Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Erkenntniszuwachs durch Analyse : populäre Musik auf dem Prüfstand

Weitere Beteiligte (Hrsg. etc.): Rösing, Helmut
Arbeitskreis Studium Populärer Musik


Originalveröffentlichung: (2000) Karben: CODA-Verlag

Weiterer Hrsg.: Thomas Phleps

Thomas Böhm: Was ist Psychedelic Rock? Zum Einfluß von Drogen auf die Musik am Beispiel der Beatles und LSD.
Martin Pfleiderer: "Here Comes the Drumz" Zu Entwicklung und musikalischen Merkmalen von Drum n Bass.
Barbara Volkwein: Es macht Bleep.
Kai Stefan Lothwesen: Methodische Aspekte der musikalischen Analyse von Techno.
Franz Krieger: Take 6. Musikalische Ingredienzen einer ungewöhnlichen Vokalgruppe.
Daniel Müllensiefen: Musikpräferenzen spanischer Jugendlicher. Eine empirische Untersuchung.

Aus urheberrechtlichen Gründen stehen nicht alle Aufsätze online zur Verfügung.


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-51726
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5172/

Bookmark bei del.icio.us


Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Fachgebiet: Musikwissenschaft / Musikpädagogik
DDC-Sachgruppe: Musik
Dokumentart: Buch (Monographie)
Zeitschrift, Serie: Beiträge zur Popularmusikforschung ; 24
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2000
Publikationsdatum: 07.01.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Es Ist schon richtig, daß in der populären Musik "wichtigere Dinge transportiert werden als etwa die Tatsache, daß hier ein Zweivierteltakt eingeschoben und dort etwas um einen Halbton erhöht wurde". Aber das Ist schließlich bei aller Musik der Fall und muß nicht im Affront gegen die "Unangemessenheit" akademischen Umgangs mit Pop-Musik" (Bernd Kühl; nachzulesen in NMZ, Dezember/Januar 1985/86, S. 13) eigens betont werden. Im übrigen wird die Angemessenheit analytischen Tuns auf allen Gebieten unseren täglichen Lebens meist nur aus Erkenntnisangst angezweifelt. Wer etwa über Big Macs mehr erfahren möchte, als daß sie "einfach gut schmecken", kommt nicht umhin, zwischen die beiden Pappscheiben zu schauen und dort u.a. die irreversiblen Zerstörungen ganzer Landstriche in Südamerika zu erblicken. So drastisch geht es in der holden musica freilich nicht zu, auch wenn für die aktuelle Popmusik Immer aufs Neue die Faktoren Drogen und Lautstärke auf der Schadensseite verbucht werden - von der jeweiligen Elterngeneration, versteht sich.
Neue Wege im Umgang mit diesem alten Konflikt zwischen U(nserer) und E(urer) Musik suchten/gingen auf der durchweg anregenden 9. ASPMArbeitstagung, die vom 30. Oktober bis zum 1. November 1998 in Haus Rissen bei Hamburg stattfand, vor allem die "nachwachsenden" Musikwissenschaftler und Musikwissenschaftlerinnen. Sie scheinen nicht weiter gewillt, Ihre Energien in Abwehrreaktionen aufzureiben, sondern in hohem Maße davon überzeugt, daß das analytische Eindringen in musikalische Materialvorgaben und Verfahrensweisen ein Verstehen von populärer Musik erhöht. In den hier versammelten Tagungsbeiträgen wird die Musik ernst, gewissermaßen beim Wort genommen und der vom Denkverbot diktierte Aberglaube ad acta gelegt, daß die Frage nach dem Wie und Was dem sogenannten ästhetischen Genuß schade. Mit der Analyse zweier Beatles-Songs nimmt Thomas Böhm die Suche nach konkret nachweisbaren Bezügen zwischen Drogen(konsum) und (psychedelischer) Popmusik auf. Er kommt u.a. zu dem nicht unerheblichen Ergebnis, daß "drogengeschwängerte" musikalische Umweltverhältnisse zwar auf die - im Falle der Fab Four drogenfrele - Musikproduktion Einfluß nehmen, im Umkehrschluß aber der analytische Blick auf das blanke Material und seine Verfahrenswelsen kaum Rückschlüsse auf diese Einflußnahmen zuläßt.
Auch in den drei Beiträgen, die sich auf je spezifische Weise mit den Sparten der (noch) aktuellen popmusikalischen Abteilung Techno beschäftigen, ist die musikanalytische Arbeit kein isoliertes Betätigungsfeld. Eingebunden in historische, pänomenologische und mitunter Ideologiekritische Zusammenhänge, arbeitet Martin Pfleiderer die computergestützten Gestaltungsmittel der avancierten, zumal rhythmisch komplexen Richtungen heraus, bringt Barbara Volkwein erste Ansätze zu einer musikalischen Kategorisierung der Hauptströmungen und weist Kai S. Lochwesen für die kommerziell erfolgreichen Produktionen exemplarisch das Nivellleren techno-spezifischer Raffinessen nach.
Während diese Techno-Analysen nicht umhin kommen, die dem Genre angemessenen Analysemittel erst einmal zu verorten, Ist im Jazz- und Rockbereich ein weitgehend erprobtes Analyse-Instrumentarium vorhanden, In seinem präzisen und detailgenauen Beitrag über die Produktionen der gesangstechnisch exzeptionellen Erfolgstruppe TAKE 6 nutzt Franz Krieger dieses Repertoire zur sinnfälligen Vermittlung vor allem arrangementtechnischer Details und Besonderheiten.
Als einziger Beitrag dieses Helles ist Daniel Müllensiefens empirische Studie Ober Musikpräferenzen spanischer Jugendlicher nicht auf die Analyse von Musik ausgerichtet. Beispielhaft gelingt ihm der Nachweis, daß jugendkulturelle Musikpräferenzen bei aller Dominanz des angloamerikanischen Musikimports auch im vereinten Europa länderspezlflsch ausdifferenziert bleiben - während die sogenannte Globalisierung doch das zu bleiben scheint, was sie (zwischen den "Pappdeckeln") schon immer sein sollte: eine ökonomische.
Arbeitsökonomisch im Fortschreiten begriffen ist die ASPM-homepage www.aspm-online.de, die ab Herbst 1999 auch das Lehrveranstaltungsverzeichnis aus der von Alenka Barber-Kersovan redaktionell betreuten "www-Rubrik" übernehmen wird. So können die Daten der wissenschaftlichen Lehrveranstaltungen zur populären Musik nicht nur flexibler verwaltet, sondern auch jederzeit lm Internet abgerufen werden.
Lizenz: Veröffentlichungsvertrag für Publikationen ohne Print on Demand