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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-46478
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4647/


Gesundheitliche Beschwerden und Erkrankungen von Anwohnern einer Kompostierungsanlage aus umweltmedizinischer Sicht im zeitlichen Verlauf : Untersuchungszeitpunkte: 1997, 1999, 2002

Sehrt, Kerstin


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.030 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Bioaerosole , Geruchsbelästigung , Atemwegsbeschwerden
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Ökologie, Institut für Hygiene und Umweltmedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.03.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 10.05.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, gesundheitlichen Beschwerden und Erkrankungen von Anwohnern einer Kompostierungsanlage über einen zeitlichen Verlauf von fünf Jahren (Untersuchungszeitpunkte: 1997, 1999, 2002) nach Schließung der Anlage im Jahr 1997 unter Einsatz von umweltmedizinischen und psychometrischen Verfahren zu beschreiben.

Dazu wurden in den Jahren 1997 und 2002 alle Anwohner der Wohngebiete Kassel-Niederzwehren und Kassel-Oberzwehren angeschrieben und zur Teilnahme an einer Befragung aufgefordert. Im Jahr 1999 wurde das gleiche Procedere nur bei den bereits an der Untersuchung von 1997 teilgenommenen Personen durchgeführt. Von den Teilnehmern, die sich an allen drei Untersuchungen beteiligten, wurden bei insgesamt 62 Anwohnern des durch eine Kompostierungsanlage exponierten Wohngebietes (Kassel-Niederzwehren) und bei insgesamt 40 in einem äquivalenten nicht exponierten Wohngebiet lebenden Personen (Kassel-Oberzwehren) zu oben genannten Zeitpunkten folgende Erhebungsinstrumente eingesetzt: Der umweltmedizinische Fragebogen zur Beurteilung von mikrobiologischen Immissionen auf die Anwohner von Kompostierungsanlagen sowie die Fragebögen zu psychosomatischen Beschwerden (SOMS-2) und zur Lebensqualität (SF-36-Health-Survey).

Die Auswertung der gesundheitlichen Beschwerden zeigte für den Großteil der erfragten Parameter deutlich höhere Angaben beim exponierten bzw. ehemals exponierten Kollektiv. Ein signifikanter Zusammenhang (p≤0,05) zur Geruchsbelästigung konnte für folgende Beschwerden zu allen drei Befragungszeitpunkten gefunden werden: „Aufwachen durch Hustenanfall“, „Pfeifendes Geräusch im Brustkorb“ und „Kurzatmigkeit nach Anstrengung“ (Umweltmedizinischer Fragebogen) sowie „Kopf-/Gesichtsschmerzen“ (SOMS-2). Zu den Parametern, die im Jahr 2002 noch signifikante Unterschiede (p≤0,05) für die Exposition oder die Geruchsbelästigung aufwiesen, gehören: „Husten beim Aufstehen oder sonst im Lauf des Tages“ und „Sinusitis“ (Umweltmedizinischer Fragebogen), „Schmerzen in Armen/Beinen“, „Völlegefühl“, „Vermehrtes Aufstoßen“, „Außergewöhnliche Müdigkeit bei leichter Anstrengung“ und „Unangenehme Kribbelempfindungen“ (SOMS-2) sowie die „Allgemeine Gesundheitswahrnehmung“ als Teilaspekt der körperlichen und seelischen Lebensqualität (SF-36). Deutlich signifikante Unterschiede (p≤0,05) zwischen den beiden Kollektiven oder für die Geruchsbelästigung in den Jahren 1997 und/oder 1999 zeigten folgende Beschwerden: „Engegefühl im Brustkorb“, „Kurzatmigkeit in Ruhe“, „Erkältung >5mal“, „Akute Bronchitis“, „Appetitmangel“, „Übelkeit/Erbrechen“, „Augenjucken >100mal“, „Augenbrennen >100mal“, „Übermäßigte Müdigkeit >50mal“, „Schüttelfrost“ und „Gelenkbeschwerden >100mal“ (Umweltmedizinischer Fragebogen) sowie „Bauch-/Magenschmerzen“, „Rückenschmerzen“, „Gelenkschmerzen“, „Übelkeit“, „Druckgefühl, Kribbeln, Unruhe im Bauch“, „Speiseunverträglichkeit“ und „Schlechter Geschmack im Mund“ (SOMS-2) als auch die Teilaspekte der gesundheitlichen Lebensqualität „Körperliche Schmerzen“, „Vitalität“ und „Soziale Funktionsfähigkeit“ (SF-36).

