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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-52938
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5293/


Perioperative Schmerztherapie der Katze mit Carprofen nach Anästhesie mit Tiletamin/Zolazepam, Alphaxolon/Alphadolon und Isofluran

Rizgalla-Kessel, Pia


Originalveröffentlichung: (2007) Giessen : VVB Laufersweiler 2007
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.030 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere, Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5231-7
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.11.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 28.01.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden Studie war es folgende Fragestellung zur Schmerztherapie bei der Katze nach chirurgischen Eingriffen zu beantworten. Zunächst sollte die Eignung von Carprofen zur perioperativen Analgesie bei der Katze geklärt werden. Des weiteren sollte der Zeitraum definiert werden, in dem die Schmerztherapie nach chirurgischen Eingriffen bei der Katze routinemäßig notwendig ist. Dieser Zeitraum wurde mit Hilfe der visuellen Analog-Skala (VAS) vor und nach Manipulation, der numerischen Schmerz-Skala (NRS) und der mehrdimensionalen Schmerz-Skala (MDS) bestimmt. Der Überprüfung der analgetischen Wirkung des nicht-steroidalen Antiphlogistikums Carprofen (RimadylÒ) bei der Katze wurde ebenfalls nachgegangen. Der Untersuchungszeitraum umfasste den fünftägigen postoperativen Zeitraum nach orthopädischen oder weichteilchirurgischen Eingriffen. Besonders berücksichtigt wurden eventuelle Nebenwirkungen, die mit der gewählten Anästhesie Tiletamin/Zolazepam i.m., Alphaxolon/Alphadolon i.v. und Isofluran per Inhalation in Verbindung gebracht werden konnten.

Die Untersuchungen wurden an Katzen durchgeführt, die sich einem orthopädischen oder weichteilchirurgischen Eingriff unterziehen mussten. Vor der Operation wurde von jedem Patienten ein Blutbild angefertigt und die erste Schmerz-Bewertung durchgeführt. Wurden auf diesem Weg Nieren- oder Leberwertveränderungen bemerkt, wurden die Katzen von der Studie ausgeschlossen. Die Einteilung in 4 Gruppen erfolgte nach dem Zufallsprinzip (C1, C3, C5 und OA). Die Patienten der Gruppen C1, C3 und C5 erhielten am Operationstag 30 Minuten vor Operationsende 4.0 mg/kg KM Carprofen i.v.. Die Patienten der Gruppe C1 erhielten in den folgenden Tagen alle 24 Stunden ein Placebo. Die Patienten der Gruppe C3 erhielten 24 und 48 Stunden nach Extubation 4.0 mg/kg KM Carprofen s.c. und in den folgenden 2 Tagen ein Placebo. Die Patienten der Gruppe C5 erhielten 24, 48, 72, 96 und 112 Stunden nach Extubation 4.0 mg/kg KM Carprofen s.c.. Die Patienten der vierten Gruppe OA (ohne Analgesie) erhielten zunächst postopertiv kein Analgetikum, wobei aus ethischen, rechtlichen und bereits vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen Katzen bei einem VAS-Wert > 30 und NRS > 3 sofort Rimadyl erhielten, dann aber von der Studie ausgeschlossen wurden. Aus diesem Grund erhielten 19 Patienten der Gruppe OA, die 24 Patienten umfasste, innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation ein Analgetikum. Eine statistische Auswertung dieser Gruppe war so nicht mehr möglich.

Die Tiere erhielten zur Einleitung der Anästhesie 10.0 mg/kg KM Tiletamin/Zolazepam i.m.. Nachdem der venöse Zugang gelegt worden war, wurde die Narkose mit Alphaxolon/Alphadolon 2.0-6.0 mg/kg KM i.v. nach Bedarf aufrecht und im folgenden nach Intubation mit Isofluran erhalten.

Die Schmerz-Beurteilung fand vor der OP, bei Extubation, 2, 4, 6, 8,16, 24, 32, 40, 48, 56, 64, 72, 80, 88, 96, 104 und 112 Stunden nach der Extubation statt. Die weiteren Blutproben wurden 48 und 96 Stunden nach der Extubation entnommen.

Die Schmerz-Bewertung umfasste VAS, NRS und MDS. Die MDS beurteilte Lautäußerung des Patienten, Verhalten/motorische Unruhe, Körperhaltung, Schmerzreaktion bei Palpation der Wunde, Lahmheit, Verspannung der Muskulatur, Mimik, Mutilation, Futteraufnahme, Wasseraufnahme, Urin- und Kotabsatz. Herzfrequenz, Atemfrequenz und Körperinnentemperatur wurden gemessen. Als Laborparameter wurden die Konzentrationen von ALT, ALB, AP, Bilirubin, Chlorid, Cholesterin, Gesamteiweiß, Globulin, Glukose, GLDH, g-GT, Harnstoff, Kalium, Kalzium, Kreatinin, Natrium, Phosphat (anorg.) und Triglyzeride gemessen. Ein rotes Blutbild und Differentialblutbild wurden ebenso wie die venöse Blutgasanalyse angefertigt.

Veränderungen von Herzfrequenz, Atemfrequenz, Körperinnentemperatur, Aufregung, Allgemeinbefinden, spontane Lautäußerung des Patienten oder nach Manipulation, Verhalten/motorische Unruhe, Körperhaltung, Mimik, Mutilation, Futteraufnahme, Wasseraufnahme, Urin- und Kotabsatz stellten keine sehr sensiblen Kriterien dar, um das Ausmaß vorhandener Schmerzen sicher beurteilen zu können. Hoch signifikante Unterschiede waren bei den Parametern Lahmheit, Verspannung der Muskulatur, Aktivität und Schmerzreaktion bei Palpation der betroffenen Körperregion zu beobachten. Diese Parameter wurden durch Aufregung der Katze nur geringfügig beeinflusst.

