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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-47539
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4753/


Einfluss verschiedener Beschäftigungsobjekte auf das Verhalten von Afrikanischen Grünen Meerkatzen (Chlorocebus aethiops) in einer Labortierhaltung

Höhle, Katrin Ulrike


Originalveröffentlichung: (2007) Giessen : VVB Laufersweiler 2007
pdf-Format: Dokument 1.pdf (10.343 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Veterinär-Physiologie, Fachgebiet Tierschutz und Ethologie; Paul-Ehrlich-Institut
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5176-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.06.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 12.07.2007
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurden ein Fernseher, ein Puzzle-FeederÔ und Prima Hedrons (kubische Kletterstrukturen) auf ihre Wirksamkeit als Beschäftigungsobjekte und ihre Auswirkungen auf verschiedene Verhaltensweisen bei Afrikanischen Grünen Meerkatzen in einer Labortierhaltung getestet.

Ziel der Arbeit war es zum einen den gesetzlichen Rahmenbedingungen im Sinne des Tierschutzgesetzes gerecht zu werden. Zum anderen sollte sie einen Beitrag zur physischen und psychischen Gesunderhaltung von Afrikanischen Grünen Meerkatzen leisten, die insbesondere in Labortierhaltungen unter großen Einschränkungen leben.


Durchgeführt wurde die Untersuchung an zwei Gruppen Afrikanischer Grüner Meerkatzen mit jeweils 6 Tieren, die beide eine Familienstruktur aufwiesen. In beiden Gruppen befanden sich je ein adultes Männchen, zwei adulte Weibchen und je drei juvenile Tiere beider Geschlechter. Die Herkunft und Vorgeschichte der Tiere war unterschiedlich und deren Einfluss auf die Ergebnisse nicht feststellbar. Gruppe 1 war in einem Raum mit einem Einzelkäfig untergebracht, Gruppe 2 in einem Teil einer Dreierkombination des gleichen Käfigtyps mit einer Nachbargruppe. Sowohl der Einzelkäfig, als auch der Teil der Dreierkombination waren 1,25 m breit, 3,00 m lang und 2,25 m hoch.


In allen Untersuchungsabschnitten wurden die Verhaltensweisen aller sechs Tiere einer Gruppe in einer Minute einmal erfasst, sechzig mal pro Stunde.
Vor der eigentlichen Objektuntersuchung wurde eine Erhebung, der im Paul-Ehrlich-Institut vorhandenen Verhaltensweisen in Hinblick auf Häufigkeit (Timebudget) und Verteilung (Aktivitätsprofil) über die Tagesstunden vorgenommen. Für diese Untersuchung wurden die Stunden zwischen 6°° Uhr und 18°° Uhr jeweils dreimal erfasst, so dass die Daten aus insgesamt 36 Stunden für die Auswertung zur Verfügung standen.

Die Objektuntersuchungen wurden bei beiden Gruppen in zwei Untersuchungsblöcken (I und II) von jeweils acht Wochen durchgeführt, die jeweils eine Kontrollwoche zu Beginn und am Ende des Blockes enthielten. Zwischen den Kontrollwochen wurden den Tieren für jeweils zwei Wochen nacheinander die Objekte zur Verfügung gestellt. Die Beobachtungen wurden von Montag bis Freitag zwischen 10°° Uhr und 12°° Uhr durchgeführt. Im Untersuchungsblock I wurden den Tieren die Objekte täglich (Montag bis Freitag), im zweiten Untersuchungsblock dreimal wöchentlich (Montag, Mittwoch und Freitag) angeboten.

Für die Auswertung wurden für jedes Tier einer Gruppe die Stundenmediane der verschiedenen Verhaltenskategorien errechnet und diese zur Errechnung des jeweiligen Gruppenmedians herangezogen. Die Verhaltensmediane der verschiedenen Untersuchungsabschnitte innerhalb eines Blockes wurden mit Hilfe des Friedman-Test auf Unterschiede getestet und bei signifikantem Ergebnis (p < 0,05) mit dem Wilcoxon-Rangsummentest mit a-Adjustierung nach Bonferroni-Holm weiter getestet.


Im Vergleich mit der Literatur unterscheidet sich das Timebudget der Afrikanischen Grünen Meerkatzen im Paul-Ehrlich-Institut nur wenig von dem ihrer frei lebenden Artgenossen, bei denen das Orientierungsverhalten offenbar häufiger zu beobachten ist. Gruppe 1 verbrachte etwas mehr Zeit mit Ruheverhalten.

Die Aktivitätsprofile waren beim Ruheverhalten offenbar ähnlich denen der Natur, während die meisten anderen Verhaltensweisen offenbar stark vom Tagesablauf der Tiere im Paul-Ehrlich-Institut beeinflusst waren.
Bei beiden adulten Männchen waren abnorme Verhaltensweisen zu beobachten. Das adulte Männchen in Gruppe 1 zeigte eine recht häufige stereotype Laufbewegung, während bei dem adulten Männchen in Gruppe 2 relativ selten eine Zungenbewegung zu beobachten war, deren Sinn nicht ersichtlich war.
Bei den Objektuntersuchungen konnten deutliche Beschäftigungseffekte mit dem Fernseher (Videos mit verschiedenen Naturfilmen) und dem Puzzle-FeederÔ (gefüllt mit Erdnüssen) erzielt werden.