Aus den Ergebnissen wird geschlossen, dass die aufgetretenen Beschwerden, die im Verlauf der Zeit abgenommen haben, am ehesten als direkt zusammenhängende, akute Reaktion auf die Exposition durch eine Kompostierungsanlage bzw. Gerüche zu sehen sind. Die Beschwerden, die länger andauerten bzw. im Jahr 2002 immer noch signifikant erhöht (p<0,05) bei den ehemals Exponierten bzw. Geruchsbelästigten waren, sind am ehesten im Sinne einer chronischen Gesundheitsbeeinträchtigung bzw. Langzeitfolge der Exposition durch eine Kompostierungsanlage bzw. Gerüche zu werten.
Kurzfassung auf Englisch: By the presented study it was intended to describe health complaints and diseases of residents living close to a composting plant over a chronological sequence of five years (time of survey: 1997, 1999, 2002) by using environmental medical and psychometric procedures after closing down the composting plant in 1997.

Therefore the residents of Kassel-Niederzwehren (area next to the composting plant) and Kassel-Oberzwehren (area without exposition), whereof 62 persons of Kassel-Niederzwehren and 40 of Kassel-Oberzwehren participated at all three surveys, were asked to take part a survey containing following instruments: an environmental health questionnaire, a questionnaire on somatoform disorders (SOMS-2) and a questionnaire on health related quality of life (SF-36).
The evaluation of the health complaints showed for most parameters in question higher results for the exposed respectively the formerly exposed collective. Significantly related (p≤0,05) with odour annoyance at all three times of surveying were the following symptoms: “waking up due to coughing”, “wheezing” and “shortness of breath following exertion” (environmental health questionnaire) as well as “headache/facial pain” (SOMS-2). To the parameters, still showing significant correlation (p≤0,05) with the exposition to the composting plant or the odour annoyance in the year 2002, belong: “coughing on rising or during the day” and “sinusitis” (environmental health questionnaire), “pain in arms/legs”, “abdominal fullness”, “extreme fatigue with light exertion”, “increased regurgitation” and “unpleasant prickling sensations” (SOMS-2) as well as the “general health perception” as subscale of the health related quality of life (SF-36). Significant differences (p≤0,05) between both collectives or for the odour annoyance in 1997 and/or 1999 were showed for the following complaints: “chest tightness”, “shortness of breath at rest”, “common cold (>5x/year)”, “bronchitis”, “loss of appetite”, ”nausea/vomiting”, “itching of eyes (>100x/year)”, “burning of eyes (>100x/year)”, “excessive tiredness (>50x/year)”, “shivering” and “joint disorders (>100x/year)” (environmental health questionnaire) as well as “abdominal/stomach pain”, “back pain”, “joint pain”, “nausea”, “feeling of pressure, prickling, disturbance in the abdomen”, “aliment incompatibility” and “bad taste in the mouth” (SOMS-2) as also the subscales of health quality of life “physical pains”, “vitality” and “social efficiency” (SF-36).

It was concluded from the results that the appeared complaints, which decreased in the course of time, are most likely seen as directly correlated, acute reaction of the exposition to the composting plant respectively odours. Health complaints, which persisted over the time or still have been significantly elevated (p≤0,05) in 2002 for the formerly exposed or odour annoyed residents, are valuated to be most likely a chronic health disturbance or alternatively a long-term consequence of the exposition to the composting plant or odours.