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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-35951
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/3595/


Licht- und Transmissionselektronenmikroskopische Untersuchungen an Pulpaersatzgeweben bei cavumeröffneten Milchzähnen

Raslan, Nabih


Originalveröffentlichung: (2006) Giessen : VVB Laufersweiler 2006
pdf-Format: Dokument 1.pdf (19.222 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Kinderzahnheilkunde
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-8359-5082-7
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.09.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 02.10.2006
Kurzfassung auf Deutsch: · Pulpaexponation durch Trauma oder Karies kann zur Bildung von Pulpapolypen oder Pulpaersatzgeweben „Pseudopolypen“ führen. Ziel unserer Studie war es, die histopathologischen Veränderungen des pulpalen Gewebes nach Pulpaexponation bei kariös und traumatisch pulpaexponierten Zähnen zu vergleichen.

· Milchzähne von 28 Kindern im Alter von zwei bis 9 ¾ Jahren, die klinisch Weichgewebe in der eröffneten Pulpakammer zeigten, wurden nach ihrer Extraktion histologisch in vier Gewebeabschnitten (Pulpakammer, koronales-, mittleres- und apikales Wurzeldrittel) untersucht. Die lichtmikroskopische Untersuchung erfasste alle 33 Zähne, zusätzlich wurden 11 Zähne transmissionelektronenmikroskopisch überprüft. Im Einzelnen interessierten die Ausbreitung und Intensität der entzündlichen Reaktionen, der Erhalt des Odontoblastensaumes, das Vorkommen von Nervenfaserbündeln und die regressiven Veränderungen der Pulpa. Des Weiteren wurden die ultrastrukturellen Veränderungen der Polypenoberfläche, der noch vorhandenen Odontoblasten und der Nervenfasern erfasst.

· Die Ausbreitung und Intensität der entzündlichen Infiltrationen wurden anhand einer von uns entwickelten „Cut- Methode“ überprüft und mit Hilfe des Wilcoxon-Tests statistisch beurteilt.

· Es ließen sich 26 Zähne der Gruppe der Pulpapolypen und 7 der Gruppe der Pseudopolypen zuordnen. Während alle 11 traumatisch pulpaexponierten Zähne Pulpapolypen aufwiesen, handelte es sich bei den kariös eröffneten Zähnen um 15 Pulpapolypen und 7 Pseudopolyen. Die Oberfläche der Pulpapolypen war nur in 3 von 26 Fällen epithelisiert. Die entzündlichen Reaktionen nahmen von der Pulpakammer in Richtung des apikalen Wurzeldrittels ab. Statistisch ergaben sich keine signifikanten Unterschiede (p> 0,5) zwischen den entzündlichen Reaktionen der Trauma- und Kariesgruppe. In der Trauma-Gruppe wiesen jedoch 36% (n=4) der Zähne nur vereinzelte bzw. keine Entzündungszellen in der radikulären Pulpa auf (Cut= 1). Darüber hinaus bestand keine Korrelation zwischen dem Zeitabstand Trauma/Extraktion des Zahnes und der Ausbreitung der entzündlichen Infiltrationen.

· Ein vollständiger Odontoblastensaum zeigte sich lichtmikroskopisch häufiger bei traumatisch pulpaexponierten Zähnen. Er ließ sich bei 5 von 11 traumatisierten und lediglich bei 2 von 15 kariösen Zähnen erkennen. Die noch erhaltenen vereinzelten Odontoblasten wiesen ultrastrukturell mehr degenerative Veränderungen auf als die noch im partiellen oder vollständigen Saum befindlichen.

· Bei allen Zähnen mit Pulpapolypen wurden Nervenfasern festgestellt, dagegen nur in einem von 7 Zähnen mit Pseudopolypen. In den Axonen befanden sich häufig Myelinfiguren. Seltener waren in den nervalen Geweben starke degenerative Veränderungen zu sehen.

· Bei allen 22 Zähnen der Kariesgruppe, jedoch bei keinem der Trauma-Gruppe, ließen sich Verkalkungen an den inneren Dentinwänden der Pulpahöhle erkennen. In 30% aller Fälle waren auch Dentikel nachweisbar. In 54% (n= 14) der Zähne mit Pulpapolypen fanden sich Bakterien in der Pulpakammer, jedoch nicht im Wurzelkanal.

