Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, psychosomatische Prädiktoren der Atemwegsinstabilität am exemplarischen Einzelfall einer 25-jährigen Patientin in stationärer Psychotherapie empirisch darzustellen, und die so gewonnenen Erkenntnisse an einem ausgewählten Patientenkollektiv (Pool) zu überprüfen. Dazu wurden neben täglichen Messungen des Peak-Expiratory-Flow (PEF) Stimmungen (Aggression, Aktivierung und Depression als die drei zentralen Dimensionen) und Körperbeschwerden sowie Aspekte des therapeutischen Settings mittels standardisierter Tagebucherhebung registriert. Die Auswertung der so erhaltenen Zeitreihen erfolgte multivariat mittels einer kombinierten Längsschnitt-Querschnitt-Analysemethode (pooled time-series cross-section data analysis). Die oben genannten Variablen erwiesen sich an verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlicher Stärke als signifikante Prädiktoren für die täglichen Schwankungen der PEF-Werte, dem Maß der Atemwegsinstabilität (p jeweils < 0,05). Des weiteren konnte der besondere Einfluss von unbewussten Emotionen auf das Asthmageschehen gezeigt werden, wodurch auch eine Objektivierung des Zusammenhangs von Depressivität und Körperbeschwerden gelang. Jeweils zwischen 14 und 30 Prozent der Gesamtvarianz des Parameters "PEF-Variabilität" ließen sich so mittels verschiedener Modelle erklären (p < 0,01). Außerdem wurde eine Funktion gefunden, mit deren Hilfe der Verlauf dieses Parameters über den Zeitraum der Therapie hinweg beschrieben bzw. vorhergesagt werden konnte.
Die Ergebnisse zeigen neue Möglichkeiten zur empirischen Erfassung der Psychodynamik von Psychosomatosen und zur objektiven Darstellung von Therapieverläufen auf. Diskutiert werden weiterhin die Chancen der multivariaten Zeitreihenanalyse und der Einzelfallaggregation für die Erforschung komplexer psychosomatischer Zusammenhänge.">
 

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Psychosoziale Prädiktoren der Atemwegsinstabilität bei Asthma bronchiale : Eine multivariate Zeitreihenanalyse

Psychosocial predictors of airway-instability in bronchial asthma : A multivariate panel data analysis

Kleine, Riklef


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Brittle Asthma , PEF-Variabilität , Psychosomatische Prädiktoren , Psychotherapieprozess , Pooled time-series cross-section data analysis
Freie Schlagwörter (Englisch): Brittle asthma , PEF-variability , Psychosomatics , Psychotherapy process , Pooled time series cross section data analysis
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Psychosomatik, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.09.2006
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 29.11.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Asthma bronchiale ist eine weit verbreitete Erkrankung, die offensichtlich durch psychische wie auch durch somatische Stressoren beeinflusst wird. Bei psychisch auffälligen Patienten zeigt sich daher auch oft ein besonders schwerer Asthmaverlauf ("Brittle Asthma").
Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, psychosomatische Prädiktoren der Atemwegsinstabilität am exemplarischen Einzelfall einer 25-jährigen Patientin in stationärer Psychotherapie empirisch darzustellen, und die so gewonnenen Erkenntnisse an einem ausgewählten Patientenkollektiv (Pool) zu überprüfen. Dazu wurden neben täglichen Messungen des Peak-Expiratory-Flow (PEF) Stimmungen (Aggression, Aktivierung und Depression als die drei zentralen Dimensionen) und Körperbeschwerden sowie Aspekte des therapeutischen Settings mittels standardisierter Tagebucherhebung registriert. Die Auswertung der so erhaltenen Zeitreihen erfolgte multivariat mittels einer kombinierten Längsschnitt-Querschnitt-Analysemethode (pooled time-series cross-section data analysis). Die oben genannten Variablen erwiesen sich an verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlicher Stärke als signifikante Prädiktoren für die täglichen Schwankungen der PEF-Werte, dem Maß der Atemwegsinstabilität (p jeweils < 0,05). Des weiteren konnte der besondere Einfluss von unbewussten Emotionen auf das Asthmageschehen gezeigt werden, wodurch auch eine Objektivierung des Zusammenhangs von Depressivität und Körperbeschwerden gelang. Jeweils zwischen 14 und 30 Prozent der Gesamtvarianz des Parameters "PEF-Variabilität" ließen sich so mittels verschiedener Modelle erklären (p < 0,01). Außerdem wurde eine Funktion gefunden, mit deren Hilfe der Verlauf dieses Parameters über den Zeitraum der Therapie hinweg beschrieben bzw. vorhergesagt werden konnte.
Die Ergebnisse zeigen neue Möglichkeiten zur empirischen Erfassung der Psychodynamik von Psychosomatosen und zur objektiven Darstellung von Therapieverläufen auf. Diskutiert werden weiterhin die Chancen der multivariaten Zeitreihenanalyse und der Einzelfallaggregation für die Erforschung komplexer psychosomatischer Zusammenhänge.
Kurzfassung auf Englisch: Bronchial asthma is a common bio-psycho-social disease, influenced by psychic as well as by somatic stressors. It was the aim of the present study to demonstrate empirically how psychosomatic parameters interact with airway-instability in a paradigmatic case of a 25-year-old women during ward-based psychotherapy and to compare the findings with pooled data, stemming from 6 unselected patients with brittle ashtma in the same setting. By means of a structured diary type study, peak expiratory flow (PEF), moods (aggression, activation, and depression) and somatic complaints were registered together with crucial aspects of the therapeutic setting. Furthermore, daily variance of PEF was determined as dependent variable. The resulting time series were examinated in a multivariate approach by pooled time-series cross-section data analysis.
The findings showed that all psychosocial variables could be used as significant predictors of daily PEF-variance, but to a different extend (each p < 0.05) and partly with time-lag. Furthermore, the correlation between somatic complaints and depression could be objectified. The different models accounted for almost 14 to 30 per cent of the total variance of PEF-Variability
(p < 0.01). Moreover, a function was found which could be used to describe (and even predict) the course of airway-instability over the therapeutic process. Our findings show new strategies to investigate the psychodynamic process in psychosomatoses empirically and to describe the course of psychotherapy objectively. Furthermore, the potential of multivariate time-series analysis and single-case-aggregation as a mean to demonstrate psychosomatic interrelations is discussed.