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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-50637
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/5063/


Nachhaltige Ernährungsweisen in Familienhaushalten : Eine qualitative Studie über die Umsetzbarkeit des Ernährungsleitbilds in die Alltagspraxis

Häußler, Angela


Originalveröffentlichung: (2006) Giessen : VVB Laufersweiler 2007
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.854 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Haushaltswissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5204-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 02.12.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 03.12.2007
Kurzfassung auf Deutsch: In dieser Arbeit werden Umsetzungsstrategien für nachhaltige Ernährungsweisen in Familienhaushalten analysiert. Der Fokus ist dabei zum einen auf die Entwicklung eines entsprechenden Ernährungsleitbilds der Familien und zum anderen auf dessen praktische Umsetzung in den Ernährungsalltag gerichtet. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den Aushandlungsprozessen zwischen den Familienmitgliedern gewidmet.
Um ein umfassendes Verständnis über die Hintergründe und Möglichkeiten nachhaltiger Ernährungsweisen im Familienalltag zu gewinnen, wurden qualitative Leitfaden-Interviews in neun Familienhaushalten durchgeführt, die dem Leitbild einer nachhaltigen Ernährung folgen oder zu folgen versuchen. In einem ersten Schritt wurde für jeden Familienhaushalt eine ausführliche Fallanalyse erstellt. Diese erfasst sowohl das haushaltsspezifische Ernährungsleitbild als auch die Umsetzung desselben in den familiären Ernährungsalltag. In einem zweiten Schritt wurden mit Hilfe von Fallvergleichen strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede ermittelt, die übergeordnete Schlussfolgerungen ermöglichen.
Es ist deutlich geworden, dass nachhaltige Ernährungsweisen nicht aus dem Kontext des jeweiligen Haushalts zu lösen sind und untrennbar mit der Ernährungsgeschichte, Persönlichkeit und Lebenseinstellung aller Haushaltsmitglieder in Verbindung stehen. Für die Entwicklung von nachhaltigen Ernährungsweisen lassen sich keine allgemeingültigen Ursache-Wirkung-Zusammenhänge ermitteln. Hier handelt es sich um ein Zusammenspiel von bestimmten Grundkonstellationen und konkreten Auslösern und Motiven. Die Grundkonstellation ergibt sich durch Wertmuster und Lebenseinstellungen, aber auch durch gegebene Lebenslagen und vorhandene Ressourcen. In Bezug auf Auslöser und Motive konnte ermittelt werden, dass es meist Motivketten und keine Einzelereignisse sind, die zu einer Umstellung auf nachhaltige Ernährungsweisen führen. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang jedoch biographische Umbruchsituationen wie die Geburt der Kinder.
Da die Alltagsgestaltung von Familienhaushalten sehr komplex ist, hat die Prioritätensetzung für nachhaltige Ernährung einen entscheidenden Einfluss auf die Umsetzung des Leitbilds in die tägliche Ernährungspraxis. Die Ergebnisse der Untersuchung lassen weiterhin den Schluss zu, dass das Engagement beider Partner für eine nachhaltige Ernährungsversorgung die praktische Umsetzung im Alltag erleichtert. Partnerschaftliche Arbeitsteilungsmuster wiederum werden durch gute institutionelle Angebote zur Kinderbetreuung unterstützt.
Für die Entwicklung eines gesellschaftlichen Leitbilds für nachhaltige Ernährungsweisen und für die Unterstützung der Familien bei der Umsetzung dieses Leitbilds bedarf es sowohl des quantitativen als auch qualitativen Ausbaus der institutionellen Ernährungsversorgung von Kindern, die mit einer alltagsnahen Ernährungserziehung gekoppelt ist. Zur Auflösung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilungsmuster im Ernährungsbereich ist eine gendersensible Gestaltung der Bildungsangebote unerlässlich.
Kurzfassung auf Englisch: This thesis analyses implementation strategies of sustainable diets in family households. The focus lies both on the development of a corresponding dietary model within the family and on its practical integration into the family’s daily dietary routines. Special attention will be given to the processes of communication among the family members.
To gain a coherent understanding of the backgrounds and possibilities of sustainable diets in family life, guided interviews have been conducted in nine family households which follow, or try to follow, the principles of a sustainable diet. First, a detailed case analysis has been carried out for each family household. This includes the specific dietary model of each household as well as its integration into the family’s daily dietary routines. Second, structural similarities and differences have been determined based on case comparisons, which allow generic conclusions.
The results show that sustainable diets cannot be separated from the context of the individual household and are inseparably linked with all household members’ dietary histories, personalities and attitudes towards life. For the development of sustainable diets no general cause and effect correlation can be established, it is the interaction of certain basic circumstances and concrete triggers and motives. The basic circumstances are determined by value patterns and attitudes towards life, but also by the given living situation and available resources. Concerning triggers and motives it can be said that it is usually a chain of motives rather than isolated events. Particularly important in this context are, however, profound biographical changes such as the birth of children.
As the arrangements of everyday life in family households are very complex, the prioritisation of a sustainable diet has a decisive influence on the integration of the model into the daily dietary routines. Furthermore, the results of the study allow the conclusion that the commitment of both partners to a sustainable diet facilitate the practical integration into everyday life. An extensive network of child care institutions supports patterns of equality between partners concerning the division of labour.
The development of a social model of a sustainable diet and the support of families in the implementation of this model is only possible if a quantitative and qualitative extension of the institutional provision of meals for children is achieved, combined with forms of dietary education that are suitable for daily life. To overcome gender specific patterns in the division of labour within the dietary field a gender-sensitive approach to the education programmes is essential.