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Growth-cum-Debt : Eine empirische Analyse am Fallbeispiel Peru für den Zeitraum 1970 bis 1995

Bernhardt, Peter


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: VWL IV
Fachgebiet: Wirtschaftswissenschaften
DDC-Sachgruppe: Wirtschaft (VWL)
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.10.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 30.10.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Nach den Vorstellungen des stufentheoretischen Wachstumsmodells von ROSTOW befinden sich Entwicklungsländer als historische Nachzügler im Übergang von einer traditionellen postkolonialen Produktionsstruktur zu einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft. Im Zentrum der Betrachtung stehen jene Barrieren, die das Erreichen einer höheren Entwicklungsstufe aufgrund des begrenzt verfügbaren Realkapitals verhindern. So kennzeichnet sich die Faktorausstattung der Entwicklungsländer im Allgemeinen durch einen Überschuss des Produktionsfaktors Arbeit, dem eine relative Knappheit an Sach-, Human-, Wissens- und Infrastrukturkapital gegenübersteht.


CHENERY/ STROUT/ BRUNO erörtern in ihrem „Drei-Lücken-Modell“, dass die Kapitalknappheit das entscheidende Hindernis ihrer Wachstums- und Entwicklungsstrategien darstellt. Die internen Finanzierungsprobleme („Saving Gap“) skizzieren nur ein Fragment der für Entwicklungsländer typischen Mangelsituation, da auch im grenzüberschreitenden Warenverkehr eine Devisenlücke entsteht, sofern die Exporterlöse nicht ausreichen, um ein wachstumskonformes Volumen an Investitionsgüter und Vorleistungen zu importieren („Trade Gap“). Neben der Spar- und Devisenlücke tritt die Absorptionsfähigkeit für Kapital als ein weiterer das Wachstum begrenzender Faktor auf. Hierbei limitiert die Absorptionsfähigkeit für Kapital die Höhe der zusätzlichen Investitionen, da eine effiziente Kombination zwischen Sachkapital und komplementären Ressourcen in Gestalt von Human-, Wissens- und Infrastrukturkapital nur innerhalb enger Substitutionsgrenzen möglich ist („Skill Gap“).


Aus der Entscheidung das Stadium eines Entwicklungslandes zu verlassen („Take-off“), resultiert eine Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland. Wachstum durch Verschuldung kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn eine Vielzahl von interdependenten Beziehungen simultan erfüllt sind. Der Einsatz der transferierten finanziellen Ressourcen hat dergestalt zu erfolgen, dass nach Abzug der in Devisen zu entrichteten Schuldendienstzahlungen ein Zuwachs zum realen Bruttoinlandsprodukt garantiert wird. Das quantitative und qualitative Schließen der drei Lücken bedingt eine rationale Wirtschaftspolitik der polit-ökonomischen Entscheidungsträger. Denn nur unter Berücksichtigung sämtlicher auf den „Growth-cum-Debt“ –Prozess einwirkenden Determinanten endet eine durch Auslandsverschuldung getragene wirtschaftliche Entwicklung in ein „Self-Sustaining-Growth“, das die Finanzierung von Investitionen und des fälligen Schuldendienst aus internen Ressourcen zulässt.


Ziel dieser Arbeit ist, die Problemfelder und Fallstricke der externen Verschuldung an einer Fallstudie zu dokumentieren, da unter Addition der strukturellen, institutionellen, sozialen und politökonomischen Barrieren eine Beeinträchtigung des individuellen Wachstums- und Entwicklungspfades eines Landes zu erwarten ist. Obwohl der theoretische Ansatz des „Growth-cum-Debt“ den Erfolg des Konzeptes propagiert, ist es fraglich, ob die modellierten Bedingungen ohne Reibungsverluste zu implementieren sind. Vielmehr sprechen interne und externe Schocks sowie die Verhaltensmuster des „Public Choice“ gegen eine rationale und friktionslose Umsetzung der wachstums- und entwicklungspolitischen Idealvorstellungen. Insbesondere die Neue Politische Ökonomie liefert zur Interpretation der wirtschaftspolitischen Strategien und des praktizierten Schuldenmanagement der einzelnen Legislaturperioden einen geeigneten Ansatz.


Während sich die internationale Literatur im Wesentlichen auf regionale Analysen sowie auf Globalbetrachtungen von Ländern vergleichbarer Pro-Kopf-Einkommen beschränkt, sind Länderanalysen eher selten zu finden. Allgemeingültige Diagnosen und Prognosen für eine Ländergruppe mögen zwar für die gesamte Region zutreffen, jedoch können sie den Verschuldungsprozess einzelner Volkswirtschaften angesichts differierender wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen und Faktorausstattungen nur unzureichend darlegen. Erst eine Länderbetrachtung liefert detaillierte und verwertbare Ergebnisse über den individuellen Erfolg eines „Growth-cum-Debt“- Prozesses. Anhand des Fallbeispiels Peru soll gezeigt werden, inwieweit die Wirtschafts- und Schuldenpolitik im Zeitraum von 1970 bis 1995 zur Verwirklichung der angekündigten Wachstumsziele beigetragen hat.