Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-48083
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4808/


Die Messung approximaler parodontaler Taschen mittels einer neu entwickelten Sonde

Measurement of approximal periodontal pockets with a new created probe

Kauer, Martin


pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.532 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Freie Schlagwörter (Deutsch): Messfehler , Parodontale Taschentiefenmessung , Sondierungstiefe , Sondenmarkierung , Messgenauigkeit
Freie Schlagwörter (Englisch): measurement error , periodontal probing , pocket depth , probe graduation , measurement accuracy
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde; ehemalige Abteilung für experimentelle Zahnheilkunde und Oralbiologie
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 02.07.2007
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 13.08.2007
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Studie stellte sich die Frage, wie Messfehler beim Sondieren approximaler Zahnflächen mit der orthograd markierten PAR-Messsonde (WHO) vermieden werden können. Hierfür wurde eine neue Sonde entwickelt, welche ein herkömmliches Funktionsende besitzt (Mod. WHO-Markierung), mit dem alle orthograd zugänglichen Taschen (vestibulär, lingual) wie gewohnt sondiert werden können. Das neu entwickelte Funktionsende der PAR-Mess-Sonde P-WHO-GI/30 von KKD (Deutsches Patentamt G 91 11 044.0) hat einen um 30° zur Sondenachse abgeknickten Sondenteil mit entsprechender obliquer (schräger) Skalierung. Ein definiertes Einführen der Sonde in approximale Taschen im Winkel von 30° wird durch den Sondenteil vor der 30° Knickung ermöglicht, der parallel zur Zahnachse gehalten wird. So sollte bei gewohntem Sondenhandling die Messgenauigkeit erhöht werden.

1. Um die Reproduzierbarkeit der Messergebnisse mit dem neu gestalteten Funktionsende der obliquen Sonde (GI/30) zu überprüfen, wurden jeweils 302 approximale Sondierungstiefen in zwei unabhängigen Sitzungen im Abstand von durchschnittlich 21 Tagen gemessen.

Hierbei ergab sich in 53,6 % der Fälle keine Abweichung zwischen beiden Messungen und in 40,4 % aller Messungen fand sich eine 1 mm Abweichung, welche am häufigsten bei Sondierungstiefenmessungen an Molaren (49,1%) festzustellen war. Die Messergebnisse zeigten einerseits eine gute Reproduzierbarkeit der Sondierungen mit der GI/30-Sonde und andererseits die Problematik des Schräghaltens der Sonde an approximalen Zahnflächen im Seitenzahnbereich. Hier war auch mit der neuen Sonde die Abweichung zwischen wiederholten Messungen statistisch signifikant höher als bei Schneidezähnen.

Eine größere Abweichung fand sich auch zwischen zwei Messungen für Zähne mit Lücken und endständigen Zähnen als für Zähne bei Nachbarzähnen (± 0,60 mm gegenüber ± 0,51 mm). Folglich zeigte die GI/30-Sonde für Tiefenmessungen, die wegen Zahnlücken und endständiger Zähne auch mit der herkömmlichen Sonde ungehindert durchgeführt werden konnten, keine Vorteile.

2. Für den Vergleich approximaler Sondierungstiefenmessungen mit der herkömmlichen orthograden und der neuen GI/30-Sonde wurden insgesamt 1548 approximale Sondierungstiefen an 44 Patienten mit der Diagnose Parodontitis mit beiden Sonden gemessen.

Die mit der orthograden Sonde gemessenen Sondierungstiefen waren im Mittel um 0,68 mm größer als die mit der obliquen Sonde durchschnitt¬lich gemessenen Tiefen, wobei sich für Schneide- und Eckzähne eine höhere mittlere Abweichung ergab, als für Molaren und Prämolaren.

Bei der Messung approximaler Sondierungstiefen an Zähnen mit Lücken und endständigen Zähnen betrug die mittlere Abweichung zwischen der Messung mit orthograder und obliquer Sonde +0,52 mm; bei Zähnen mit Nachbarzähnen waren es +0,73 mm. In 48,7 % aller Sondierungen an Zähnen mit Lücken und an endständigen Zähnen, jedoch nur in 32,2 % aller Fälle an Zähnen mit Nachbarzähnen, wurde keine Abweichung zwischen orthograder und obliquer Sonde beobachtet.

Beim Vergleich der Messrichtungen betrug die mittlere Abweichung zwischen der orthograden und der obliquen Messung von approximalen Sondierungstiefen an Schneidezähnen +0,63 mm bei der Messung von vestibulär nach lingual, dagegen +0,88 mm bei der Messung von lingual nach vestibulär. Dagegen waren keine statistisch signifikanten Unterschiede beim Vergleich der Messrichtungen im Seitenzahngebiet feststellbar.

