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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-50542
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/5054/


Prognosefaktoren zur Erkennung einer Metastasierung bei nichtseminomatösen Hodentumoren im klinischen Stadium I : eine Metaanalyse

Akoa Mbida, Ferdinand Georges


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Mainz, Abt. Urologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.06.2007
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 31.10.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Patienten mit testikulären Keimzelltumoren im klinischen Stadium I besitzen eine Langzeitüberlebensrate von etwa 98%. Mit hoher Heilungsraten von 95% bis annähernd 100% in den niedrigen Stadien und von immerhin 50% in der Tumorstadien mit schlechter Prognose, ist der Hodentumor prinzipiell sehr gut therapierbar und gilt als das Paradebeispiel einer heilbaren bösartigen soliden Tumorerkrankung.

Problematisch sind vor allem Hodentumore im klinischen Stadium I, da hier bildgebend keine Metastasen nachweisbar sind. Trotzdem kommt es in diesem Stadium bei 15-48% zu einer okkulten Metastasierung, aus der sich im weiteren Verlauf klinisch manifeste Metastasen im Sinne eines Relaps entwickeln. Dies führte bis vor kurzem dazu, dass viele behandelnde Ärzte praktisch alle nichtseminomatösen Keimzelltumoren Patienten im klinischen Stadium I adjuvant therapierten. Hierbei kamen als Therapieformen die retroperitoneale Lymphadenektomie oder eine Chemotherapie in Frage. Beide Therapieformen zeigen signifikante Morbiditäten. So findet sich bei der retroperitonealen Lymphadenektomie die Gefahr des Ejakulationsverlusts sowie anderer operativer Risiken (Infektionen, Blutungen, Revisions-Op, Anästhesierisiko). Bei der Chemotherapie können als Nebenwirkungen Nierenfunktionsstörung durch die platinhaltige Chemotherapie, eine Schädigung der Lunge nach Bleomycin sowie Abgeschlagenheit, Infektionsgefahr (Leukopenie), Blutungsgefahr (Thrombopenie), Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall auftreten.


Dennoch bleibt klarzustellen, dass in 50-85% der Fälle die Patienten übertherapiert wurden. Dies führte dazu, dass Risikofaktoren als Einzelfaktoren oder auch in Kombination für eine okkulte Metastasierung gesucht wurden, um eine risikoadaptierte Therapie durchführen zu können und so eine Übertherapie zu vermeiden. In allen untersuchten Studien wurden gezeigt, dass die vaskuläre Invasion der am besten validierte prognostische Faktor im klinischen Stadium I des nichtseminomatösen Keimzelltumor ist, der einen Vorhersage-Wert sowohl für das Wiederauftreten der Erkrankung bei Nachuntersuchungen als auch für das Auftreten versteckter Metastasen im Rahmen einer retroperitonealen Lymphadenektomie besitzt. Als weiterer unabhängiger Prognosefaktor wurde das Embryonalkarzinom dargestellt. In vielen Einzelstudien war der prozentuale Anteil an Embryonalkarzinom ein signifikanter Risikofaktor.


Einige der hier dargestellten Risikofaktoren haben bereits Eingang in die tägliche Praxis gefunden (z.B. vaskuläre Invasion, Embryonalkarzinom) andere wiederum sind bisher nicht etabliert (z.B. p53, MIB-1). Auch Kombinationen aus verschiedenen Faktoren zu einem Score (z.B. Freedman-Score) sind untersucht worden. Die vorliegende Arbeit untersuchte im Sinne einer Metaanalyse alle Studien, die über Risikofaktoren für ein Rezidiv bzw. für eine okkulte Metastasierung berichteten. Hierdurch sollten Hinweise gewonnen werden, ob es über die bekannten Risikofaktoren hinaus andere oder Kombinationen von Risikofaktoren gibt, welche eine noch genauere Risikostratifizierung ermöglichen.