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Ärzte und unkonventionelle Krebstherapien : Kenntnisstand und Konzepte in Deutschland

Physicians and unconventional cancer therapies : knowledge and concepts in Germany

Sparenberg, Jörg


pdf-Format: Dokument 1.pdf (675 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): komplementäre und alternative Medizin , CAM , unkonventionelle Heilmethoden , Krebstherapien , ärztliche Einschätzungen
Freie Schlagwörter (Englisch): complementary and alternative medicine , CAM , unconventional therapies , cancer therapies , physicians’ attitudes
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.11.2007
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 05.12.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung: Die Zunahme an Krebserkrankungen sowie die verstärkte
Nachfrage nach komplementären und alternativen Methoden (CAM) in der
Onkologie geben Anlass, auch die ärztlichen Einschätzungen zur Thematik
näher zu betrachten.


Methode: Für die vorliegende Untersuchung wurden niedergelassene Ärzte
mittels zugesandtem Fragebogen zur Einschätzung von Kenntnisstand und
Wertigkeit unkonventioneller Heilmethoden, genutzten Informationsquellen
und zur subjektiven Krankheitsätiologie befragt.


Ergebnisse: Bei den befragten Ärzten war die Misteltherapie die bekannteste unkonventionelle Therapiemaßnahme, deren Wert deutlich als hilfreich eingeschätzt wurde. Generell wurden die unkonventionellen Heilmethoden auch bei geringem Kenntnisstand überwiegend positiv bewertet, wobei der Nutzen der jeweiligen Methode mit steigendem Bekanntheitsgrad entsprechend höher eingeschätzt wurde. Bei den subjektiven Einschätzungen zur Krankheitsätiologie fiel auf, dass neben den allgemein anerkannten Krebsursachen vor allem psychologische Ursachenfaktoren genannt wurden. In Abhängigkeit verschiedener demographischer Faktoren, insbesondere der Fachrichtung, differieren sowohl der Bekanntheitsgrad der Methoden, als auch die Angaben zur Nutzungshäufigkeit diverser Informationsquellen; die subjektiven Einschätzungen zur Krankheitsätiologie weisen jedoch kaum Unterschiede in Abhängigkeit der verschiedenen Faktoren auf.


Diskussion: Die Ergebnisse dieser Untersuchung machen deutlich, dass die
Ärzte gegenüber alternativen und unkonventionellen Krebstherapien
überwiegend positiv eingestellt sind. Der nachgewiesene Unterschied
zwischen dem eher geringen Kenntnisstand und einer guten Einschätzung
der Wertigkeit, insbesondere der psychologischen Methoden, macht die
Unsicherheit der Ärzte auf diesem Themengebiet deutlich.


Zusammenfassung: Bei der Komplementärmedizin in der Onkologie geht es nicht in erster Linie um den wissenschaftlich fundierten Wirksamkeitsnachweis eines Mittels oder Verfahrens, sondern um Wille, Wohl und Sicherheit des Patienten im Rahmen seines selbst bestimmten Verhaltens in der Krankheit.
Unkonventionelle Therapieverfahren, welche offensichtlich einen hohen
Akzeptanzgrad in der Ärzteschaft aufweisen, sollten offen und objektiv und
dennoch kritisch betrachtet und bewertet werden. Studien unter Evidenz
basierten Gesichtspunkten zu Wirksamkeit und Unbedenklichkeit
komplementärer und alternativer Heilmethoden tragen zu einer Verbesserung der Einschätzung von Nutzen oder Schaden bei.

Eine bessere ärztliche Ausbildung hinsichtlich unkonventioneller Therapieverfahren erscheint wünschenswert. Einheitliche Definitionen der unkonventionellen Therapieverfahren unter Verwendung einheitlicher Studien-Charakteristika sollten in zukünftigen Studien eine bessere Vergleichbarkeit ermöglichen.
Kurzfassung auf Englisch: Background: As interest in complementary and alternative medicine (CAM)
for cancer therapies increases and the number of cancer patients is rising, an analysis of physicians’ attitudes towards these methods seems important.


Methods: Registered physicians were sent a questionnaire about their
knowledge and their rating of unconventional methods, their sources of
information and their personal judgement of the disease etiology.


Results: Mistletoe extract treatment proved to be the best known
unconventional therapy as well as the most valuated. Generally the
appreciation of unconventional methods is good even by physicians with
little knowledge about them. Physicians with more detailed knowledge show
a higher appreciation. Regarding the personal judgement of the disease
etiology, besides generally acknowledged causes, psychological causes are
emphasized the most. Sources of information and the degree of knowledge
differ depending on demographic factors, such as physician’s specialization, while the personal judgement of the disease etiology shows no such dependence.


Discussion: The results of this analysis clearly show the physicians’ mostly positive attitudes towards alternative and unconventional cancer therapies. The proven difference of the not very high degree of knowledge on the one hand and the high degree of acceptance, especially of psychological methods, on the other hand, shows the physicians’ uncertainty on this subject.


Summary: The treatment of cancer patients with unconventional and complementary methods is often not based on scientific evidence; besides the patient’s security, his self-determination and well-being are of great importance.
Unconventional methods, which are obviously widely accepted, should be
reviewed and discussed openly and objectively but also critically. Further
well designed trials are required in order to help acquire more evidence on the risks and on the benefits of complementary and alternative methods.
The physicians’ education in the field of unconventional medicine should be improved. Furthermore, standardized description patterns of study characteristics should help to make future trials more comparable.