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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-31442
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/3144/


Häufigkeit und Genetik einer „besenstielartigen“ Femurkopf - Hals - Formation beim Deutschen Schäferhund im Vergleich zu anderen Rassen unter Berücksichtigung des Einflusses auf den Grad der Dysplasie Messungen zur Größe von Femurkopf und Acetabulum bei verschiedenen Röntgentechniken

Wigger, Antje


Originalveröffentlichung: (2006) Giessen : VVB Laufersweiler 2006
pdf-Format: Dokument 1.pdf (12.671 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere- Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-8359-5075-4
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.07.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 14.08.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der Untersuchungen war es, eine besondere Femurkopf-Hals-Form beim DSH auf ihre Häufigkeit und ihre Ursache hin zu untersuchen. Außerdem wurde überprüft, ob und welchen Einfluss sie auf die HD-Beurteilung nimmt und ob eine genetische Basis für ihr Auftreten vorliegt.
Gleichzeitig liefert die Arbeit Referenzwerte für die Femurkopf- und die Acetabulumgröße beim deutschen Schäferhund auf Röntgenaufnahmen in Position I und II.

Ausgewertet wurden Röntgenbilder von insgesamt 331 Hunden; davon handelte es sich bei 199 Hunden um Tiere der Rasse Deutscher Schäferhund. Eine Vorselektion wurde nicht durchgeführt. Die Hunde wurden in insgesamt 4 Gruppen eingeteilt: Hunde der Rasse DSH mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form (Gruppe 1), Hunde der Rasse DSH mit „normalen“ Femurkopf-Hals-Formen (Gruppe 2), Hunde anderer Rassen mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form (Gruppe 3) und Hunde anderer Rassen mit „normalen“ Femurkopf-Hals-Formen (Gruppe 4).

Es wurde bei allen Hunden die Femurkopf- und Acetabulumgröße bestimmt. Dabei wurde jeweils für jeden Femurkopf und jedes Acetabulum ein Kreis, der annäherungsweise ihrer Größe entspricht, bestimmt, und die Fläche berechnet. Bei 294 Hunden (davon 180 DSH) wurde der Distraktionsindex jeweils für das rechte und linke Hüftgelenk bestimmt. An 333 Gelenken (190 vom DSH) konnte der Antetorsionswinkel berechnet werden.


Die Untersuchungen dieser Studie haben gezeigt, dass die durchschnittliche Femurkopfgröße in Position I in Gruppe 1 bei 4,61 ± 0,58 cm2 lag, in Gruppe 2 lag sie bei 4,75 ± 0,64 cm2 auf. In Position II war die durchschnittliche Femurkopfgröße in Gruppe 1 5,54 ± 0,88 cm2 und in Gruppe 2 war sie 5,68 ± 0,63 cm2.
Die durchschnittliche Acetabulumgröße in Position I lag für die Hunde der Gruppe 1 bei 6,48 ± 0,72 cm2, für die Hunde der Gruppe 2 lag sie bei 6,51 ± 0,78 cm2.

In Position II lag die durchschnittliche Acetabulumgröße für Gruppe 2 bei 6,66 ± 0,97 cm2 und in Gruppe 2 bei 6,92 ± 0,74 cm2.
Sowohl Femurkopfgröße als auch Acetabulumgröße wurden ebenfalls bei den Hunden der übrigen Rassen bestimmt. Da es sich aber um eine sehr heterogene Gruppe handelt, können die hier ermittelten Werte keine Referenzwerte für weitere Untersuchungen darstellen.
Soweit dem Autor bekannt, gibt es bisher keine Untersuchungen über die Größe von Femurkopf oder Acetabulum beim Schäferhund.


Es hat sich gezeigt, dass der Femurkopf bei den Schäferhunden mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form im Vergleich zu Schäferhunden mit „normalen“ Femurkopf-Hals-Formen in Position I signifikant kleiner ist. Da kein signifikanter Unterschied zwischen den Antetorsionswinkeln dieser beiden Gruppen festgestellt wurde, muss davon ausgegangen werden, dass hier eine Femurkopfform vorliegt, die von der Form bei anderen Schäferhunden abweicht. Es konnte auch die Vermutung bestätigt werden, dass die Größenunterschiede in Position II nicht mehr signifikant sind, sondern sich hier in beiden Gruppen die Femurköpfe von vergleichbarer Größe darstellen.

Widerlegt wurden Aussagen von RICHTER (1977) und NOLL (1998), die beim Schäferhund von einem nahezu halbkugelförmig Femurkopf sprechen, weil in beiden Gruppen eine deutliche Zunahme der Femurkopfgröße zwischen Position I und Position II zu verzeichnen ist.

Neben der Verifizierung unserer Vermutung im Hinblick auf die Femurkopfgröße haben die Untersuchungen gezeigt, dass auch das Acetabulum in Position II bei Schäferhunden mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form und den Hunden mit „normalen“ Femurkopf-Hals-Formen einen signifikanten Größenunterschied aufweist. Die Ursachen hierfür sind nicht ganz klar. Die Vermutung, dass, angepasst an die besondere Femurkopf-Hals-Form, auch eine besondere Acetabulumform vorliegt, liegt nahe.