Beim Fernseher waren es vor allem die adulten Weibchen und die juvenilen Tiere, die älter als ein Jahr waren, bei denen eine häufige Beschäftigung feststellbar war. Diese Beschäftigung bezog sich jedoch lediglich auf das Orientierungsverhalten und bot den Tieren keine weitere aktive Betätigungsmöglichkeit. Neben einem gestiegenen Orientierungsverhalten während der Darbietung von Filmen konnten keine eindeutigen Verhaltensveränderungen bei den Tieren festgestellt werden.

Der Puzzle-FeederÔ wurde vor allem von den juvenilen Tieren beider Gruppen genutzt und führte bei diesen zu einem erhöhten Spielverhalten in den Untersuchungswochen mit dem Puzzle-FeederÔ. Andere eindeutige Verhaltensveränderungen waren nicht zu beobachten. Auch Verhaltensveränderungen, die über die Zeit der Objektdarbietung raus gehen, waren nicht feststellbar.
Die Prima Hedrons wurden von den Tieren beider Gruppen zwar als Einrichtungsgegenstand angenommen, waren als Beschäftigungsobjekt für die Tiere jedoch nicht geeignet. Sie waren als großes, aus mehreren Teilen zusammen gebautes Objekt möglicherweise zu unbeweglich.

Die stereotype Bewegung des adulten Männchens aus Gruppe 1 war insbesondere während des Puzzle-FeederÔ-Angebotes häufiger zu beobachten als in den übrigen Wochen. Dem gegenüber war das abnorme Verhalten des adulten Männchens aus Gruppe 2 während der gesamten Beobachtungszeit zu den Objekten nicht zu beobachten.
Kurzfassung auf Englisch: In this study a television set, a puzzle-feederÔ and prima hedrons (cubical climbing structures) were tested in a laboratory environment for their effectiveness as occupational objects and for their influence on the behaviour of vervet monkeys (Cercopithecus aethiops).
The aim of the study was, on the one hand, to satisfy the animal protection law; on the other hand to make a contribution to the physical and psychological well-being of vervet monkeys, which especially in laboratory environment, live under considerable restrictions.


Study animals were two groups of vervet monkeys with six animals per group, both of which have a family structure. Each group consisted of one adult male, two adult females and three juveniles of both sexes. The history and origin of the animals is different from each other. The influence of this on the results of the study cannot be determined. Group 1 was living in a single cage in a room alone. The second group lived in one part of a combination-cage which had three subdivisions and a neighbouring group. The single cage and each part of the combination-cage were 1.25 m wide, 3.00 m long and 2.25 m high.
In all parts of the study the behaviour of each member of one group was recorded once per minute, sixty times per hour.

Prior to the object study, timebudget and activity profiles of the study animals in the Paul-Ehrlich-Institute during daytime were recorded. For this study the hours between 6:00 and 18:00 were sampled three times, so that all together 36 hours were available for analyzing.

The object study for both groups was carried out in two sections of 8 weeks each. Each part started and ended with a week of control. Between these weeks of control the objects were presented to the animals for two consecutive weeks. The observations were conducted from Monday to Friday between 10:00 and 12:00 a.m.. In the first part of the object study, the objects were daily available to the animals (from Monday to Friday), in the second part three days a week (Monday, Wednesday and Friday).

For analysis of the results the medians of frequencies per hour were calculated for each animal. These were then taken for the calculation of the median per group. The results were examined by the Friedman-test and in case of a significance (p < 0,05) were further examined by the Wilcoxon-test with the Bonferroni-Holm correction.


The time budget of the vervet monkeys in the Paul-Ehrlich-Institute was according to the literature almost the same as the time budget of free-ranging vervet monkeys, which seem to watch their environment more intensely. Group 1 spent a little more time resting than described in literature.
The activity profiles during rest periods were similar to those in nature, while otherwise the behaviour of the animals seemed to be more influenced by the daily routine in the Paul-Ehrlich-Institute.

Both adult males showed abnormal behaviour. The adult male of group 1 often showed a stereotypic locomotion, while the adult male of group 2 occasionally exhibited a tongue-movement, without obvious sense.


During the object study with the television (Videotapes with different natural films) and the puzzle-feederÔ (filled with peanuts) an obvious occupational effect could be determinated.

During television-hours especially the adult females and the juveniles older than one year often showed interest in television. This consisted only of alert behaviour and gave the animals no opportunity for further activity. Besides the increased alert behaviour, no obvious behaviour alterations were found.
The puzzle-feederÔ particularly was used by the juveniles in both groups and led to increased play behaviour of the juveniles during the puzzle-feederÔ-weeks. Other obvious behaviour alterations were not observed. Also no residual behaviour alterations were determinated beyond the object offer.

The prima hedrons were used as equipment in the cage, but they were not suitable as occupational objects for the animals. As a big object, built out of several pieces, it might have been too immobile.

The stereotypic locomotion of the adult male in group 1 was particularly observed more often during the puzzle feederÔ-weeks, than during the rest of the study. In contrast to this, the abnormal behaviour of the adult male in group 2 was not seen at all over the whole observation time during weeks of control and phases of object presentation.