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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-44558
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4455/


Untersuchungen zur Endoskopie juveniler Psittaziden unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechtsorgane und ausgewählter biometrischer Befunde

Rühle, Dixie Michaela


Originalveröffentlichung: (2006) Giessen : VVB Laufersweiler 2006
pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.869 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische; Loro Parque Fundación, Loro Parque, Teneriffa
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-8359-5099-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.11.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 07.02.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Die einschlägige Fachliteratur zur Taxonomie und Systematik der Vögel der Ordnung Psittaciformes, zur Inhalationsnarkose und zur Methodik der Geschlechtsbestimmung wurde referiert. Im Zeitraum von September 2004 bis Januar 2005 wurden insgesamt 340 Vögel aus der Ordnung Psittaciformes untersucht. Diese Vögel gehören insgesamt 37 Genera und 4 Tribi an. Bei allen Vögeln handelt es sich um Nachzuchten aus dem Loro Parque, Teneriffa, Spanien. Im genannten Zeitraum waren die Vögel zwischen sieben Wochen und neun Monaten alt. Alle Jungvögel wurden vor der Endoskopie klinisch untersucht. Äußerlich gesund erscheinenden Vögeln wurde je nach Körpergröße und -gewicht eine Fastenperiode von ein bis sechs Stunden auferlegt.

Erstes Ziel dieser Studie war es, die Unschädlichkeit und Wirksamkeit der Narkose bei Verwendung von Isofluran bei juvenilen Psittaziden verschiedener Spezies zu dokumentieren. Zweites Ziel war die Darstellung der Gonaden und umliegenden Organe zum Zweck der Geschlechtsbestimmung und Erkennung jeglicher anatomischen Abweichungen. Drittens die Erhebung morphometrischer Daten und die Durchführung mikrobiologischer Untersuchungen, um einen Eindruck über die körperliche Entwicklung und Besiedlung des Darmes mit Bakterien und Pilzen zu erhalten.

Die Einleitung der Narkose erfolgte über die Maske mit 4 Vol. % Isofluran (Fa. Abbott GmbH Co KG, Wiesbaden) in 2 Liter Sauerstoff je Minute. Nach etwa 60–90 Sekunden war eine ausreichende Narkosetiefe erreicht, die über den Nacken- und Beinmuskeltonus sowie den Zustand der Lidspalte, die bei ausreichender Narkosetiefe geschlossen ist, überprüft wurde. Zur Erhaltung wurde die Narkose auf 1,8–2,5 Vol. % Isofluran in 1 Liter Sauerstoff je Minute herabgesetzt. Es wurde ein starres, elf cm langes Endoskop mit einem Durchmesser von 2,7 Millimetern und einem Blickwinkel von 30 Grad (Fa. Karl Storz GmbH, Tuttlingen, Deutschland) eingesetzt. Zur Beleuchtung diente eine 250-Watt-Kaltlichtquelle und ein Glasfaserkabel (Fa. Optitron srl, Milano, Italien). Zur Dokumentation aller wesentlichen Befunde und zu deren jederzeitiger retrospektiven Auswertung wurden die Untersuchungen über eine Video-Kamera (Fa. Karl Storz GmbH, Tuttlingen, Germany) und einen Video-Rekorder aufgenommen.



Die endoskopischen Untersuchungen wurden alle nach der von TAYLOR (1994) beschriebenen Methode durchgeführt. Die Vögel wurden in rechte Seitenlage verbracht und die Flügel weit nach dorsal gestreckt. Das linke Bein wurde nach kranial gezogen während das rechte Bein in seiner physiologischen Lage verblieb. Die Haut wurde im Zugangsbereich etwas nach kranial verschoben und es wurde ein kleiner Hautschnitt am Kreuzungsbereich der Sehne des Musculus semimembranosus (syn. Musculus cruris medialis) und der letzten Rippe gesetzt. Die Muskulatur der Bauchwand wurde stumpf mit einer anatomischen Pinzette oder einer Mosquito-Klemme (Fa. Eickemeier, Tuttlingen, Deutschland) perforiert. Das Endoskop wurde über den linken kaudalen thorakalen Luftsack eingeführt und anschließend in den linken abdominalen Luftsack vorgeschoben, um zunächst die Gonaden darzustellen.

