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Uncle Sam gegen Onkel Ho : U.S. Flugblattpropaganda in Vietnam, 1954-1973

Uncle Sam versus Uncle Ho : U.S. leaflet propaganda in Vietnam, 1954-1973

Keck, Rolf


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Flugblatt , Propaganda , Vietnam , Psychologische Kriegsführung , USA
Freie Schlagwörter (Englisch): leaflet , propaganda , Vietnam , psychlogical warfare , USA
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Historisches Institut
Fachgebiet: Geschichte
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 11.12.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 14.01.2008
Kurzfassung auf Deutsch: In Bezug auf den Vietnamkrieg kann man im doppelten Sinne von einem »Krieg der Bilder« sprechen. Zum einen weil Journalisten mit ihren Kameras die Gefechte erstmals direkt in die amerikanischen Wohnzimmer transportierten. Zum anderen weil in keinem Krieg des 20. Jahrhunderts so viele Bilder im Dienste der Propaganda eingesetzt worden sind wie in Vietnam. Diese Arbeit analysiert den Einsatz antikommunistischer Propagandaflugblätter der USA in Vietnam von 1954 bis zum Abzug der Truppen 1973.

Bereits in den Jahren 1954 und 55 wurden Flugblätter von den USA gegen das Regime von Ho Chí Minh eingesetzt. Der Geheimdienst CIA verbreitete in Nordvietnam schwarze Propaganda. Sie hatten zum Ziel, in der Umsiedlungsperiode, welche auf der Genfer Konferenz für beide Landesteile Vietnams ausgehandelt worden war, möglichst viele Menschen zur Flucht vom kommunistischen Nordteil in den Süden zu bewegen. Die Flugblätter trugen erheblich dazu bei, den Flüchtlingsstrom zu verstärken. Nach 1955 engagierte sich Washington zunächst nicht mehr mit antikommunistischer Propaganda, sondern konzentrierte sich auf die Wirtschafts- und Militärhilfe, um die Macht des Ngo Dinh Diem zu konsolidieren.

Erst als die Stärke der Befreiungsfront Südvietnams Anfang der 60er Jahre zunahm, begann Washington der antikommunistischen Propaganda mehr Bedeutung beizumessen. Bis dahin lagen jedoch auf amerikanischer Seite keinerlei Konzepte für eine Propagandaoffensive vor. Mit Beginn des Vietnamkriegs ging es nicht darum, einen antikommunistischen Propagandafeldzug zu optimieren. Vielmehr stellte die Konzeptionslosigkeit Washington vor die Aufgabe, die psychologische Kriegsführung zu initiieren.

Doch der Einsatz von Propaganda wurde in den amerikanischen Streitkräften nicht als integraler Bestandteil der Kriegsführung begriffen. Erschwerend kam hinzu, dass die meisten GIs, die für die Flugblätter verantwortlich waren, keine adäquate Ausbildung erhalten hatten. Obendrein war ihre Dienstzeit mit einem Jahr kurz. So mussten sich die neuen Offiziere und Mannschaften immer wieder in die inhaltlichen wie technischen Aspekte der Flugblattpropaganda gleichzeitig einarbeiten.

Vor allem wegen der schweren Bombardements durch amerikanische Flugzeuge vermochte sich die Botschaft der »friedliebenden Führungsnation der freien Welt« in Nordvietnam aber nicht durchzusetzen. Zudem wurde durch die U.S. Propaganda zur überlegenen Feuerkraft Amerikas den Vietnamesen immer wieder mit totaler Vernichtung gedroht. Gleichzeitig wurde in anderen Flugblättern behauptet, der Kommunismus sei das Verderben der Vietnamesen. Diese Flugblätter konnten in Anbetracht der Zerstörung, die mit der U.S. Air Force kam, nicht überzeugen.
In Bezug auf das Chiêu-Hoi-Programm – eine Amnestiekampagne, mittels derer kommunistische Soldaten zur Fahnenflucht bewegt werden sollten – schien ein amerikanischer Propagandaerfolg messbar zu sein. Die Menge an Überläufern galt als der lebende Beweis dafür, dass diese Kampagne überzeugt hatte. Betrachtet man die 200.000 Fahnenflüchtigen nicht isoliert vom Kontext des Krieges, sondern berücksichtigt die Zusammensetzung dieser Gruppe, relativiert sich die Bilanz dieser Kampagne erheblich. Das Chiêu-Hoi-Programm hatte kaum Einfluss auf die nordvietnamesische Armee. Bis 1970 waren nur 800 nordvietnamesische Soldaten desertiert. Zudem war die Mehrheit der südvietnamesischen Deserteure ohne Rang.
Andere Kampagnen waren erfolgreich. Überläufer berichteten, dass insbesondere die Flugblätter zum Thema »Familie« sie am stärksten beeinflusst hatten. Doch nahezu allen U.S. Flugblättern war gemeinsam, dass sie dichotom gestaltet waren. Sie führten den Lesern nur zwei Alternativen vor Augen: Das kommunistische System Nordvietnams – durch die Propaganda als gottlose Diktatur verteufelt – und das antikommunistische System Südvietnams – von der Propaganda als Erfolgsmodell westlicher Demokratie angepriesen. Hier lag das größte Versäumnis der Flugblattpropaganda: Sie wurde den politischen Entwicklungen letztendlich nicht angepasst. Obwohl sich die Beziehungen Washingtons zu Moskau und Peking erheblich entspannt hatten, hielt man an den streng antikommunistisch ausgerichteten Propagandainhalten fest. Bis zuletzt wurde gegen »die Partei« in Hanoi sowie gegen die Vietcong gehetzt, die als ferngesteuerte Terrorbande dämonisiert wurde. Gleichzeitig wurde das korrupte Regime in Saigon als repräsentative, volksnahe Regierung eines freien, prosperierenden Südvietnams gerühmt.