Material und Methodik: Im Rahmen dieser retrospektiven Studie wurden 956 Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung, die sich im Zeitraum von Januar 1999 bis Mai 2000 einer aortokoronaren Bypassoperation (ACB-OP) unterzogen hatten, hinsichtlich ihres Operationsrisikos durch den Parsonnet Score, den EURO Score, den Ontario Province Risk (OPR) Score, den French Score, den Pons Score und den Cleveland Clinic Score klassifiziert.
Als postoperatives "outcome" betrachteten wir die Mortalität und Morbidität innerhalb der ersten 30 Tage. Receiver Operating Characteristics (ROC) Kurven wurden bestimmt, um die Risikoklassifikationen auf ihre Validität zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Um die aussagekräftigsten "Kern-Risikofaktoren" zu bestimmen, wurden in einer univariaten Analyse die relativen Risiken der einzelnen Risikofaktoren ermittelt und in einer multivariaten Analyse die in Frage kommenden Faktoren mittels logistischer Regression in einem Step-Down-Verfahren getestet.
Ergebnisse: Bei der ROC-Kurven Analyse zeigten sich für alle Risikoklassifikationen vergleichbare Werte ohne signifikante Unterschiede (Mortalität: Parsonnet 0,802; EURO 0,815; OPR Score 0,796; French Score 0,770; Pons Score 0,847; Cleveland Clinic Score 0,805) (Morbidität: Parsonnet 0,696; EURO 0,706; OPR Score 0,693; French Score 0,682; Pons Score 0,692; Cleveland Clinic Score 0,693). In der klinischen Praxis erscheint der OPR Score mit nur sechs Risikofaktoren am einfachsten zu erheben zu sein. Die in der multivariaten Analyse aussagekräftigsten Kern-Risikofaktoren für die postoperative Mortalität waren ein Kreatinin-Wert im Serum ab 1,5 mg/dl, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz NYHA Grad 3 oder 4, Re-Operation, schlechter präoperativer Status des Patienten und eine ACB-OP kombiniert mit einer Herzklappen-OP. Ein höheres Patientenalter zeigte zwar in der univariaten Risikofaktoranalyse auch höhere relative Risiken, bei dermultivariaten Analyse war das Alter als Risikofaktor jedoch nicht relevant. Eine symptomatische Herzinsuffizienz war multivariat betrachtet aussagekräftig. Wurde stattdessen jedoch nur eine eingeschränkte linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) betrachtet, ergaben sich keine Relevanzen.
Als Kern-Risikofaktoren für die postoperative Morbidität ergaben sich ein Kreatinin-Wert im Serum ab 1,5 mg/dl, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), eine Herzinsuffizienz NYHA Grad 3 oder 4, eine Re-Operation, ein schlechter präoperativer Status des Patienten und eine ACB-OP kombiniert mit einer Herzklappen-OP. Ein höheres Patientenalter zeigte in der multivariaten Betrachtung ebenfalls Relevanz als Risikofaktor, nicht jedoch eine eingeschränkte LVEF an Stelle der symptomatischen Herzinsuffizienz.
Schlussfolgerungen: Alle untersuchten Risikoklassifikationen zeigen eine ausreichend hohe Validität hinsichtlich der postoperativen Mortalität, nicht jedoch bezüglich der postoperativen Morbidität. Bei statistisch nicht signifikanten Unterschieden in der Diskriminanz der einzelnen Risikoklassifikationen scheint der OPR Score vom klinischen Standpunkt her gesehen mit nur sechs zu erhebenden Risikofaktoren am praktikabelsten zu sein. Bezüglich der Analyse von einzelnen Risikofaktoren lässt sich feststellen, dass eine Herzinsuffizienz als Risikofaktor erst bei einer symptomatischen Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Patienten an Bedeutung gewinnt. Das "biologische Alter" eines Patienten wird durch die Kombination mehrerer Risikofaktoren hinreichend gut abgebildet, so dass das chronologische Alter des Patienten in einer multivariaten Analyse an Bedeutung verliert.">
 

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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-51268
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Vergleich von 6 Risikoklassifikationen für aortokoronare Bypassoperationen : Analyse der zu Grunde liegenden Risikofaktoren

