen auf ca. 64% ab. Die Ergebnisse belegen, dass in dem untersuchten Kollektiv von Risikopatienten in den ersten fünf Jahren gute bis sehr gute Implantaterfolgsraten erzielt werden konnten.
Im Rahmen der Analyse des Einflusses der definierten Risikofaktoren (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Rheuma/Arthritis, Diabetes, Asthma, Z.n. Radiatio, Zigarettenrauchen, Xerostomie und Bruxismus, Augmentation) auf die Implantaterfolgsrate bestätigte sich der sich in der unifaktoriellen Analyse abzeichnende signifikante Einfluss der Faktoren Allergie und Bruxismus in der multifaktoriellen Analyse nicht. Wenngleich nach Auffassung der Literatur verschiedene Faktoren (Diabetes, Radiatio, Zigarettenrauchen, Bruxismus) zu einer Verschlechterung der Implantaterfolgsrate führen können, bedeutet dies nicht, dass eine implantatprothetische Versorgung dieser Patienten generell kontraindiziert ist. Vielmehr ist eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung erforderlich. Ein Einfluss der patientenabhängigen Faktoren Alter und Geschlecht konnte nicht nachgewiesen werden.
Das vorliegende Risikokollektiv wurde auch in Hinblick auf einen Einfluss verschiedener implantatabhängiger Faktoren (Implantatlokalisation OK/UK, Anzahl der Implantate, Implantatdurchmesser, Implantatlänge, Art der Einheilung, Einheilungszeit) sowie restaurationsabhängiger Faktoren (Art der provisorischen und der prothetischen Versorgung) auf den Implantaterfolg analysiert. Hierbei erwies sich in der unifaktoriellen Analyse lediglich der Einfluss des Implantatdurchmessers als signifikant, wobei die kumulierte Erfolgswahrscheinlichkeit nach 6 Jahren 94% für einen Durchmesser von 3,5 mm und 70% für einen Durchmesser von 5,0 mm betrug (p = 0,037). In der multifaktoriellen Analyse bestätigte sich dieser Einfluss als knapp signifikant (p = 0,055). Die Analyse des internationalen Schrifttums erbrachte uneinheitliche Ergebnisse hinsichtlich des Einflusses der untersuchten implantat- und restaurationsabhängigen Faktoren auf den Implantaterfolg; für jeden einzelnen Parameter sind etwa vergleichbar viele Studien zu finden, die sich für oder gegen einen signifikanten Einfluss aussprechen. Demnach ist eine Verbesserung der Implantaterfolgsrate durch die Modifikation bestimmter implantat- und restaurationsabhängiger Faktoren nicht möglich. Zur Erzielung des bestmöglichen Behandlungserfolges ist bei jedem Patienten eine individuelle Planung und Durchführung der implantatprothetischen Versorgung erforderlich.
Aufgrund der nachweislich guten Implantaterfolgsrate in einem reinen Risikokollektiv sollte zukünftig nur noch von „Indikationseinschränkungen“ gesprochen und auf den bisher in der Literatur häufig verwendeten Begriff der absoluten und relativen Kontraindikation verzichtet werden. Das individuelle Risiko muss von Fall zu Fall in einer Risiko-Nutzen-Abwägung bestimmt werden, wobei der interdisziplinären Kooperation nicht nur innerhalb der Zahnmedizin (Zahnärzte, Oralchirurgen, Kieferchirurgen), sondern auch in der Zusammenarbeit mit den behandelnden ärztlichen Kollegen anderer Fachdisziplinen eine besondere Bedeutung zukommt.
Kurzfassung auf Englisch: Within the scope of this study, data regarding the success of implant-prosthetic care of 82 high-risk patients was analyzed, defining (a) anomalies in the general medical anamnesis n = 60), (b) oral pathologies (n = 16) and (c) augmentation (n = 39) as high-risk factors.
A total of 7 implant failures was recorded in 82 patients with 353 implants during the observation period averaging 34,7 plusminus 18,6 months. The cumulative success rate in the patient-related analysis of 82 randomly selected implants was 100% after one year and 98,5% after five years. The implant-related analysis in consideration of all 353 implants showed a cumulative one-year success rate of 100% and a five-year success rate of 99,7%. However, after this five-year period, a significant decrease of the cumulative implant success rate to approx. 84% after six years was recorded. The cumulative one-year success rate relating to the prosthetic restorations was 100%, after five years it was approx. 98%. After six years, the cumulative success probability of the restorations dropped to approx. 64%. These results show that within the examined group of high-risk patients, good and very good implant success rates could be achieved during the first five years.
Furthermore, the impact of the defined risk factors on the implant success (cardiovascular diseases, allergies, rheumatism/arthritis, diabetes, asthma, radiation, cigarette smoking, xerostomia, bruxism, augmentation) was examined. The significant impact of the factors allergy and bruxism, emerging during the unifactorial analysis, was not confirmed during the multifactorial analysis. Although according to literature, several factors (diabetes, radiation, cigarette smoking, bruxism) can lead to an impairment of the implant success rate, this does not mean that implant-prosthetic care of these patients is generally counter-indicated. In fact, an individual risk-benefit analysis is required. An impact of the patient-dependent factors age and sex could not be demonstrated.
The high-risk group in this study was also analysed regarding a possible impact of various implant-dependent factors (implant localisation OK/UK, number of implants, implant diameter, implant length, kind of implant healing, healing time) as well as restoration-dependent factors (kind of provisional and prosthetic care) on the implant success. In this connexion, only the impact of the implant diameter proved significant during the unifactorial analysis, whereas after six years, the cumulative success probability was 94% for a 3,5 mm diameter and 70% for a 5,0 mm diameter (p = 0,037). During the multifactorial, this impact was confirmed scarcely significant (p = 0,055). An analysis of international literature generated inconsistent results regarding the impact of analysed implant- and restoration-dependent factors on the implant success; for each parameter, a comparable amount of studies speaking for or against a significant impact. As a result, an improvement of the implant success rate by modification of specific implant- and restoration-dependent factors is not possible. To achieve the best possible therapy outcome, individual planning and accomplishment of the implant-prosthetic care is required. Due to the demonstrably good implant success rate in a pure high-risk group, only the term