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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5264/


Prognostischer Wert der Herzfrequenzvariabilität nach akutem Myokardinfarkt in der Ära der akuten Reperfusion

Soydan, Nedim


Originalveröffentlichung: (2007) Giessen : VVB Laufersweiler 2007
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.729 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik I, Abt. für Kardiologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5225-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.11.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 18.01.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, insbesondere der akute Myokardinfarkt (AMI), stehen in den westlichen Industriestaaten, so auch in Deutschland, an oberster Stelle der Todesursachen
Nach überlebtem Myokardinfarkt wird die Prognose der Patienten einerseits durch Reinfarkte, respektive das Auftreten terminaler Herzinsuffizienz, andererseits durch das Auftreten von malignen Arrhythmien bestimmt.
Von klinischer Bedeutung ist die Identifikation der arrhythmie-gefährdeten Patienten nach Überleben der akuten Infarktphase. Denn insbesondere der plötzliche Herztod stellt ein zentrales Problem für den Postinfarktpatienten dar.

Dies ist die erste Studie, die die Herzfrequenzvariabilität (HRV) bei Patienten untersucht hat, bei denen in der akuten Infarktphase eine komplette Revaskularisation versucht worden war. Gerade in der heutigen Zeit wird die komplette Revaskularisation des Infarktgefäßes immer häufiger durchgeführt. Insofern ist es berechtigt und notwendig, die Inzidenz und Bedeutung der HRV erneut zu evaluieren.

Physiologisch handelt es sich bei der HRV um die Abweichung der Herzfrequenz von einer regelmäßigen Folge. Allgemein gilt eine hohe HRV als Zeichen des Gesunden, eine erniedrigte HRV als Prädiktor eines späteren Arrhythmie-ereignisses.

In dieser prospektiven Studie wurden 412 Patienten eingeschlossen, bei denen in der Infarktphase grundsätzlich eine direkte perkutane transluminale Koronarangioplastie (PTCA) durchgeführt wurde. In diesem Patientenkollektiv wurde 11+9 Tage nach überlebtem AMI die HRV gemessen.
Eine Nachbeobachtung nach Entlassung erfolgte routinemäßig nach 30 Tagen und danach alle 6 Monate über insgesamt 4 Jahre.

Alle 412 Patienten, die grundsätzlich einer direkten PTCA zugeführt wurden, überlebten die ersten 30 Tage. Nach einem Jahr waren 2,4% der Patienten verstorben. Am Ende des 2. Jahres betrug die Rate der verstorbenen Patienten des Gesamtkollektivs 3%. Nach 3 Jahren lag die Mortalitätsrate bei 5%. Am Ende des 4. Jahres waren 9% der in die Studie eingeschlossenen Patienten verstorben.


In dieser Studie handelt es sich um die erste HRV-Analyse bei Patienten mit direkter PTCA in einem Zeitrahmen von 11+9 Tagen nach AMI.
Die Inzidenz der stark gesunkenen HRV, definiert als SDNN < 50 ms, ist bei Patienten nach akutem ST-Segment Hebungsinfarkt (STEMI) in der Ära der frühen Reperfusion des Infarktgefäßes, die einer frühen und meist erfolgreichen PTCA (377/412) zugeführt wurden, niedrig (ca. 7%).
In der aktuellen Studie betrug die mittlere linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) über 55% (+15; Bereich 10-80%). Damit wird deutlich, dass eine hohe Zahl von Patienten sehr früh katheterisiert wurde und dadurch eine frühe Reperfusion erhielt.
Signifikanter Prädiktor des Überlebens sind in dieser Studie „nur“ Alter und LVEF.

Obgleich die Inzidenz der stark erniedrigten HRV nach direkter PTCA bei STEMI sehr rar erscheint (< 10%), behauptet sie ihre Fähigkeit zur Einschätzung der erhöhten Langzeit-Mortalität, insbesondere durch die Kombination von SDNN < 50 ms und niedriger LVEF.
Kurzfassung auf Englisch: Cardiovascular disease, especially acute myocardial infarction (AMI), are the main cause of death in the western countries.

After myocardial infarction the outcome depends on reinfarcts, incidence of heart failure and occurrence of malignant arrhythmias. The identification of the patients at risk after surviving the acute infarction phase is important, because particularly the sudden cardiac death is a central problem of post infarction patients.
HRV represents the variation of the heart rate. Elevated HRV characterises a healthy system and a reduced HRV is a predictor for arrhythmic events.

This is the first investigation to study the heart rate variability (HRV) in patients who had undergone revascularisation in AMI. Nowadays the infarct vessel is often catheterized. A further evaluation of the incidence and significance of HRV is essential.

412 patients were included in this prospective study. Direct percutaneous transluminal coronary angioplasty (PTCA) was performed in the infarction phase. HRV was determined 11±9 days after AMI. The first evaluation of the follow-up was after 30 days, afterwards half-yearly for about 4 years.
All 412 patient survived the first 30 days. The mortality rate was 2,4 % after the first year, 3% after the second year, 5% after the third year and 9% after the fourth year.

This study is the first HRV analysis in patients with direct PTCA recorded with a time frame of 11±9 days after AMI. A major finding of this study is that the incidence of severely depressed HRV defined as SDNN < 50ms is low (i.e. ~ 7%) in patients who undergo early and mostly succesful PTCA (377/412).

In the present study, mean left ventricular ejection fraction (LVEF) was about 55% (±15; range 10-80) implying that a high percentage of the patients were catheterized very early and so had early reperfusion.
Significant predictors for survival in this study were “only” age and LVEF.

Although the incidence of severely depressed HRV appears to be a rare finding (< 10%) after direct PTCA for STEMI, it maintains its ability to estimate increased long-term mortality. However, this notion holds for subjects with very low SDNN only.