Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-49645
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4964/


Untersuchungen zur Entwicklung und Erprobung eines neuen Fütterungssystems für Absetzferkel : der Ferkelfeeder

Knoop, Stephanie


Originalveröffentlichung: (2007) Giessen : VVB Laufersweiler 2007
pdf-Format: Dokument 1.pdf (7.704 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Argrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement, Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Agrarwissenschaften und Umweltmanagement
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5194-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.08.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 17.09.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Um das Leistungspotential abgesetzter Ferkel von Beginn der Aufzucht an ausschöpfen zu können, muss das Haltungs- und besonders das Fütterungsmanagement für die Ferkel optimal gestalten werden.


Ziel dieser Untersuchung war, ein neues Fütterungssystem für die Ferkelaufzucht zu entwickeln, das die speziellen biologischen und ethologischen Anforderungen der abgesetzten Ferkel erfüllt, um so ihre Gesundheit und Leistung von Anfang an auf einem hohen Niveau zu halten und über die Aufzuchtperiode noch zu steigern.


Der Entwicklung ging eine Reihe von Voruntersuchungen voraus, die zum einen ethologische Aspekte, wie eine genauere Beobachtung des Futter- und Wasseraufnahmeverhaltens abgesetzter Ferkel, beinhalteten, zum anderen einer Einschätzung der gegenwärtigen Situation in hessischen Ferkelaufzuchtbetrieben sowie der Leistung von Absetzferkeln an häufig eingesetzten Fütterungssystemen diente. Zudem wurden die Leistungen von Ferkeln vor und nach dem Absetzen ermittelt, um so genauere Aussagen zu der Lebendmasseentwicklung im absetznahen Zeitraum machen zu können.


Im Ergebnis wurde das neue Fütterungssystem „Ferkelfeeder“ entwickelt und erprobt. Es wurde in zwei Varianten, dem Ferkelfeeder-Doppellängstrog und dem Ferkelfeeder-Doppelkurztrog, sowohl in der Ferkelaufzucht einer Lehr- und Forschungsstation als auch unter den Bedingungen eines Praxisbetriebes eingesetzt und getestet. Die Daten von 250 Tieren des Lehr- und Forschungsbetriebes sowie von 463 Tieren des Praxisbetriebes gingen in die Untersuchungen ein.


Der Ferkelfeeder besteht aus einem gekanteten Doppeltrog mit einer mittigen Trennwand bis etwa 12 cm über der Trogsohle, die Verdrängungen über den Trog verhindert. Fressplatzteiler im Abstand von 30 cm richten die Ferkel am Trog aus. Als Fressplatzbreite werden 15 cm pro
Ferkel vorgegeben. Ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 am Doppellängstrog ermöglicht anfänglich nach dem Absetzen eine rationierte Fütterung der Tiere und trägt damit sowohl zu einem guten Gesundheitsstatus als auch zu einem arttypischen Futteraufnahmeverhalten der Ferkel bei. Die rationierte Fütterung kann nach der Umstellungsphase schrittweise auf eine adlibitum-Fütterung umgestellt werden. Der Ferkelfeeder kann auch mit einem Tier-Fressplatz-Verhältnis am Doppelkurztrog von 4:1 betrieben werden, wodurch eine ad libitum-Fütterung von Beginn an vorgegeben ist. Die Futtervorlage erfolgt - gesteuert durch eine Zeitschaltuhr -häufig in kleinen Portionen über den Tag verteilt. Bei der ad libitum-Fütterung werden mehrere Fütterungszeiten (bisher im minimalen Abstand von 30 Minuten) zu einem
Fütterungsblock zusammengefasst. Das immer neue Angebot frischen Futters animiert die Ferkel zur Futteraufnahme. Um die Fütterung an den tatsächlichen Verbrauch der Ferkel anzupassen, wird ein Sensor im Trog eingesetzt, der in Abhängigkeit vom Füllstand die Futterdosierung steuert.
Eine Fütterungszeit beginnt mit der Ausdosierung einer definierten Menge Wasser gesteuert durch ein Magnetventil, danach erfolgt die Futtergabe aus Volumendosierern. Die Volumendosierer werden über eine Rohrkette oder Futterspirale beschickt und münden in Fallrohre, die in die Trennwand des Troges eingelassen sind. Ein Volumendosierer beliefert so vier bzw. bei Einsatz eines Y- Stückes am Fallrohr acht Fressplätze. Das Futter wird direkt auf das im Trog befindliche Wasser dosiert, und die Tiere mischen den Futterbrei selbst an.