Zur Geschlechtsbestimmung wurden bei weiblichen Vögeln das linke Ovar, das Ligamentum oviductus und der kraniale Abschnitt des Ovidukts dargestellt. Bei männlichen Vögeln wurde der linke Hoden (ggf. auch der rechte Hoden) sowie der Ductus deferens aufgesucht. Die Gonaden wurden hinsichtlich ihrer Größe, Form, Oberflächenstruktur, Farbe bzw. Oberflächenpigmentierung, Lage im Vergleich zu anderen Organen und Darstellbarkeit der rechten Gonade beurteilt. Der Samenleiter bzw. Eileiter wurde auf Verlauf und Durchmesser im Vergleich zum Harnleiter untersucht. Anschließend wurden stets auch die übrigen, über den kaudalen thorakalen Luftsack zugänglichen Organe der Leibeshöhle untersucht. Die Organe, die bei Verwendung des kaudalen thorakalen Luftsacks als Zugangspunkt dargestellt werden können, wurden hinsichtlich Morphologie und Topographie beschrieben mit dem Ziel, Hinweise auf den physiologischen Entwicklungszustand und auf eine spätere Zuchttauglichkeit zu erhalten. Zur Beurteilung einer späteren Zuchttauglichkeit sollen ebenfalls die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchung und die morphometrischen Daten dienen.
Die folgenden Messungen und mikrobiologischen Tupferproben wurden am narkotisierten Tier entnommen:

(i) Die Länge des Vogels vom leicht gestreckten Kopf bis zur Spitze der längsten Schwanzfeder, (ii) die Flügelspannweite jeweils von der Spitze der rechten bis zur linken 3. Handschwinge, (iii) die Länge des Tibiotarsus und der Ulna, (iv) der Durch-

messer des Tarsometatarsus. Noch während der Narkose wurden Tupferproben aus der Kloake zur mikrobiologischen und mykologischen Untersuchung entnommen.

Nach Abschluß der Untersuchungen wurden die Vögel in ihre Käfige zurückgesetzt und zur weiteren Beobachtung 24 Stunden in der Klinik behalten. Sobald sich die Tiere von der Narkose erholt hatten, wurde ihnen wieder Futter und Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Da keine Komplikationen auftraten, waren weitere postoperative Maßnahmen nicht notwendig.

Allein aufgrund der endoskopisch darstellbaren Gonadenmorphologie konnten 173 Vögel als Hähne und 164 als Hennen identifiziert werden. So konnte das Geschlecht bei 337 (99,1%) der 340 untersuchten Vögel zweifelsfrei bestimmt werden. Bei den drei weiteren Vögeln war eine Geschlechtsbestimmung auf der Basis der makroskopischen Gonadenmorphologie nicht möglich. Bei diesen drei Vögeln waren Biopsien des fraglichen Gewebes mit anschließender histologischen Untersuchung notwendig. Bei einem der drei Vögel ist von einem Zwitter auszugehen, da bei der histologischen Untersuchung der biopsierten Gewebe Strukturen beider Geschlechter gefunden wurden. In der histologischen Untersuchung wurde bei den zwei weiteren Vögeln Ovargewebe vorgefunden, weswegen sie dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen sind.

Die Morphologie und Topographie juveniler Geschlechtsorgane ist Genus-, zum Teil auch Spezies-spezifisch hinsichtlich Größe, Form und Lagerung in Bezug zur Nebenniere und hinsichtlich Grad der Pigmentierung der Oberflächen unterschiedlich.

Die bakteriologischen Untersuchungen der Kloakentupferproben erbrachten bei 58 Vögeln kein Wachstum aerober Bakterien, während bei 282 Vögeln Bakterienwachstum vorzufinden war und in 91 Fällen gelang der Nachweis von Escherichia coli. Lediglich in zwei Tupferproben wurden Hefen vorgefunden sowie in nur einer Probe Kolonien von Aspergillus spp..
Sofern die Untersuchungen von einem erfahrenen Tierarzt durchgeführt werden, ist die beschriebene Methode der Anästhesie und Endoskopie eine sichere und schnelle Methode, um das Geschlecht bei juvenilen Psittaciden zu bestimmen sowie um pathologische Veränderungen an den zugänglichen Organen zu erkennen.
Kurzfassung auf Englisch: The literature on taxonomy and systematics of birds was reviewed, the anesthesia and common methods of sex determination has been described. During September 2004 to January 2005 a total of 340 birds of the order psittaciformes were examined. These birds belong to 37 genera and 4 tribi. All parrots hatched and grew up in the Loro Parque, Tenerife, Spain. During the period of examination the age of the birds ranged from 7 weeks to 9 months. All juvenile birds were physically examined prior to the endoscopies. Based on clinical examination, all birds are supposed to be healthy and were subjected to a fasting period of 1-6 hours, depending on their body weight and size.

