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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4716/


Änderung der Aktivität und der Lebensqualität nach Implantation eines bikondylären Oberflächenersatzes bei Gonarthrose

Rößner, Anett


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Waldkrankenhaus Bad Düben, Fachkrankenhaus für Orthopädie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.03.2007
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 18.06.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Entscheidende Fortschritte in Bezug auf die operative Behandlung der Gonarthrose konnten in den vergangenen 15 Jahren erzielt werden. Die mittelfristigen Erfolge der modernen Knieendoprothetik mit Hilfe des bikondylären Oberflächenersatzes sind mittlerweile in zahlreichen Untersuchungen belegt worden.

In der vorliegenden Arbeit sollte darüber hinaus geklärt werden, inwieweit eine Änderung des Aktivitätsniveaus nach Implantation einer Knietotalendoprothese stattfindet und welche Möglichkeiten der sportlichen Betätigungen nach der Operation bestehen. Zu diesem Zweck wurden 94 Patienten, welche in den Jahren 1996-1999 im Waldkrankenhaus Bad Düben, Fachkrankenhaus für Orthopädie, mit einer bikondylären Oberflächen-Knietotalendoprothese Typ Foundation® versorgt wurden, im Mittel 31 Monate postoperativ evaluiert. Dabei konnten 75 Patienten (80 %) mit 100 Prothesen (77 %) klinisch und röntgenologisch nachuntersucht werden. Von 19 Patienten erhielten wir keine Follow up-Information (9 Patienten lehnten eine Nachuntersuchung ab, 4 Patienten verstarben, 6 Patienten konnten nicht erreicht werden). Bei 12 Patienten (12 %) waren Spätkomplikationen aufgetreten, die in allen Fällen eine Reoperation außerhalb des Untersuchungszeitraums erforderlich machten.


Subjektiv wurde bei 80 Knietotalendoprothesen (80 %) das Ergebnis als „sehr gut“ oder „gut“, bei weiteren 9 Prothesen (9 %) als „befriedigend“ bewertet. Als „mangelhaft“ wurde das Ergebnis 10-mal (10 %) und als „schlecht“ einmal (1 %) eingeschätzt. Auch konnten für den WOMAC-Score mit Mittelwerten von 4 Punkte (Teil Schmerz), 2 Punkte (Teil Steifigkeit), 13 Punkte (Teil Funktion) und einem Gesamtwert von 19 Punkten gute bis sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Signifikante Unterschiede bestehen dabei sowohl in Hinsicht auf die Schmerzempfindung der leicht adipösen (stärkere Schmerzen) zu normalgewichtigen Patienten als auch in Bezug auf die Funktion im Alltag der Patienten mit ursprünglich primärer Gonarthrose (bessere Funktion) gegenüber den anderen Patienten.


Subjektiv-objektive Betrachtungen zum Nachuntersuchungszeitpunkt ergaben im Knee-Society-Score für den Teilbereich „Schmerzen“ 74 ± 16 Punkte und in Beurteilung der „Funktion“ 72 ± 16 Punkte. Außer in Bezug auf die absolute Gehleistung konnten für adipöse Patienten (BMI > 30 kg/m²) keine schlechteren Ergebnisse gegenüber den Normalgewichtigen (BMI < 30 kg/m²) erhoben werden. Ein besseres Ergebnis wurde nach Implantation einer Kniegelenktotalendoprothese bei vorliegender primärer Arthrose erzielt.


Verlaufsbeurteilungen erreichen im Rahmen des KOOS (letzter Monat) im Mittel 76 Punkte beziehungsweise des SF-36 (letzte Woche) 63 Punkte und unterscheiden sich somit nur geringfügig von den anderen erhobenen Daten. Dass die Zufriedenheit erheblich von der körperlichen Aktivität, der Lebensqualität, der körperlichen Funktionsbeeinträchtigung, der sozialen Integrierung und des allgemeinen Gesundheitszustandes beeinflusst wird, lies sich herausarbeiten.


Aktivitätsänderungen nach Prothesenimplantation können in 64 % der Fälle mit statistischer Signifikanz aufgezeigt werden. Davon findet in 44 Fällen eine Aktivitätssteigerung und 20-mal eine Reduktion des Aktivitätsniveaus statt. Dabei liegt nur in einem Fall postoperativ Inaktivität, bei einem präoperativ bestehenden Aktivitätslevel von „2“, vor. In den anderen Fällen erfahren zumeist sehr aktive Patienten eine Aktivitätsverminderung auf Grund der Meidung koordinativ anspruchsvoller Sportarten und Verringerung der Trainingfrequenz. Ein deutlicher und signifikanter Zusammenhang zwischen dem erreichbaren Aktivitätsniveau und den postoperativ empfundenen Schmerzen, dem allgemeinen Gesundheitszustand sowie der seelischen Verfassung des Patienten und dessen Konstitution besteht. Patienten mit einem BMI < 30 kg/m² (normalgewichtig beziehungsweise Adipositas Grad 1) sind aktiver.


Insgesamt ist somit bei über Dreiviertel der Patienten mit künstlichem Kniegelenksersatz der Eingriff ca. 2,5 Jahre postoperativ als Erfolg zu werten. Etwa jeder zehnte Gelenkersatz erfüllte die Erwartungen nicht. In 50 % konnte postoperativ ein Aktivitätsniveau von „2“ (Spazierengehen auf unebener Strecke möglich) und in 31 % ein Freizeitsportniveau mit Schwimmen und Radfahren erreicht oder beibehalten werden.