Es konnte gezeigt werden, daß die Zusammenhänge zwischen Zufriedenheit und deren Voraussetzungen gemäß den Theorien der relativen Deprivation und der sozialen Vergleiche bei schizophrenen Patienten ebenso wie bei der Normalbevölkerung replizierbar sind. Die Theorie der Referenzkognitionen konnte in der Operationalisierung der vorliegenden Arbeit weder auf die Normalbevölkerung noch auf die psychiatrischen Patienten angewendet werden.
Die Ergebnisse stützen die Annahme, daß die hohe Zufriedenheit chronisch schizophrener Patienten eher über Adaptationsprozesse reguliert wird als daß sie eine Folge äußerer Umstände darstellt. Insbesondere scheinen Veränderungen im Aspirationsniveau, der Wahrnehmung von Ungerechtigkeit sowie bei der Durchführung sozialer Vergleiche eine Rolle zu spielen. Zukünftige Untersuchungen zur Zufriedenheit chronisch schizophrener Patienten sowie auf LQ basierte Therapieentscheidungen, wie z.B. Entscheidungen über die Unterbringung solcher Patienten sollten diese Befunde berücksichtigen. "> It could be shown, that the theory of relative deprivation and the theory of social comparisons can be replicated in schizophrenic patients. referent-cognitions-theory could not be replicated in the samples of this study.
The findigs support the assumption, that high sqol in chronic schizophrenic patients is more likely a result of intrapsychic adaptation processes than of objective living conditions. Especially changes in level of aspiration, perceptions of injustice and social comparisons seem to influence satisfaction-ratings. Further investigations on satisfaction of chronic schizophrenic as well as decisions about therapeutic strategies i.e. hospitalization should consider these results. ">
 

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Hohe Zufriedenheit chronisch Schizophrener unter Deprivationsbedingungen : die Rolle von relativer Deprivation, Referenzkognitionen und sozialen Vergleichen

High quality of life in chronic schizophrenic patients : the impact of relative deprivation, referent cognitions and social comparisons

Reber, Tilman


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Lebensqualität , Schizophrenie , relative Deprivation , Referenzkognitionen , soziale Vergleiche
Freie Schlagwörter (Englisch): quality of life , schizophrenia , relative deprivation , referent cognitions , social comparison
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.05.2007
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 15.08.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Lebensqualität (LQ) hat als als Bewertungskriterium psychiatrischer Therapie in den letzten Jahren breite Verwendung erfahren, ihre Validität als Indikator wird jedoch durch Verlaufsstudien in Frage gestellt. Diese finden bei chronisch schizophrenen Patienten eine zunehmende subjektive LQ und Zufriedenheit, je länger sie hospitalisiert sind. Die objektiven Lebensumstände dieser Patienten sind dagegen keinesfalls zufriedenstellend. Die vorliegende Arbeit soll zur Aufklärung dieses kontraintuitiven Verhaltens des Indikators LQ beitragen. Zu diesem Zweck wurden die sozialpsychologischen Theorien zu "Relativer Deprivation", "Referenzkognitionen" und "sozialen Vergleichen" auf psychiatrische Patienten übertragen. Diese Theorien erklären bei Normalprobanden das Phänomen, daß Menschen unter objektiv schlechten Bedingungen zufriedener sein können als Menschen unter objektiv besseren Bedingungen. Die in den Theorien genannten Voraussetzungen für Unzufriedenheit wurden in Anlehnung an die amerikanischen Originalarbeiten operationalisiert, quantifizierbar gemacht und an repräsentativen Stichproben aus der Normalbevölkerung sowie bei schizophrenen Langzeit- und Akutpatienten gleichzeitig mit subjektiver LQ gemessen.

Es konnte gezeigt werden, daß die Zusammenhänge zwischen Zufriedenheit und deren Voraussetzungen gemäß den Theorien der relativen Deprivation und der sozialen Vergleiche bei schizophrenen Patienten ebenso wie bei der Normalbevölkerung replizierbar sind. Die Theorie der Referenzkognitionen konnte in der Operationalisierung der vorliegenden Arbeit weder auf die Normalbevölkerung noch auf die psychiatrischen Patienten angewendet werden.

Die Ergebnisse stützen die Annahme, daß die hohe Zufriedenheit chronisch schizophrener Patienten eher über Adaptationsprozesse reguliert wird als daß sie eine Folge äußerer Umstände darstellt. Insbesondere scheinen Veränderungen im Aspirationsniveau, der Wahrnehmung von Ungerechtigkeit sowie bei der Durchführung sozialer Vergleiche eine Rolle zu spielen. Zukünftige Untersuchungen zur Zufriedenheit chronisch schizophrener Patienten sowie auf LQ basierte Therapieentscheidungen, wie z.B. Entscheidungen über die Unterbringung solcher Patienten sollten diese Befunde berücksichtigen.
Kurzfassung auf Englisch: Subjective quality of life (sqol) has found broadly based use in evaluation of psychiatric therapy. It's validity is questioned by results of longitudinal studies, which found in chronic schizophrenic patients rising satisfaction and sqol with ongoing hospitalization although the objective living conditions of this patients are bad. The present studie trys to enlighten on these contraintuitive results concerning sqol. Therefore social psychological theories on "relative deprivation", "referent cognitions" and "social comparisons" are applied to psychiatric patients. These theories explain the phenomenon of people living under bad circumstances being more satisfied than people living under good conditions. The preconditions of dissatisfaction according to the different theories are operationalized and quantified following the angloamerican original literature and measured together with sqol in representative samples of schizophrenic patients and healthy controls.

It could be shown, that the theory of relative deprivation and the theory of social comparisons can be replicated in schizophrenic patients. referent-cognitions-theory could not be replicated in the samples of this study.

The findigs support the assumption, that high sqol in chronic schizophrenic patients is more likely a result of intrapsychic adaptation processes than of objective living conditions. Especially changes in level of aspiration, perceptions of injustice and social comparisons seem to influence satisfaction-ratings. Further investigations on satisfaction of chronic schizophrenic as well as decisions about therapeutic strategies i.e. hospitalization should consider these results.