Ergebnisse:
Bezogen auf alle Sitzungen und Probanden fiel die S-Cortisol-Konzentration durch die therapeutischen Sitzungen im Sinne einer "entspannenden" und "stressreduzierenden" Wirkung ab und die S-IgA-Konzentration stieg an. Es zeigte sich, dass die Parameter S-IgA und S-IgA-Albumin-Ratio eine vergleichbare Dynamik hatten. Das S-IgA sowie die S-IgA-Albumin-Ratio stiegen auf alle Stunden und auf alle Probanden hin gesehen an und korrelierten negativ mit dem S-Cortisol. Das S-IgA korrelierte weiterhin signifikant negativ mit Hass und das S-Cortisol signifikant positiv mit Erregung. Die Immunparameter des Kindes reagierten unspezifisch und mit anderer Dynamik als die der analytischen Dyade, was zu erwarten war. Die Werte für die bestimmbaren Effektstärken für den Einfluss der analytischen Sitzung sind für die Patientin: S-IgA-Albumin-Ratio: 1,22, S-Cortisol: -1,02; für den Therapeuten: S-IgA: 1,30, S-IgA-Albumin-Ratio: 1,19, S-Cortisol: -0,74; für das Kind: S-IgA-Albumin-Ratio: -0,65.
Diskussion:
Es zeigte sich, dass die Konzentration des S-IgA als Zeichen der erhöhten Immunkompetenz bei den Probanden insgesamt anstieg, das S-Cortisol fiel im Verlauf der Stunden ab, was als stressreduzierende Wirkung der Therapie anzusehen ist. Im Vergleich zu anderen, unspezifischen Entspannungsmethoden, zeigte sich die Psychoanalyse in ihrer Effektstärke auf die Steigerung der S-IgA-Konzentration mindestens gleichwertig, nicht aber sicher überlegen. Somit konnte gegenüber anderen Einflussgrößen kein spezifischer und größerer Einfluss der Psychoanalyse auf die Immunkompetenz der Probanden gezeigt werden. "> Results:
Taking into account all available sessions and subjects it was observed that the concentration of S-Cortisol decreased whereas the S-IgA increased within the therapeutic session. That demonstrated the "relaxing" and "stress-relieving" effect of the psychoanalytic session. It could also be demonstrated that the parameters S-IgA and the S-IgA-Albumine-Ratio had a similar dynamic. Considering all therapeutic hours in a pool of all subjects, the S-IgA and the albumine increased and correlated negative with the cortisol. S-IgA correlated significantly negative with ‚hate’ and the S-Cortisol positive with "arousal". The immunobiological parameters of the child showed non-specific reaction and other dynamics than the parameters of the analytic dyad which showed expected effects. The values for the determinable effect-sizes for the influence of the analytical session are for the patient: S-IgA-Albumine-Ratio: 1,22, S-Cortisol: -1,02; for the therapist: S-IgA: 1,30, S-IgA-Albumine-Ratio: 1,19, S-Cortisol: -0,74; for the child: S-IgA-Albumine-Ratio: -0,65.
Discussion:
It could be demonstrated that the concentration of S-IgA as a parameter for better immune-competence, increased within the sessions and S-Cortisol decreased. This effect can be interpreted as a stress-reducing effect of the therapy. Compared to other unspecific relaxating methods, the effect of psychoanalysis was at least equal but not surely superior to them. Thus, a specific and deeper impact of psychoanalysis could not been proved compared to other methods. ">
 

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Erfassung der psychobiologischen Effekte der Psychoanalyse unter Einbeziehung der "Effektstärke" als statistischen Parameter : Eine komparative Einzelfallstudie

Acquisition of the psychobiological effects of psychoanalysis considering the "effect size" as a statistical parameter: a comparative single case study

Fischer, Oliver


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Psychoanalyse , sIgA , Cortisol , Psychobiologische Parameter
Freie Schlagwörter (Englisch): psychoanalysis , S-IgA , cortisol , psychobiological parameters
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Psychosomatische Medizin, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.01.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 15.02.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung:

In zahlreichen Studien wurde der psychobiologische Effekt stimmungsmodulierender Einflüsse wie Gedanken an freudige Ereignisse, relaxierende Maßnahmen oder extreme körperliche Anforderungen untersucht. Hierzu haben sich die Parameter Speichel-Cortisol und Sekretorisches IgA im Speichel besonders bewährt. In der vorliegenden Studie wird untersucht, welchen immunmodulatorischen Effekt die vierstündige Psychoanalyse hat und ob deren Einfluss auf die Immunparameter mit anderen therapeutischen Interventionen vergleichbar ist.

Patienten und Methoden:

Die vorliegende Studie untersucht den Effekt einer Psychoanalyse in ihrem vierstündigen Setting über fünf Wochen hinweg auf die psychobiologischen Parameter Cortisol (S-Cortisol), Sekretorisches-IgA (S-IgA) und S-IgA-Albumin-Ratio im Speichel einer Patientin, die aufgrund einer Depression langjährig in psychoanalytischer Behandlung ist. Zusätzlich wurden die gleichen Parameter bei dem die meiste Zeit anwesendem einjährigem Kind der Patientin und dem Therapeuten erhoben, jeweils vor und nach der Therapiestunde. Begleitend dazu wurde die Stimmung der Probanden durch einen fünfstufigen Stimmungsfragebogen (Self-Assessment-Manikin, SAM) und durch eine selbst entwickelte, ebenfalls piktoriale fünfstufige Skala der wichtigen analytischen Dimensionen Liebe, Hass und Wissenwollen erfasst. Es resultierten drei Zeitreihen mit insgesamt 120 Beobachtungszeitpunkten, die mit Hilfe der aggregierten Zeitreihenanalyse ("Pooled Time Series Analysis", PTSA) auf signifikante Mittelwertunterschiede und hinsichtlich der Abhängigkeit der erhobenen Parameter untersucht wurden. Weiterhin wurden die Konzentrationen des S-IgA zum jeweiligen Speichel-Albumin als Kontrolle ins Verhältnis gesetzt. Als weiterer statistischer Kennwert wurde die Effektstärke der Psychoanalyse auf die Immunparameter bestimmt.