Die breiförmige Futterkonsistenz bedingt mit einer guten Futterakzeptanz die schnelle Eingewöhnung der Ferkel, und durch die Anmischung des Breis erst im Trog ist eine gute Futterhygiene gewährleistet. Im Laufe der Untersuchungen zeigte sich für ein Verhältnis von 3:1 für Wasser zu Futter im Trog die beste Akzeptanz der Ferkel. Nach der Fütterung wird nochmals Wasser ausdosiert. Dieses Wasser dient der Trogreinigung, außerdem wird den Ferkeln eine offene Wasserfläche als Zusatztränke angeboten, die diese gut annehmen.


Die beiden Varianten des Ferkelfeeders (Doppellängs- und Doppelkurztrog) wurden jeweils parallel zum Vergleichssystem Rohrbreiautomat (Tier-Fressplatz-Verhältnis von 5:1 bzw. 4:1) getestet. In den Untersuchungen auf der Lehr- und Forschungsstation fanden die Untersuchungen zu den beiden Ferkelfeeder-Varianten zeitversetzt statt, im Praxisbetrieb konnten vier Fütterungsvarianten unter gleichen Umweltbedingungen (im selben Abteil) verglichen werden. Die vier Varianten waren
• der Ferkelfeeder-Doppellängstrog mit dem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1,
• der Ferkelfeeder-Doppelkurztrog mit einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 4:1,
• der Rohrbreiautomaten mit einem mit Tier-Fressplatz-Verhältnis von 4:1 und
• der Rohrbreiautomaten mit einem mit Tier-Fressplatz-Verhältnis von 8:1.


Die besten Zunahmen im Mittel der Aufzucht erreichten in beiden Betrieben die Ferkel am Ferkelfeeder-Doppellängstrog mit einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1. In der Lehr- und Forschungsstation nahmen die Tiere hier im Mittel von fünf Durchgängen 417 g am Tag zu, die Tiere im direkten Vergleich am Rohrbreiautomaten dagegen nur 386 g. Im Praxisbetriebbetrugen die täglichen Zunahmen am Ferkelfeeder-Doppellängstrog 428 g. Zudem war die Homogenität in diesen Gruppen zum Ausstallzeitpunkt am höchsten (Variationskoeffizient für die Ausstallmasse 17,3 % bzw. 18,2 %). Die Homogenität innerhalb der Ferkelgruppen ging mit steigendem Tier-Fressplatz-Verhältnis zurück (Rohrbreiautomat 8:1: 20,5 %). In der Lehr- und Forschungsstation wurden zudem die Leistungen der Tiere in den ersten 14 Tagen der Aufzucht ermittelt. Die Ferkel am Ferkelfeeder-Doppellängstrog und einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 erzielten die besten Zunahmen in den ersten beiden Wochen nach dem Absetzen (267 g).


Zum Absetzen leichtere Ferkel als der Gruppendurchschnitt hatten in der ersten Woche nach dem Absetzen höhere tägliche Zunahmen als die schwereren Gruppenpartner (im Mittel aller Gruppen: 217 g vs. 181 g). Darüber hinaus lagen bei diesen Ferkeln die Zunahmen fast ausschließlich mindestens auf dem Niveau der Säugezeit und immer über den Leistungen der schweren Ferkel der Gruppe.


