Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-35920
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/3592/


Der Zusammenhang zwischen den Hormonantworten von Prolaktin, Wachstumshormon und Cortisol auf den Bromocriptin-Challenge-Test und ihre Beziehung zu potentiellen Nebenwirkungen von Bromocriptin

Brüggenolte, Christian


pdf-Format: Dokument 1.pdf (947 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Abteilung Differentielle Psychologie und Diagnostik
Fachgebiet: Medizin fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.09.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 05.10.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit untersuchte im Rahmen einer vom Fachbereich Psychologie durchgeführten Raucher-Deprivationsstudie die Vergleichbarkeit und Aussagekraft verschiedener Hormonantworten auf einen Dopamin-Challenge-Test. Hierzu wurde in Form eines balancierten Crossover-Versuchsplanes unter Doppelblindbedingung Bromocriptin im Vergleich zu Placebo verabreicht. Die hormonellen Reaktionen von Prolaktin (PRL), Wachstumshormon (GH) und Cortisol wurden im Blut gemessen, wobei für PRL ein Abfall, für GH ein deutlicher und für Cortisol ein geringer Anstieg unter Bromocriptin erwartet wurden. Diese Hormonantworten sollten auf ihren Zusammenhang überprüft werden. Desweiteren wurden für Bromocriptin typische Nebenwirkungen mit Hilfe einer Symptomliste erfasst und sowohl auf Zusammenhänge mit der Substanz als auch mit den 3 Hormonreaktionswerten überprüft.

Fragestellung:
1. Werden messbare, signifikante Niveau- und Verlaufsänderungen aller drei Hormonblutspiegel durch Bromocriptin provoziert?
2. Besteht ein Zusammenhang der Hormonverläufe bereits in unstimuliertem Zustand unter Placebo?
3. Ist die Ansprechbarkeit auf Bromocriptin durch gleichsinnige Antworten aller drei Hormonsysteme gekennzeichnet, d. h. kommt es zu Änderungen der hormonellen Zusammenhänge unter dem dopaminergen Challenge-Test?
4. Kommt es unter Bromocriptin zu einer stärkeren Häufigkeit und Intensität von typischen Nebenwirkungen als unter Placebo?
5. Bestehen Zusammenhänge zwischen den erhobenen Nebenwirkungen und den Reak-tionen der 3 Hormone auf die Placebo- und auf die Verumapplikation?

Hierzu wurden 36 männliche Studenten in best. zeitlichen Abstand einbestellt und erhielten entweder Placebo oder 1.25 mg Bromocriptin. Es wurde den Probanden im Abstand von 30 min über einen Zeitraum von 270 min. unter jeder Substanzbedingung Blut entnommen, um darüber die Plasmaspiegel der Hormone zu bestimmen. Ferner füllten sie zu Beginn und am Ende der Untersuchung eine Liste zu körperlichen Symptomen (MKSL) aus.
Folgende Ergebnisse konnten erzielt werden:
1. Unter der Bromocriptinbedingung im Vergleich zur Placeboreihe waren sowohl für PRL (hochsignifikant) als auch für GH (tendenziell) Niveau- und Verlaufsunterschiede nachweisbar, während diesbezüglich bei Cortisol keinerlei von Placebo verschiedene Veränderungen auftraten.
2. Nachdem als so genannte Responsemaße die vom Ausgangswert bereinigten Summenmaße über 8 Messzeitpunkte gebildet waren, um die Korrelation zwischen den Hormonreaktionen berechnen zu können, stellte sich heraus, dass unter der Placebobedingung keinerlei signifikante Zusammenhänge zwischen den 3 Hormonsystemen bestanden.
3. Im Gegensatz dazu traten unter dopaminerger Challenge-Situation durchaus signifikante Korrelationen auf. So ergab sich eine deutliche, negative Korrelationen zwischen GH und Prolaktin, was der Erwartung entsprach. Cortisol korrelierte jedoch in unerwarteter Weise signifikant positiv mit Prolaktin und negativ mit GH, d.h. ein Nichtansprechen von Cortisol auf dopaminerge Stimulation, gekennzeichnet durch den einfachen zirkadianen Abfall, ging mit stärkeren Reaktionen der beiden anderen Hormonantworten einher. Es scheint also das dopaminerge System ursächlich am Zusammenhang der verschiedenen Hormonsysteme beteiligt zu sein, wobei aber dieneurochemischen Wege der Hormonstimulation offenbar nicht in gleicher Weise angestoßen werden.
Ferner hat sich offenbar die Theorie von Swerdlow (1995) nicht bestätigt, die besagt, dass eine dopaminerge Stimulation zu erkennbarer Steigerung des Cortisolspiegels führe.
4. Für die Auswertung der MKSL ergab sich, dass unter Bromocriptin die Bereiche Herzklopfen, Wärme- bzw. Kältegefühl, Mundtrockenheit sowie Übelkeit/ Missempfindungen des Magens keine Steigerung von körperlichen Missempfindungen im Vergleich zu Placebo erkennenließen, so dass man davon ausgehen darf, dass mit einer Gabe von 1,25 mg Bromocriptin eine durchaus hormonell messbare, jedoch nicht unverträgliche Dosierung gewählt wurde.
5. Die Korrelationen zwischen den gewählten Nebenwirkungen und den 3 Hormonsystemen zeigten unter der Placebobedingung einen signifikant negativen Zusammenhang zwischen dem Wärmegefühl und GH, der unter der Bromocriptinbedingung nicht mehr erkennbar war. Jedoch setzte sich offenbar diese negative Korrelation unter der Placebobedingung ebenfalls in der Placebo-bereinigten Bromocriptinantwort durch. Ein hochsignifikanter Zusammenhang ließ sich erkennen zwischen Cortisol und der Magenverstimmung/ Übelkeit unter der Bromocriptinbedingung. In den anderen Korrelationen zwischen den Symptomen und den Hormonen wurden keine Zusammenhänge mit den Symptomen sichtbar, so dass davon ausgegangen werden kann, dass, wenn solche Nebenwirkungen von Bromocriptin bei einigen wenigen Personen aufgetreten sein sollten, diese nicht durch die Hormonantwort verursacht wurden.