Ergebnisse:

Bezogen auf alle Sitzungen und Probanden fiel die S-Cortisol-Konzentration durch die therapeutischen Sitzungen im Sinne einer "entspannenden" und "stressreduzierenden" Wirkung ab und die S-IgA-Konzentration stieg an. Es zeigte sich, dass die Parameter S-IgA und S-IgA-Albumin-Ratio eine vergleichbare Dynamik hatten. Das S-IgA sowie die S-IgA-Albumin-Ratio stiegen auf alle Stunden und auf alle Probanden hin gesehen an und korrelierten negativ mit dem S-Cortisol. Das S-IgA korrelierte weiterhin signifikant negativ mit Hass und das S-Cortisol signifikant positiv mit Erregung. Die Immunparameter des Kindes reagierten unspezifisch und mit anderer Dynamik als die der analytischen Dyade, was zu erwarten war. Die Werte für die bestimmbaren Effektstärken für den Einfluss der analytischen Sitzung sind für die Patientin: S-IgA-Albumin-Ratio: 1,22, S-Cortisol: -1,02; für den Therapeuten: S-IgA: 1,30, S-IgA-Albumin-Ratio: 1,19, S-Cortisol: -0,74; für das Kind: S-IgA-Albumin-Ratio: -0,65.

Diskussion:

Es zeigte sich, dass die Konzentration des S-IgA als Zeichen der erhöhten Immunkompetenz bei den Probanden insgesamt anstieg, das S-Cortisol fiel im Verlauf der Stunden ab, was als stressreduzierende Wirkung der Therapie anzusehen ist. Im Vergleich zu anderen, unspezifischen Entspannungsmethoden, zeigte sich die Psychoanalyse in ihrer Effektstärke auf die Steigerung der S-IgA-Konzentration mindestens gleichwertig, nicht aber sicher überlegen. Somit konnte gegenüber anderen Einflussgrößen kein spezifischer und größerer Einfluss der Psychoanalyse auf die Immunkompetenz der Probanden gezeigt werden.
Kurzfassung auf Englisch: Introduction:

There have been many observations in the past investigating the psychobiological effect of mood-modulating influences like thoughts of joyful events, relaxing methods or extreme physical challenges. It has been shown that especially the parameters saliva-cortisol and secretory-immunglobuline A in saliva are important indicators in this context. In the present study, the immune-modulating effect of psychoanalysis in a four hour setting is investigated. Additionally, we analyze whether the effect can be compared to other psychotherapeutical interventional methods.

Patients and methods:

In the present study the effect of psychoanalysis in its four hour setting is investigated. Over a time-period of five weeks the effect on the psychobiological parameters saliva-cortisol (S-Cortisol), secretory-immunglobuline A (S-IgA) and S-IgA-Albumine-Ratio in the saliva of a female patient was examined. She was psychoanalytically treated for depression over many years. Additionally, the same parameters have been assessed in the one year old child of the patient and in her therapist, before and after the therapy. Contemporaneously, the mood of the subjects was measured using the five-point-scaled standardised questionnaire Self-Assessment-Manikin (SAM). A self-developed pictorial five-point-scale of the important analytic dimensions love, hate and demand was applied, too. Three time series with an overall of 120 data points resulted from the study. They were investigated for significant differences of the mean value and tested for a dependency between the parameters using the "Pooled Time Series Analysis" (PTSA). The S-IgA-Albumine-Ratio has been assessed for verification purposes. Additionally, the effect-size of psychoanalysis on the immunological parameters was computed as a check value.

Results:

Taking into account all available sessions and subjects it was observed that the concentration of S-Cortisol decreased whereas the S-IgA increased within the therapeutic session. That demonstrated the "relaxing" and "stress-relieving" effect of the psychoanalytic session. It could also be demonstrated that the parameters S-IgA and the S-IgA-Albumine-Ratio had a similar dynamic. Considering all therapeutic hours in a pool of all subjects, the S-IgA and the albumine increased and correlated negative with the cortisol. S-IgA correlated significantly negative with ‚hate’ and the S-Cortisol positive with "arousal". The immunobiological parameters of the child showed non-specific reaction and other dynamics than the parameters of the analytic dyad which showed expected effects. The values for the determinable effect-sizes for the influence of the analytical session are for the patient: S-IgA-Albumine-Ratio: 1,22, S-Cortisol: -1,02; for the therapist: S-IgA: 1,30, S-IgA-Albumine-Ratio: 1,19, S-Cortisol: -0,74; for the child: S-IgA-Albumine-Ratio: -0,65.

Discussion:

It could be demonstrated that the concentration of S-IgA as a parameter for better immune-competence, increased within the sessions and S-Cortisol decreased. This effect can be interpreted as a stress-reducing effect of the therapy. Compared to other unspecific relaxating methods, the effect of psychoanalysis was at least equal but not surely superior to them. Thus, a specific and deeper impact of psychoanalysis could not been proved compared to other methods.