Eine absolute Richtigkeit der obliquen Messung vorausgesetzt, war der Messfehler der orthograden Sondierung, der sich in dem Winkel alpha widerspiegelte, den man aufgrund der anatomischen Verhältnisse zur Messung anwendete, an Zähnen mit Lücken und endständigen Zähnen mit 41,9° und an Schneidezähnen mit 38,5° am größten und bei den Molaren mit 35,4° am kleinsten. Diese Befunde entsprachen nicht den Erwartungen.

Insgesamt gesehen zeigen die vorliegenden Untersuchungen, dass Sondierungs-messungen mit der neuen GI/30-Sonde ebenso gut reproduzierbar sind wie mit konventionellen Sonden. Die Messgenauigkeit dieser Methode hängt wie auch bei anderen Sonden von der Zahnstellung und –morphologie ab.

Da die Zugänglichkeit zum Approximalraum im Frontzahngebiet weniger eingeschränkt ist und die Sondierung an Zähnen bei Lücken und Endständigkeit mit neuer und herkömmlicher Sonde gleich schwierig ist, können diese Zahngruppen weiter wie bisher mit der orthograd markierten Sonde gemessen werden.
Kurzfassung auf Englisch: In the present study a crucial question arised, how measurement errors of probing approximal areas with the orthograde marked PAR-probe (WHO) can be prevented. Therefore, a new probe was developed. This new probe has a conventional functional end (mod. WHO-marking) for usual probing of all orthograde accessible pockets (vestibular and lingual). The newly developed functional end of the PAR-probe P-WHO-GI/30 of KKD (German patent office G91 11 044,0) has one part of the probe bent off by 30° with regard to the probe axis with corresponding oblique graduation. A defined insertion of the probe into approximal pockets at an angle of 30° is possible due to the part of the probe in front of the bent one, that is held parallelly to tooth axis. Thus the precision of measurement should be increased in case of usual probe handling.


1. In order to test the measurements with the newly shaped functional end of the oblique probe (GI/30), an intrapersonal calibration was performed. Each time 302 approximal probing depths were detected in two independent meetings with an interval of average 21 days.

In 53.6% of cases this resulted in no variation between both measurements, and in 40.4% of all measurements there was a 1 mm variation. That was found most frequently during probing depth measurements at molars (49.1%). These results demonstrated a good reproducibility of probing depth measurements by means of the GI/30 probe and moreover problems due to oblique position of the probe at approximal sites of lateral teeth. Mean variation between repeated measurements at molars was significantly greater than at incisors.

The difference between recordings for teeth with gaps and terminal teeth was found to be greater than for neighbouring teeth (± 0.60 mm versus ± 0.51 mm). Consequently, GI/30 probe offered no advantages regarding to those depth measurements that could be performed unhindered too using conventional probe because of gaps and terminal teeth.

2. In order to compare approximal probing depth measurements using conventional orthograde and new GI/30 probe a total of 1548 approximal probing depths were detected using both probes and 44 patients with chronic periodontitis.

The mean probing depths measured by the orthograde probe were by 0.68 mm greater than the corresponding depth values measured by the oblique probe. In this case the mean variation at incisors and canine teeth was greater than at molars and premolars.

Recordings of approximal probe depths at teeth with gaps and terminal teeth resulted in mean difference between orthograde and oblique probe of + 0.52 mm, whereas this difference amounted to + 0.73 mm at teeth with neighbouring teeth. No difference between orthograde and oblique probe were observed in 48.7% of all measurements at teeth with gaps and terminal teeth, however only in 32.2% of cases at teeth with neighbouring teeth.

If measurement direction of approximal probing depths was compared, mean variation between orthograde and oblique measurement amounted to + 0.63 mm at incisors measured from vestibular towards lingual, however + 0.88 mm measured from lingual towards vestibular. No significant differences were found when comparing recordings at premolars towards molars if measured from vestibular towards lingual and lingual towards vestibular.

On condition that oblique measurement was absolutely correct, probing error of orthograde method reflected by angle alpha that was used for measurements because of topography, was greatest at teeth with gaps and terminal teeth and at incisors (41.9° resp. 38.5°) and lowest at molars (35.4°). These results were unexpected.
Altogether these studies demonstrate that reproducibility of probing depth measurements using new GI/30 probe is comparable to that of recordings using conventional manual probes. The accuracy of measurement using the new GI/30 probe depends on tooth position and morphology similar to other probes.

Since the accessibility to approximal sites at anterior teeth is less limited and probing at teeth with gaps and terminal teeth is equally difficult using new or conventional probes, these tooth groups can be detected as usual by means of orthograde marked probe.