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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-48660
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4866/


Untersuchungen zur Auswahl von Frontzahngarnituren mittels des BlueLine FormSelector™ im Rahmen der Totalprothetik

Dilmac, Musa


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Frontzahngarnituren
Freie Schlagwörter (Englisch): artificial teeth
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für zahnärztliche Prothetik
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.08.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 13.09.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Das Bestimmen von Zahnform –größe und –farbe bei zahnlosen Patienten, gerade wenn bestimmte Hinweise wie Fotos, Gipsmodelle oder restierende Frontzähne fehlen ist stets ein schwieriges Problem für jeden Behandler, da jede Information, wie der Patient im vollbezahnten Zustand ausgesehen hat verloren geht. Die Auswahl der künstlichen Zähne ist ein wichtiges ästhetisches Kriterium und entscheidend für Erfolg oder Misserfolg bei der Inkorporation der Prothese.

Die in der Literatur angegebenen und im Literaturteil kurz beschriebenen nach gesichtsmorphologischen Bezugspunkten aufgestellten Prinzipien für die Auswahl der künstlichen Frontzahngarnituren, werden aus verschiedenen Gründen im klinischen Praxisalltag unbeachtet bzw. die Auswahl der Frontzähne dem Techniker überlassen, weil diese Fülle an Möglichkeiten und Verfahren zu diesem Thema in der Literatur nicht nur konträr diskutiert werden, sondern auch keine Methode sich durchgesetzt hat.

Seitens der Dentalindustrie werden Systeme angeboten, die eine instrumentelle Bestimmung einer adäquaten Frontzahngarnitur am zahnlosen Patienten erlauben sollen; zu denen aber bis dato keine klinische Studie vorlag.

Der BlueLine™ Form Selector von der Firma ivoclar vivadent technicals®, stellt ein einfaches und von jedermann zu bedienendes System zur instrumentellen Evaluierung der richtigen Frontzahngarnitur, dar. In der Hauptrolle beinhaltet es einen stark vereinfachter Tastzirkel, mit dessen Hilfe die breiteste Stelle der Nase abgetastet wird um so auf die entsprechend passenden Frontzahngarnituren verwiesen wird. Die vorgegebenen 24 verschiedenen Frontzahngarnituren sowie die Umrissform des oberen mittleren Schneidezahns sind auf insgesamt sechs Formenkarten im Verhältnis 1:1 abgelichtet. Das komplette System ist mittels einer auf und zu verschraubenden Öse in Fächerform angeordnet. Es hat wahrscheinlich ökonomische Gründe wieso grade nur diese 24 verschiedenen Garnituren angegeben sind.
Ziel dieser Studie war es, die klinische Anwendbarkeit des BlueLine™ FormSelector™ zu überprüfen und herauszufinden, inwieweit die instrumentelle Auswahl einer künstlichen Frontzahngarnitur bezüglich der vom System vorgegebenen Zahnwerte von den Zahnwerten an 100 natürlich bezahnten Probanden wiedergegeben werden und ob die Nasenbasis als Indikator für solch konzipierte Systeme dienlich sein kann.

Das FacialMeter wurde entsprechend der Gebrauchsanweisung bei jedem Probanden an die breiteste Stelle der Nasenbasis angelegt, um einen automatischen Verweis auf die entsprechend passenden Frontzahngarnituren zu erhalten.

Anschließend wurde eine künstliche Garnitur in Anlehnung an die Williamsche Klassifikation ausgesucht, bei der die umgekehrte Umrissform des oberen mittleren Schneidezahns der abgelichteten Garnitur auf der entsprechenden Formenkarte am besten die Gesichtsform des Probanden wiedergibt. Anschließend wurde vom Probanden ein Oberkiefer Abdruck genommen und ein Gipsmodell hergestellt, zuvor jedoch wurde die Nasenbasis des Probanden in Millimetern ermittelt.

Um zu überprüfen inwieweit die Auswahl der künstlichen Frontzahngarnitur, bezüglich der angegebene Werte des oberen mittleren Schneidezahns sowie der vorgegebenen Garniturbreite mit den tatsächlichen Werten übereinstimmen, wurden die Messergebnisse gegenübergestellt und die Abweichungen ermittelt. Da die Auswahl der Garnitur stark vom subjektiven Gefühlssinn des Untersuchers abhängig war, wurden bei der Ermittlung der Abweichungen alle übrigen in Frage kommenden Garnituren berücksichtigt. Sämtliche ermittelten Werte wurden nach dem Geschlecht, der Breite der tatsächlich ermittelten Nasenbasis und der vom FormSelector™ vorgenommenen Gruppierung aufgeteilt und einer statistischen Analyse zugeführt. Die Ergebnisse wurden mit den entsprechenden Literaturangaben verglichen.

Mittels der Analyse des FormSelectors konnte eindeutig dargestellt werden, dass bei der Konzeption des Systems erhebliche Fehler begangen wurden. Bei der Planung des Systems wurden viele Hinweise aus der Literatur nicht beachtet.

Aus den empirisch gewonnen Ergebnissen ist ersichtlich, dass die Zahnwerte der mit Hilfe des FormSelectors ausgesuchten Frontzahngarnitur mit der natürlichen Zahngröße am Probanden nicht korrelieren (s. hierzu Abb. 32 im Ergebnisteil). In den meisten Fällen (83%) wurden kleinere Werte ausgewählt als tatsächlich vorhanden.