· Bei den 7 Zähnen mit Pulpaersatzgewebe („Pseudopolypen“) ließen sich keine Odontoblasten mehr nachweisen. In fünf dieser Fälle bestand jedoch Epithelwachstum an der Oberfläche und in vier Fällen auch entlang der Pulpahöhlenwänden. Die Graduierung der Entzündungssymptome ließ keine Unterschiede zwischen Pulpakammer und Wurzelkanälen erkennen. Bei allen Zähnen mit Pseudopolypen fanden sich Bakterien sowohl in der Pulpakammer als auch im Wurzelkanal.

· Aus den Ergebnissen lässt sich folgern, dass bei 36% (n=4) der Zähne mit traumatischer Pulpaexponation –die Kooperation des Kindes vorausgesetzt- theoretisch noch eine Pulpotomie-Behandlug hätte versucht werden können. Bei kariös pulpaexponierten Zähnen ließ sich jedoch generell die Indikation zur Pulpektomie oder Extraktion bestätigen.
Kurzfassung auf Englisch: Pulpal exposure due to trauma or caries may result in the building of pulp polyp or pulp-replacement tissue (“pseudo-polyp”) in the pulp cavity. The aim of our study was to compare the histological changes in pulp after exposure due to trauma or caries. 33 primary teeth from 28 children aged 2- 9 ¾ years at the time of injury were examined. The teeth exhibited clinically soft tissue in the opened pulp chamber. After extraction, they were studied histologically in four parts (pulp chamber, coronal, middle, and apical third of the root canal). All were examined using a light microscope, a further 11 of the 33 were additionally analysed by means of transmission electron microscopy. The first part of the study was focused mainly on the inflammatory reaction, the appearance of odontoblasts layer and nerve fibre, and the retrospective changes in the pulp. In addition, the ultra-structure changes in the surface of the polyp and the odontoblasts and nerve fibre which were still maintained were studied.

Using a self-developed “Cut-Method” assessment tool, extent and intensity of the inflammatory infiltrations were graded. The results were analyzed statistically by a Wilcoxon-test. 26 cases were classified as pulp polyp and seven as pseudo-polyp. Among the 22 carious pulpal exposed primary teeth, 15 were with pulp polyp and 7 with pseudo-polyp. In contrast, pulp polyp was evident in all of the traumatically pulpal exposed teeth. The surface of the pulp polyp was only in 3 of 26 cases epithelized. The inflammatory reaction was diminished from the pulp chamber towards the apical third of the root canal. Statistically the difference in the inflammatory reaction between trauma and caries groups was not significant (p>0.5). In the trauma group there were only a few scattered inflammatory cells or no cells in the radicular pulp (Cut= 1). No correlation existed between the time interval trauma/extraction of the tooth and the extent of the inflammatory infiltration.

The light microscopy showed a higher presence of an odontoblasts layer in the traumatically pulpal exposed teeth (5 of 11) in comparison with 2 of 15 carious teeth. Ultra-structurally, odontoblasts (when still present but by now intermittently occurring) exhibited more degenerative changes than the cells in partial or complete layers. Nerve fibres existed in all teeth with pulp polyp and only in one of the 7 teeth with pseudo-polyp. Myelin figures were occurring in the axons. Strong degenerative changes in the nervale tissues were seldom. Calcified deposits were present on the inner walls of the pulpal lumen in all of cases of the caries group and in none of the trauma group. In 30% of all teeth, denticles were found. In 54% of the teeth with pulp polyp, bacteria were detected in the pulp chamber, however not in the root canal.

In the seven teeth with pulp-replacement tissue (“pseudo-polyp”), odontoblasts were no longer evident. In five cases epithelium was grown on the surface of the polyp, and along the wall of the pulpal cavity in four of these, too. The intensity of the inflammatory infiltration did not decrease in the root canal. In all the teeth with pseudo-polyp, bacteria were found in the pulp chamber as well as in the root canal.
It was concluded that in 36% of the teeth with traumatic pulp exposure (assuming adequate co-operation of the child) a pulpotomy could have been attempted, whereas in carious pulpal exposed teeth, usual managements of pulpectomy or extraction were indeed indicative.