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Staatsangehörigkeit, nationale Identität und Fremdenfeindlichkeit : Deutschland, Frankreich und Großbritannien im empirischen Vergleich

Citizenship, national identity and xenophobia : An empirical compariaon of Germany, France and Great Britain

Keil, Silvia


pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.054 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Staatsangehörigkeit , nationale Identität , Fremdenfeindlichkeit , Deutschland , Frankreich
Freie Schlagwörter (Englisch): citizenship , national identity , xenophobia , Germany , Great Britain
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Politikwissenschaften
Fachgebiet: Politikwissenschaft
DDC-Sachgruppe: Politik
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.07.2007
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 22.08.2007
Kurzfassung auf Deutsch: In jeder westlichen Demokratie gibt es Bevölkerungsgruppen, die fremdenfeindliche Einstellungsmuster aufweisen. Diese Einstellungsmuster basieren auf Ideologien der Ungleichheit und widersprechen daher dem demokratischen Gleichheitsprinzip und gefährden den sozialen Frieden. Sozialpsychologische wie soziologische Theorieansätze zur Erklärung fremdenfeindlicher Einstellungen richten den Fokus zumeist auf das Individuum und vernachlässigen gesamtgesellschaftliche wie politische Entwicklungen sowie die politischen Rahmenbedingungen, die das Zusammenleben zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen regeln. Das Bedürfnis des Individuums, nach einem positiven Selbstkonzept sowie nach Orientierung im Zeitalter der Globalisierung wird als Ausgangspunkt für die Ethnisierung gesellschaftlicher Konflikte um Anerkennung und Ressourcen betrachtet. In diesen Erklärungsansätzen vernachlässigt wird der Einfluss politischer und institutioneller Rahmenbedingungen. Der Konzeption des demokratischen Nationalstaates inhärent ist jedoch die juristische wie politische Unterscheidung zwischen Bürgern und Ausländern. In dieser Unterscheidung wird dem Staatsvolk eine positive kollektive Identität als Träger demokratischer Herrschaft zugeschrieben. Sind die juristischen Regelungen der nationalen Zugehörigkeit, wie in der Bundesrepublik Deutschland, ethnisch konnotiert, dann spielen ethnische Merkmale auch für die gesellschaftliche Definition von sog. Fremdgruppen eine zentrale Rolle. Eine zentrale Grundannahme meines Dissertationsprojektes ist, dass es einen spezifischen Zusammenhang zwischen der staatlich-institutionellen Definition und der politischen Konstruktion nationaler Identität gibt und dass sich dies auch in den Einstellungsmustern der Bevölkerung widerspiegelt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde bis zur Staatsangehörigkeitsrechtsreform 2000 Ausländern aus einem anderen Kulturkreis die deutsche Staatsangehörigkeit generationenübergreifend nur erschwert gewährt. Mit der Staatsangehörigkeit verbunden sind Rechte und Pflichten. Kennzeichnend für Deutschland ist, dass ethnische Minderheiten in der Regel Ausländer sind und nicht über zentrale politische Partizipationsmöglichkeiten wie das passive und aktive Wahlrecht auf Landes- und Bundesebene verfügen. So sind sie keine gleichwertigen Mitglieder im Diskurs über nationale Identität. Ethnische Merkmale für die Definition von Gruppenzugehörigkeiten spielen so eine bedeutende Rolle. Gesellschaftliche Konflikte um materielle Ressourcen werden so verstärkt als Konflikte zwischen ethnischen Gruppen interpretiert. Die Entstehung fremdenfeindlicher Einstellungsmuster ist damit nicht unabhängig von der politischen und juristisch-institutionellen Definition des Staatsvolkes. Ziel des Dissertationsprojektes ist es, die Verbindung zwischen institutionellen und politischen Rahmenbedingungen einerseits und der Ebene der individuellen Einstellungen andererseits herzustellen. Des Weiteren gilt es, den Einfluss der juristisch-institutionellen und politischen Bedingungen für die Entstehung fremdenfeindlicher Einstellungen offen zu legen. Der interkulturelle Vergleich dieser Bedingungen unter Einbeziehung Frankreichs und Großbritanniens soll die Zusammenhänge genauer klären. Die Entstehung fremdenfeindlicher Einstellungsmuster in der Bevölkerung - so die These - ist nicht unabhängig von der politischen Konstruktion sowie der staatlich-institutionellen Definition nationaler Identität. So gerät der demokratische Nationalstaat in die Pflicht, institutionelle Rahmenbedingungen zu überdenken, um der Entstehung fremdenfeindlicher Einstellungsmuster entgegenzuwirken. Das Dissertationsprojekt wird mögliche Perspektiven aufzeigen. Angesichts des fortschreitenden europäischen Integrationsprozesses wird die Frage nach einer möglichen europäischen Identität zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Kampf gegen fremdenfeindliche Einstellungsmuster ist so nicht nur ein nationaler, sondern auch zunehmend ein europäischer.
Kurzfassung auf Englisch: In every western democracy, there are sections of the population showing hostility towards immigrants and ethnic minorities. These attitudes are based upon ideologies of inequality and are contrary to the ideals of the democratic constitution. They also affect the relationship between different ethnic groups in society. Sociological and socio psychological theoretical approaches dealing with xenophobia generally focus on the individual and almost completely ignore the role of constitutional and political conditions. Individual needs for a positive self-concept are regarded as a starting point for social conflicts about ethnic and national recognition and about material resources. However, the conception of the democratic nation state is based upon the political and institutional differentiation between citizens and non-citizens. In this context, a positive collective identity is ascribed to the citizens as bearers of democracy. If the rules and regulations of belonging are linked to ethnicity - as in Germany - then ethnic indications become important for the definition of the out-group. This sense of not belonging is linked to the notion of citizenship. One of the main assumptions of my PhD-project is the fact that there is a specific connection between the institutional definition and political construction of national identity and that this relation is also reflected by attitudes towards immigrants and ethnic minorities in society. Up until the reform of nationality-law in 2000, gaining citizenship was extremely difficult for immigrants with a different cultural background. Even the children and grandchildren of immigrants were mostly excluded from becoming German citizens. Citizenship is connected with the granting of rights and duties. One characteristic of Germany is the fact that members of ethnic minorities are generally non-citizens and, as a result, they do not have the right to vote in central elections. Thus, they are excluded from the political discourse about national identity. Consequently, the ethnic background is essential for defining group identity. Social conflicts about economic resources and national identity tend to be interpreted as conflicts between ethnic groups. The disadvantages of non-citizenship include limited means of fighting against discrimination. The development of hostile attitudes towards foreigners is determined by the political and institutional definition of citizenship. On the one hand, the PhD-project focuses on the connection between the institutional and the political definition of belonging to the nation and, on the other hand, it tries to explain the development of hostile attitudes against foreigners. By including an intercultural approach between Germany, France and Great Britain, I will discuss the role of the institutional and political framework in creating xenophobic attitudes. Democratic nations have the duty to fight against antidemocratic ways of thinking. If the institutional and political definition of national identity influences attitudes against foreigners and ethnic minorities - which I think is the case - then political leaders have to prevent this by changing institutional and political general conditions. Considering the ongoing of the European integration, the struggle against xenophobia is no longer only a national affair, but has developed into an all-European concern.