Die VAS wurde vor und nach Manipulation des Patienten beurteilt, was sie mehrdimensional werden ließ. VAS und NRS zeigten zueinander einen nahezu parallelen Verlauf, während zwischen den Gruppen hoch-signifikante Unterschiede notiert werden konnten. Anhand dieser Ergebnisse konnte bewiesen werden, dass diese Schmerz-Skalen bei der der Katze einsetzbar sind, obwohl die Schmerzbeurteiling bei der Katze sehr schwierig ist. Es konnte gezeigt werden, dass die Algesimetrie ein individuelles Schmerztherapie-Regime ermöglicht.

Insgesamt zeichnete sich Carprofen durch gute klinische Verträglichkeit und Analgesie aus und ist zur postoperativen Schmerztherapie bei der Katze geeignet. Auch im fünftägigen Beobachtungszeitraum waren keine Nebenwirkungen zu beobachten. Da die Katzen, die nur am Operationstag Carprofen erhielten in den 3 Tagen nach der Operation eine stärkere Schmerzreaktion zeigten, als die Tiere, die noch unter dem Analgetikum standen, am vierten Tag aber genauso wenig schmerzhaft erschienen, wie die Tiere mit Carprofen scheint eine Analgesie bis 72 Stunden nach chirurgischen Eingriffen ausreichend. Nach diesem Zeitraum muss die regelmäßige Algesimetrie über die Notwendigkeit einer weiterzuführenden Analgesie bei jedem Patienten individuell entscheiden.
Kurzfassung auf Englisch: Aim of the study was to answer the following questions concerning pain therapy in cats after surgical interventions. First of all was to confirm the appropriateness of carprofen as a perioperative analgesic for cats. Furthermore to define the time in which pain therapy is required by cats that have undergone surgery. This time limit was determined using the visual analog scale (VAS), the numeric rating scale (NRS) and the multidimensional pain scale (MDS). The analgesic effect of the non-steroidal anti inflammatory drug carprofen (RimadylÒ) was also tested.

The time limit was set to be five days long after surgical interventions that included soft tissue surgery and orthopedic surgery. Special considerations were made to possible side effects that could accure with the used anesthesia (tiletamine/ zolazipame i.m., alphaxalone /alphadolone i.v. and isofluran per inhalation anesthesia). Blood pictures and first pain scores were made to all patient’s prior surgical intervention. Cats that showed liver and/or kidney damage were excluded of this study.

The patients were randomly divided into four groups (C1, C3, C5 and OA). Patients of the groups C1, C3 and C5 obtained postoperative on the day of surgery 30 minutes prior to the end of the surgical intervention 4.0 mg/kg BM carprofen i.v.. Patients of group C1 were treated every 24 h with a placebo. Patients of group C3 were given 24 and 48 h after extubation 4.0 mg/kg BM carprofen s.c. and for the remaining 2 days a placebo. Patients of group C5 obtained the same dose of carprofen 24, 48, 72, 96 and 112 h post extubation. Patients of group OA obtained no analgesics except of those group members with a VAS value exceeding 30 and a NRS > 3, those patients were treated immediatly with rimadyl and were excluded from this study. Therefore 19 out of 24 patients had to be treated in the first 24 h post extubation leading to an impossible statistical analysis of this group.

Anesthesia was induced in all patients with 10.0 mg/kg BM Tiletamine /Zolazepam i.m.. Maintenance was carried out by administrating 2.0-6.0 mg/kg BM Alphaxolone/Alphadolone through a venous catheter there after then all cats were intubated and finally maintained with isoflurane.

Pain assessment was first estimated prior surgery and after 2,4,6,8,16,24,32,40,48,65,64,72,80,88,96,104 and 112 h of extubation. Blood samples were taken 28 and 96 h after extubation
The parameters used to evaluate pain were VAS, NRS, and MDS. MDS evaluates the patients vocalization, behavior, restlessness, body posture, pain reactions after palpation of wound, lameness’s, muscular tension, mimic, auto mutilation, food and water intake urination, defecation heart rate, respiration frequency and body temperature. Blood parameters measured included the concentration of ALT, albumin and AP, bilirubine, chloride, cholesterin, total plasma protein, globulines, glucose, GLDH, g-GT, urea, potassium, calcium, ceatinine, natrium, phosphat (anorganic) and triglycerides. In addition a red and white blood cell count including a differential count of white blood cells and a venous blood gas analysis were made.

Changes in the patients vocalization, behavior, restlessness, body posture, mimic, auto mutilation, food and water intake, urination, defecation heart rate, respiration frequency and body temperature, were no sensitive parameters to judge the degree of patients pain. Parameters such as pain reactions after palpation of wound, lameness and muscular tension were very significant in evaluating pain. These parameters were not masked by patients agitation.

VAS was taken prior and after patient manipulation which made it seem to bee more dimensional. Although there were high significant differences in the jugged groups, the VAS and NRS of these groups showed similar parallel results. These results gave the evidence that pain scales are useful to asses pain in cats although pain assessment is difficult to measure. It also showed that pain scoring is a useful tool to determine the individual pain therapy needed by each patient.

Generally speaking carprofen showed good clinical acceptance, analgesia and is appropriate for the postoperative pain therapy in cats. In the 5 days examination period no side effects could be noticed.

Based on the observation that cats obtaining carprofen only on the first day post operatively showing strong pain reactions for a period of 3 days and cats obtaining the same drug for 3 days on the fourth day like those cats with a single treatment similar low reaction after pain assessment show, it was assumed that pain therapy should be made for a period of 3 days after surgery. After this period a thorough pain assessment is to be made to each patient to determine if there is a further analgesic need.