Die Vorstellung, dass mittels solch einfacher Systeme die tatsächliche Zahngröße bei zahnlosen Patienten eruiert werden kann, wäre wünschenswert ist aber nicht haltbar.

Abschließend bleibt anzumerken, dass kein Beweis dafür angetreten werden konnte, das die Nasenbasis für solch konzipierte Systeme nicht dienlich sein kann. Da aber die Ergebnisse dieser Untersuchung nur von einem einzigen Untersucher erhoben wurden und bei der Konzeption des FormSelectors enorme Fehler begangen wurden, können sie nicht den Anspruch erheben die Situation völlig zu klären. Eine zweite Untersuchung eines neu entwickelten FormSelectors, was eine Überprüfung und Beachtung dieser Studie seitens der Dentalfirma ivoclar vivadent bedeuten würde, könnte dies unmissverständlich klarlegen und damit die Frage zu klären, ob die Nasenbasis für solch konzipierte Systeme dienlich sein kann.

Das analysierte instrumentelle System der Firma ivoclar vivadent stellt zwar eine Alternative dar ist aber fehlerhaft. Gleichwohl können solche Systeme die Auswahl künstlicher Frontzahngarnituren nicht nur erleichtern, sondern veranlassen den Zahnarzt mit dem Patienten zusammen eine adäquate Frontzahngarnitur auszusuchen.
Kurzfassung auf Englisch: The determination of tooth form, size and color for toothless patients, particularly when specific information such as photos, rubber models or remaining front teeth is always a difficult problem for any dentist, as all information regarding the patient’s appearance with all teeth has been lost. The selection of artificial teeth is an important aesthetic criteria and decisive for the success or failure of the incorporation of the prosthesis.

The principles given for the selection of the artificial set of front teeth in the literature and briefly described in the literature section as per face morphology reference points are not regarded in clinical everyday practice for several reasons and/or the selection of the front teeth is left to the technician because the abundance of possibilities and processes regarding this topic are not only contrarily discussed in the literature, but also because no methods have been implemented.

On the part of the dental industry, systems are offered which should allow an instrumental determination of an adequate set of front teeth for toothless patients; but none of these have been subjected to a clinical study at this time.

The BlueLine™ Form Selector from the company ivoclar vivadent technicals® presents a simple and easily operable system for the instrumental evaluation of the proper set of front teeth. It primarily consists of a strongly simplified caliper with whose help the widest area of the nose can gauged and referred to for a correspondingly suitable set of front teeth. The 24 different sets of front teeth given, as well as the outline shape of the middle incisor are copied onto a total of six shape charts in 1:1 proportion. The complete system is arranged into subject form using a screwable and unscrewable eyelet. There are probably economic reasons to explain who only these 24 different sets are given.

The goal of this study was to inspect the clinical applicability of the BlueLine™ Form Selector™ and to determine the extent to which the instrumental selection of a set of artificial front teeth is reported in reference to a tooth value given by the system from the tooth values of 100 natural subjects with teeth and whether the nose base can serve as an indicator for a system conceived of in this manner.

The Facial Meter was placed on each subject at the widest area of the nose base as per the usage instructions in order to receive an automatic reference the correspondingly most suitable set of front teeth.

Subsequently, an artificial set was sought following the William’s classification in which the reverse outline of the upper middle incisor of the copied set on the corresponding shape chart best matched the facial shape of the subject. Finally, a print of the upper jaw of the subjects was made and a rubber model was created; prior to this, the nose base of the subjects was determined in millimeters.

In order to determine the extent to which the selection of the artificial set of front teeth corresponds with the given values of the upper middle incisor as well as range of sets given with the actual values, the measured results were compared and the deviations were determined. As the selection of the sets was strongly dependent on the subjective sentiments of the examiner, the variations of all other sets in question were considered during the determination. All of the values determined were divided according to gender, width of the nose base actually determined and the grouping made by the Form Selector™ and a statistical analysis was conducted. The results were compared with the corresponding information in the literature.

Using the analysis of the Form Selector, it could be clearly demonstrated that significant errors were committed during the conception of the system. While planning the system, numerous indications from the literature were not heeded.

From the empirically acquired results it is obvious that the tooth values of the sets of front teeth chosen with the help of the Form Selector do not correlate with the natural tooth sizes of the subjects (see illustration 32 in the results section). In most cases (83%), smaller values were selected than those actually existing.

The idea that the actual tooth size of toothless patients could be determined using such a simple system is desirable but not supportable.

Finally, it must be remarked that no proof could be offered that the nose base could not be useful for a system conceived of in such a manner. But, as the results of the examination were compiled by only a single examiner and enormous errors were made during the conception of the Form Selector, this could not meet the demand of completely clarifying the situation. A second examination of a newly developed Form Selector which would mean an examination and observance of this study on the part of the dental company ivoclar vivadent could unmistakably clarify this and thus also clarify the question of whether the nose base can be useful for systems conceived of on this basis.

The instrumental system created by the ivoclar vivadent company does present an alternative but it is flawed. All the same, such systems could not only make the selection of sets of artificial front teeth easier, they could also allow the dentist to select an adequate set of front teeth together with the patients.