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Einstellungsdimensionen von Humanmedizinern gegenüber alternativen Behandlungskonzepten in der Onkologie

Niemeyer, Wiebke


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Psychosomatische Medizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.10.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 09.11.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Alternative Krebstherapie nimmt in den letzten Jahrzehnten einen immer höheren Stellenwert bei Patienten und auch Medizinern ein. In welchem Zusammenhang die Persönlichkeitsstruktur von approbierten Medizinern mit der Akzeptanz, der Kenntnis und dem geschätzten Nutzen solcher alternativen Methoden steht, wurde 2003 in einer Studie an niedergelassenen Ärzten erstmalig erfasst.

In der vorliegenden Studie wurde das optimierte Inventar an vorklinischen und klini¬schen Medizinstudenten ausgegeben. Das Inventar besteht aus dem Attitudes to-wards Alternative Cancer Therapy-Questionnaire (A-ACT-Q) und aus mehreren Persönlichkeitsfragebögen wie den NEO-FFI, Hilf- und Hoffnungslosigkeitsskala und Rationalität/Antiemotionalitätsskala. Es wurden Reliabilitätsschätzungen sowie Varianzanalysen durchgeführt.

Für den A-ACT-Q wurde folgendes optimiertes Modell entwickelt, in dem alle Skalen hohe Reliabilitäten (Cronbach’s Alpha) aufweisen.

Skala 1: Offenheit (,89): a. Wissen (,84); b. Anwendung (,79)

Skala 2: Rigidität (,92): a. Intern (,89); b. Extern (,81)

Skala 3: Ökonomie (,78)

Skala 4: Verzweiflung (,86)

Weitere Analysen zeigten, dass Vorkliniker, vor allem diejenigen mit geringen Werten auf der Rationalität/Antiemotionalitätsskala, im Gegensatz zu den Studenten der letzten Semester eine positive Einstellung gegenüber Alternativmedizin zeigen. Klinische Studenten, vor allem die mit rationaler Denkweise, stehen Alternativmedizin skeptisch gegenüber.

Ebenso zeigen Probanden mit hohen Skalenwerten auf der Skala Verträglichkeit als auch auf der Skalen Neurotizismus in Kombination mit Extraversion gesteigertes Interesse an unkonventionellen Therapieformen.

Die Dimensionen des A-ACT-Q konnten bestätigt werden und sind reliabel. Die Ergebnisse stimmen mit den Resultaten der Pilotstudie an niedergelassenen Ärzten überein und zeigen, dass die Einstellung gegenüber Alternativmedizin von der Persönlichkeit des Mediziners beeinflusst wird. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es offensichtlich prädisponierende Persönlichkeitsfaktoren gibt, die zu einer positiven Einstellung gegenüber unkonventionellen Methoden führen.
Kurzfassung auf Englisch: Alternative cancer therapies have attracted increased attention from the medical community and patients. The correlation between the physician’s personality and their acceptance, their knowledge and their estimated benefit of alternative medical therapies was recorded for the first time in a study on this topic in 2003.

In this study the optimized questionnaire was distributed to medical students. Apart from the A-ACT-Q the entire inventory contained several personality questionnaires such as NEO-FFI, Help- and Hopelessness and Rationality/Emotional defense. Reliability indices and analysis of variance were calculated.

The following new A-ACT-Q-model was developed, which yield four underlying dimensions, all featuring high reliability indices:

1. Openness (.89): a Knowledge (.84), b Application (.79)

2. Rigidity (.92): a Internal (.89), b External (.81)

3. Economic Efficiency (.78)

4. Desperation (.86)

Further analyses showed that anxious undergraduates, in opposition to students near graduation (graduate), have a positive attitude towards alternative cancer therapies. However graduates with high rationality have a sceptical attitude towards alternative cancer therapies. Moreover probands with high agreeableness-scores or with high neuroticism-scores in combination with extraversion show strong interest in unconventional therapies.

The dimensions of the A-ACT-Q could be replicated and shown to be reliable. These results concur with those of the preliminary study done on physicians and show that attitudes towards alternative medical therapies depend on personality and professional socialisation.

In conclusion, our survey confirms the existence of predispositioned personality variables which lead to a positive attitude towards alternative therapies.