Berger, Jens Andreas


Originalveröffentlichung: (2007) Giessen : VVB Laufersweiler 2007
pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.079 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Chirurgie, Anästhesiologie und Urologie Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5218-8
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.08.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 17.12.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel: Risikoklassifikationen in der Herz- und Gefäßchirurgie sind bei der Qualitätskontrolle, bei der Begleitung von klinischen Studien, bei Kosten-Nutzen-Analysen, aber auch als orientierende Hilfe bei der Indikationsstellung für den einzelnen Patienten von unbestreitbarem Nutzen. In unserer Studie wurden sechs gängige Risikoklassifikationen auf ihre Validität und Anwendbarkeit in unserer Patientenpopulation hin getestet. Die in den
Risikoklassifikationen verwendeten Risikofaktoren wurden auf ihren erklärenden Beitrag zu der postoperativen 30-Tages-Mortalität und Morbidität in unserer Patientenpopulation hin überprüft, mit dem Ziel, die aussagekräftigsten "Kern-Risikofaktoren" herauszufiltern.

Material und Methodik: Im Rahmen dieser retrospektiven Studie wurden 956 Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung, die sich im Zeitraum von Januar 1999 bis Mai 2000 einer aortokoronaren Bypassoperation (ACB-OP) unterzogen hatten, hinsichtlich ihres Operationsrisikos durch den Parsonnet Score, den EURO Score, den Ontario Province Risk (OPR) Score, den French Score, den Pons Score und den Cleveland Clinic Score klassifiziert.

Als postoperatives "outcome" betrachteten wir die Mortalität und Morbidität innerhalb der ersten 30 Tage. Receiver Operating Characteristics (ROC) Kurven wurden bestimmt, um die Risikoklassifikationen auf ihre Validität zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Um die aussagekräftigsten "Kern-Risikofaktoren" zu bestimmen, wurden in einer univariaten Analyse die relativen Risiken der einzelnen Risikofaktoren ermittelt und in einer multivariaten Analyse die in Frage kommenden Faktoren mittels logistischer Regression in einem Step-Down-Verfahren getestet.

Ergebnisse: Bei der ROC-Kurven Analyse zeigten sich für alle Risikoklassifikationen vergleichbare Werte ohne signifikante Unterschiede (Mortalität: Parsonnet 0,802; EURO 0,815; OPR Score 0,796; French Score 0,770; Pons Score 0,847; Cleveland Clinic Score 0,805) (Morbidität: Parsonnet 0,696; EURO 0,706; OPR Score 0,693; French Score 0,682; Pons Score 0,692; Cleveland Clinic Score 0,693). In der klinischen Praxis erscheint der OPR
Score mit nur sechs Risikofaktoren am einfachsten zu erheben zu sein.
Die in der multivariaten Analyse aussagekräftigsten Kern-Risikofaktoren für die
postoperative Mortalität waren ein Kreatinin-Wert im Serum ab 1,5 mg/dl, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz NYHA Grad 3 oder 4, Re-Operation, schlechter präoperativer Status des Patienten und eine ACB-OP kombiniert mit einer Herzklappen-OP. Ein höheres Patientenalter zeigte zwar in der univariaten Risikofaktoranalyse auch höhere relative Risiken, bei dermultivariaten Analyse war das Alter als Risikofaktor jedoch nicht relevant. Eine symptomatische Herzinsuffizienz war multivariat betrachtet aussagekräftig. Wurde
stattdessen jedoch nur eine eingeschränkte linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) betrachtet, ergaben sich keine Relevanzen.

Als Kern-Risikofaktoren für die postoperative Morbidität ergaben sich ein Kreatinin-Wert im Serum ab 1,5 mg/dl, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), eine Herzinsuffizienz NYHA Grad 3 oder 4, eine Re-Operation, ein schlechter präoperativer Status
des Patienten und eine ACB-OP kombiniert mit einer Herzklappen-OP. Ein höheres
Patientenalter zeigte in der multivariaten Betrachtung ebenfalls Relevanz als Risikofaktor, nicht jedoch eine eingeschränkte LVEF an Stelle der symptomatischen Herzinsuffizienz.