Nicht bestätigt hat sich die Theorie, dass sich besenstielartige Femurköpfe lockerer verhalten als „normale“ Femurköpfe. Der Distraktionsindex wich in beiden Gruppen nicht signifikant voneinander ab. Er lag in Gruppe 1 bei 0,37 ± 0,13 und in Gruppe 2 bei 0, 38 ± 0,21.
Ebenfalls nicht bestätigt hat sich die Vermutung, dass Hunde mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form im Durchschnitt eine bessere HD-Beurteilung erhalten, da die kleineren Femurköpfe tiefer in der Pfanne sitzen als „normal“ entwickelte Femurköpfe und dadurch bedingt u. a. der Norbergwinkel größer ist.


Zuletzt konnte noch gezeigt werden, dass für diese besondere Femurkopf-Hals-Form eine genetische Basis vorliegt. Bedingt durch die zu geringe Tierzahl ist es allerdings nicht möglich gewesen, einen exakten Wert für die Heritabilität anzugeben.


Weitere Forschungen sind notwendig, um auch für weitere Rassen Referenzwerte zu erhalten. Computertomographische Untersuchungen ermöglichen eine räumliche Darstellung von Femurkopf und Acetabulum und können damit dazu beitragen, die genaue Anatomie in diesem Bereich zu verstehen.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study was to evaluate the incidence and the cause of a special formation of the femoral head and neck (“broomstick-like”) of German Shepherd Dogs (GSD). Furthermore, the influence of this special formation of the femoral head and neck on the hip score and the existence of a genetic basis for its appearance has been evaluated.

References to the size of the femoral head and the acetabulum of GSD has been determined on radiographs of the pelvis with the dogs in dorsal recumbency with extended hind legs (position I) and flexed hind legs (position II).

Examinations were carried out on the basis of x-rays of 331 dogs; 199 of them were GSD. There has been no previous selection of the included dogs. The dogs have been divided into four groups: GSD with a broomstick-like femoral head-neck formation (BFNF) (group 1), GSD with a “normal“ looking femoral head-neck formation (NFNF) (group 2), dogs of different breeds with a BFNF (group 3) and dogs of other breeds with a NFNF (group 4).
For all dogs the size of the femoral head and the acetabulum has been determined by calculating the circular area using a circle that is nearly equivalent to the size of the femoral head and the acetabulum respectively.

Additionally a distraction index for the left and the right hip joint of 294 dogs (including 180 GSD) has been calculated. For 333 hip joints (including 190 hip joints of GSD) the antetorsion angle of the femur has been estimated.

The study shows the following results:

The average size of the femoral head in position I is in group 1 at 4,61 ± 0,58 cm2 and in group 2 at 4,75 ± 0,64 cm2. In position II the average size is at 5,54 ± 0,88 cm2 in group 1 and at 5,68 ± 0,63 cm2 in group 2. The study showed an average size of the acetabulum in position I in group 1 of 6,48 ± 0,72 cm2 and in group 2 of 6,51 ± 0,78 cm2.

In position II the average size of the acetabulum in group 1 is at 6,66 ± 0,97 cm2 and in group 2 it is at 6,92 ± 0,74 cm2.
Both the size of the femoral head and the size of the acetabulum have been calculated for the other dogs as well, but due to the heterogeneity of this group these values could not be taken as references for other investigations.

It turned out that the size of the femoral head in position I of GSD with a BFNF (group 1) compared to GSD with a NFNF (group 2) is significantly smaller. Since no significant difference in the antetorsion angles could be found it is most likely that the femoral head of these dogs (group 2) is of a special shape compared to other GSD. The conjecture that the difference in size between the femoral heads of group 1 and 2 in position II is of no significance could be confirmed, the sizes of the femoral heads in both groups are of comparable values.

Theories from RICHTER (1977) and NOLL (1998), speaking of almost semicircular femoral head of GSD, were proved to be wrong, since the size of the femoral head increases from position I to position II.
It was possible to demonstrate that not only the size of the femoral head but also the size of the acetabulum of GSD with a BFNF increases significantly in position II. The same applies for the ones with a NFNF. The reason is not completely understood. It is most likely to be due to adaptation of the acetabulum to the special shape of the femoral head.


The theory that broomstick like femoral heads behave more loose than “normal” femoral heads could not be proved. The distraction index did not differ significantly between both groups. In the group including the GSD with a BFNF it is at
0, 37 ± 0, 13 and for the ones with a NFNF it is at 0, 38 ± 0,21.
Furthermore, it could not be proved that dogs with a BFNF get a better hip scoring, due to the fact that the smaller femoral head is situated deeper in the acetabulum which leads amongst others to a better norberg angle compared to “normal” femoral heads.


In the end it was also possible to show, that there is a genetic base for this special formation of the femoral head and neck. But due to the small number of animals included in this study it was not possible to determine an exact value for the heritability.


Further research is needed in order to get references on the size of femoral head and acetabulum for other breeds. Computertomographic examinations provide a three-dimensional view of the femoral head and the acetabulum and therefore could be helpful to understand the exact anatomic features of this region.