Neben den Leistungsdaten wurden auf dem Lehr- und Forschungsbetrieb auch Futter- und Wasserverbrauch dokumentiert. Der Futterverbrauch während der Aufzuchtperiode betrug am Ferkelfeeder-Doppellängstrog 642 g, am Rohrbreiautomaten (5:1) 650 g, am Ferkelfeeder-Doppelkurztrog 677 g und am Rohrbreiautomaten (4:1) 718 g pro Tier und Tag. Im Mittel über die vier Fütterungsvarianten verbrauchte jedes Ferkel insgesamt ca. 3,3 l Wasser am Tag. In den Untersuchungen zum Futteraufnahmeverhalten der Ferkel am Ferkelfeeder über 24 Stunden wurde die Trogauslastung während der Fütterungszeiten beobachtet. Die Auswertung der Fütterungszeiten des Ferkelfeeder-Doppellängstroges erfolgte getrennt nach der Phase der rationierten Fütterung in den ersten zehn Tagen nach dem Absetzen und der Phase der ad libitum-Fütterung für die weitere Aufzucht. Die rationierte Fütterung bestand aus maximal zehn Futterdosierungen am Tag, die ad libitum-Fütterung erfolgte am Ferkelfeeder-Doppellängstrog in fünf Fütterungsblöcken. Die Blöcke bestanden aus je vier Fütterungszeiten, nur der nächtliche Block setzte sich aus lediglich zwei Fütterungen zusammen. Während am ersten Tag nach dem Absetzen die durchschnittliche Trogauslastung als Ergebnis der Belastungen durch die Umstellung noch niedrig war (40 %), stieg sie bis zum vierten Tag auf fast 79 % über die gesamte Fütterungszeit an.


Die ad libitum-Fütterung am Ferkelfeeder-Doppelkurztrog machte je nach Fütterungsmanagement drei oder sieben Fütterungsblöcke aus, deren Anzahl an Futterdosierungen variierte. Die Trogauslastung zwei Minuten nach Fütterungsstart (durchschnittlich 124,6 %) lag in jedem Fall über der Auslastung nach zehn Minuten (durchschnittlich 73,4 %). Die durchschnittliche Trogauslastung der Fütterungsblöcke der Fütterungssysteme war abhängig von der Tageszeit. So war die Auslastung des Troges zu den Fütterungszeiten in der zweiten Tageshälfte höher und ausgeglichener. In der ersten Tageshälfte lag die Auslastung im Durchschnitt aller 15 Beobachtungswerte über 24 Stunden bei 34 % am Ferkelfeeder-Doppellängstrog und bei 73 % (7 Fütterungsblöcke) bzw. bei 89 % (3 Fütterungsblöcke) am Ferkelfeeder-Doppelkurztrog. In der zweiten Tageshälfte betrug die Frequentierung des Ferkelfeeder-Doppellängstrogs 41 %, die des Ferkelfeeder-Doppelkurztrogs 79 % bzw. bei 92 %. Auch in der Nacht war der Trog gut ausgelastet (37 % am Ferkelfeeder-Doppellängstrog, 68 % bzw. 77 % am Ferkelfeeder-Doppelkurztrog), d.h. in diesen Frequenzen standen Ferkel am Futtertrog.


Fazit: Das entwickelte Fütterungssystem Ferkelfeeder kann vor allem in der Doppellängstrogvariante dazu beitragen, von Beginn an gute Leistungen in der Ferkelaufzucht zu erzielen. Durch das Absetzen bedingte Probleme, wie der Leistungsrückgang, werden durch das Angebot vieler kleiner Futtervorlagen über den Tag verteilt mit allmählicher Steigerung der Futtermenge bis zu ad libitum-Fütterung, reduziert. Durchfallproblemen wird vorgebeugt und eine weitgehend regelmäßige Futteraufnahme gefördert.