Schlussfolgerungen: Alle untersuchten Risikoklassifikationen zeigen eine ausreichend hohe Validität hinsichtlich der postoperativen Mortalität, nicht jedoch bezüglich der postoperativen Morbidität. Bei statistisch nicht signifikanten Unterschieden in der Diskriminanz der einzelnen Risikoklassifikationen scheint der OPR Score vom klinischen Standpunkt her
gesehen mit nur sechs zu erhebenden Risikofaktoren am praktikabelsten zu sein.
Bezüglich der Analyse von einzelnen Risikofaktoren lässt sich feststellen, dass eine Herzinsuffizienz als Risikofaktor erst bei einer symptomatischen Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Patienten an Bedeutung gewinnt. Das "biologische Alter" eines Patienten wird durch die Kombination mehrerer Risikofaktoren hinreichend gut abgebildet, so dass das chronologische Alter des Patienten in einer multivariaten Analyse an Bedeutung
verliert.
Kurzfassung auf Englisch: Objective: Risk classifications in cardio-thoracic surgery are important tools in quality control, in clinical studies and in cost-benefit analyses. In addition, they can be helpful for the indication of the individual patient. In our study we compared six commonly used risk scores with regard to their validity and practicability in our patient population. Furthermore, the single risk factors used in the risk scores were tested for their correlation with 30-day mortality and morbidity in our patient population with the objective of detecting the most significant “core risk factors”.

Methods: 956 patients with coronary heart disease, who in the period of January 1999 until March 2000 had undergone coronary artery bypass grafting (CABG), were included in our retrospective study. They were scored regarding their operation risk using the Parsonnet Score, the EURO Score, the Ontario Province Risk (OPR) Score, the French Score, the Pons Score and the Cleveland Clinic Score. As postoperative outcome we investigated the mortality and morbidity measurements within the first 30 days. Receiver operating Characteristics (ROC) curves were determined to compare the different risk scores for their validity. In order to determine the most important “core risk factors”, the relative risks of the individual risk factors were established in an univariate analysis. Finally, the possibly applicable risk factors were tested using a logistic regression model in a step down procedure.


Results: Receiver operating characteristics (ROC) curve analysis showed comparable values for all risk classifications (mortality: Parsonnet 0,802; EURO 0,815; OPR Score 0,796; French Score 0,770; Pons Score 0,847; Cleveland Clinic Score 0.805) (morbidity: Parsonnet 0,696; EURO 0,706; OPR Score 0,693; French Score 0,682; Pons Score 0,692; Cleveland Clinic Score 0.693). In clinical practice the OPR Score with only six risk factors appears to be the most simple one.

In the multivariate analysis the most important risk factors for the postoperative mortality were a Serum-Creatinine starting from 1,5 mg/dl, diabetes mellitus, heart failure class 3 or 4, a re-operation, a poor preoperative condition of the patient and a CABG combined with valve surgery. Although an elevated patient age also showed a higher relative risk in the univariate analysis of risk factors, it was not a relevant risk factor in the multivariate analysis. Symptomatic heart failure was significant in the multivariate analysis, but a reduced leftventricular ejectionfraction (LVEF) by itself was not a significant risk factor.

As “core risk factors” for the postoperative morbidity resulted a Serum-Creatinine starting from 1,5 mg/dl, chronically obstructive lung disease (COPD), heart failure 3 or 4, a re-operation, a poor preoperative condition of the patient and CABG combined with valve surgery. An elevated patient age showed relevance as a risk factor in a multivariate analysis. Again a reduced LVEF in place of clinical heart failure classifications did not show relevance in the multivariate analysis.

Conclusions: All examined risk scores show sufficiently high validity regarding the postoperative mortality, but not regarding the postoperative morbidity. Statistically there are no significant differences between the single risk scores. However, the OPR Score with only six risk factors seems to be the most practicable from the clinical point of view.

Concerning the analysis of individual risk factors, it should be noted, that in patients with heart failure only clinical classification, but not LVEF was a relevant risk factor. The “biological age” of a patient is sufficiently well described by the combination of several risk factors, so that the chronological age of the patient becomes less important in a multivariate analysis.