The primary objective of this study was to document the innocuity and effectivity of the isoflurane anesthesia in juvenile psittacine birds belonging to different species. Secondly, the examination of the gonads and adjacent organs should provide information on the gender of this birds and on any anatomical deviation of accessible organs. Thirdly, morphometric measurements and microbiological examinations of cloacal swabs should yield data on general physical development and colonization of intestines and cloaca with bacteria and fungi.

Anesthesia was induced by face mask with 4 % isoflurane (Abbott GmbH Co KG, Wiesbaden) in 2 l/min. oxigen. After 60 to 90 seconds surgical plane was reached by assessing the muscle tonus of the hind leg and neck as well as the position of the eyelid, which is usually closed if a sufficient surgical plane is reached. The isoflurane content was then reduced to 1,8-2,5 % isoflurane in one liter oxygen per minute. A rigid endoscope with a diameter of 2,7 mm, a length of 11 cm and an offset angle of 30 ° (Karl Storz GmbH, Tuttlingen, Germany) was used. For visualization, a 250 Watt light source with a glassfibre optical cable (Optitron srl, Milano, Italy) was used. Permanent documentation, storage and later retrival of all essential clinical data and endoscopic images were achieved using a video camera (Karl Storz GmBH, Tuttlingen, Germany) connected with a common VHS videorecorder.




All endoscopies were performed according to a method described by TAYLOR (1994). The birds were placed in right lateral recumbency with the wings extended dorsally. The left leg was flexed cranially, while the right leg maintained in its normal position. The skin at the side of incision was gently stretched foreword and a small cut was made where the Musculus flexor cruris medialis (syn. Musculus semimembranosus) crosses the last rib. The muscles of the abdominal wall were bluntly separated with a small Adson curved tissue forceps or a small curved muscito forceps (Eickemeyer, Tuttlingen, Germany). The endoscope was inserted into the left caudal thoracic airsac and then gently directed into the left abdominal airsac to first visualize the gonads.

For sex determination, the ovary, the ligamentum oviductus and the cranial portion of the oviduct was examined in female birds. In male birds, the testis (occasionally both) and the ductus deferens were examined. The gonads were judged according their size, shape, superficial structure, colour and surface pigmentation as well as their anatomical position in relation to other organs and the ability to visualize the right gonad. The oviduct and ductus deferens were examined according their anatomical position and size in comparison to the size of the ureter. Afterwards, additional organs within the body cavity that can be reached by using the left thoracic cavity as point of entry were visualized. The internal organs in the body cavity which can be explored using the caudal thoracic airsac as point of entry are described according their topography and morphology in attempt to be able to make judgements on the physiological development and reproductive ability of the birds. Also, the microbiological and morphometric data are considered to be helpful to estimations of a future breading capacity.
The following measurements and swab samples were taken on anesthesed birds:

(i) The total length of the body from the slightly stretched head to the longest tail feather; (ii) the wingspan of both extended wings between the tips of the third primaries; (iii) length of the left tibiotarsus and left ulna; (iv) the diameter of the tarsometatarsus. On the still anaesthetised birds, cloacal swabs were taken for bacteriological and mycological examinations.





After the endoscopies were completed, the birds were placed back into their cages and were kept for clinical observation for 24 hours in the clinic. Food and water was offered as soon as the animal recovered from anesthesia. Since complications were never noticed during recovery, rehabilitation measures were not necessary.

Entirely on the basis of endoscopy of gonadal morphology, 173 birds were judged to be males and 164 to be females. Thus, the gender was unequivocally determined in 337 of 340 (99,1%) birds. Three additional birds could not be sexed by gross gonadal morphology. For these three birds, biopsies of questional gonadal tissue and histological examination became necessary. One of the three birds is considered to be a hermaphrodite because structures of both gender were seen in histological sections that were prepared from biopsy material. Histological examination detected ovarial tissue in two birds which is indicative of female gender. The morphology and topography of juvenile sexual organs is genus- and in some cases even species specific regarding size, shape, anatomical position comparing the anatomical position of the adrenal gland and the degree of surface pigmentation of the gonads.

Bacteriological examinations of cloacal swabs yield no growth of aerobic bacteria in 58 birds, detected growth of bacterial in 258 birds and in 91 birds growth of Escherichia coli. Salmonella spp. were never isolated from swabs. Only two swabs contained yeasts and only one swab moulds of the genus Aspergillus spp. The measurements of the juvenile psittacine birds that were of small to medium body weight (range from 27 g to 1206 g) and having a total body length of 14 cm to 82,9 cm indicate for each species values that are comparable to published data.

If performed by an experienced veterinarian, the described method for anesthesia and endoscopy is an accurately and rapid method to determine the gender in juvenile psittacine birds and to visualise any pathologic changes in all accessable organs of the body cavity.