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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-30642
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/3064/


Einfluss von Umgänglichkeitsmaßnahmen auf das Verhalten von Saugkälbern unter besonderer Berücksichtigung von Alter, Rasse und Geschlecht der Tiere sowie Häufigkeit der Maßnahmen

Willecke, Julia


Originalveröffentlichung: (2006) Giessen : VVB Laufersweiler 2006
pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.204 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 3-8359-5040-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.05.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 18.07.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden Arbeit war eine Einschätzung des Temperaments von Saugkälbern mit Hilfe von zwei Testverfahren, die die Bewegungsmöglichkeit der Kälber einschränken. Insbesondere wurde untersucht, ob bei mehrmals durchgeführten Tests bei Kälbern ein Gewöhnungseffekt auf das Verhalten der Kälber erkennbar wird, der sich bei späteren Maßnahmen positiv auswirkt. Weiterhin waren Temperamentunterschiede zwischen den verwendeten Rassen Dt. Angus und Dt. Fleckvieh sowie zwischen männlichen und weiblichen Kälbern Ziel der Untersuchung.


Die Versuche wurden im Jahr 2002 mit 244 Nachkommen von 7 Dt. Angus- und 6 Dt. Fleckvieh-Bullen durchgeführt. Es wurden zwei Testverfahren eingesetzt, die zur Einschätzung des Temperaments geeignet sind: der Anbindetest und der Wiegetest. Nach der Geburt und beim Wiegetest wurde von allen Kälbern das Körpergewicht erfasst. Außerdem wurde bei allen Tests eine Blutprobe zur Ermittlung des Serumkortisolgehaltes entnommen. Mit Kälbern bis zur 5. Lebenswoche wurde bis zu drei Mal der Anbindetest durchgeführt. Der Wiegetest kam ab dem 3. Lebensmonat zur Anwendung und wurde nach dem Absetzen von den Muttertieren wiederholt. Beim Anbindetest wurde das Temperament der Kälber mit einem Score von null bis fünf beurteilt, außerdem wurde die Zeit, die sie sich in Bewegung befanden, erfasst. Während ein Kalb angebunden war, wurde ebenfalls das Verhalten dessen Muttertieres mit einem Score von null bis fünf benotet.

Beim Wiegetest wurden die Art des Ein- und Austritts in bzw. aus der Waage mit einem Score von eins bis drei beurteilt, ebenso wie viel Zeit hierfür benötigt wurde. In der Waage wurde das Temperament mit einem Score von eins bis fünf beurteilt. Weiterhin wurde zu diesem Zeitpunkt der Hornstatus der Fleckviehkälber aufgenommen. Die Temperamentparameter wurden mit Hilfe von Varianzanalysen berechnet.
Bei beiden Tests wurden außerdem Lautäußerungen, Kot- und Harnabsatz erfasst. Diese Parameter wurden rein deskriptiv ausgewertet.


Die Ergebnisse zeigen, dass bei Kälbern bis zur 5. Lebenswoche ein Gewöhnungseffekt an Handlingmaßnahmen auftrat, der aber nicht über einen längeren Zeitraum anhielt. Außerdem stellte sich heraus, dass die Fixierung in einem Fangstand den Tieren mehr Stress bereitet als das Anbinden mit einem Kopfstrick.

Dt. Fleckvieh-Kälber zeigten sich tendenziell schwieriger im Umgang als Dt. Angus-Kälber, was sich in etwas längerer Bewegungszeit beim Anbindetest, etwas schnelleren Fluchtgeschwindigkeiten beim Verlassen der Waage und höheren Kortisolwerten beim Wiegetest äußerte. Ebenso waren weibliche Kälber tendenziell unruhiger als männliche Tiere. Dies äußerte sich in geringfügig längerer Bewegungszeit beim Anbindetest und schnellerem Eintritt in die Waage. Auch hatten sie bei allen Tests tendenziell höhere Serumkortisolkonzentrationen. Zwischen den Nachkommen der einzelnen Bullen waren Unterschiede erkennbar, die auf eine genetische Veranlagung von Temperament hindeuten. Die Behornung der Fleckvieh-Kälber wirkte sich nicht auf das Temperament aus. Die Serumkortisolkonzentration zeigte sich nicht geeignet als Indikator für das Temperament. Kot- und Urinabsatz, sowie Lautäußerungen konnten nur teilweise als Untermauerung des Temperaments erkannt werden.
Weiterhin konnte ein Zusammenhang zwischen der Gewichtsentwicklung der Kälber und deren Temperament dahingehend hergestellt werden, dass schwere Kälber niedrigere Temperamentscores erhielten.

Abschließend lässt sich sagen, dass Gewöhnungseffekte durch einzelne Maßnahmen erzielt werden können. Um langfristig erleichterten Umgang v.a. mit älteren Tieren zu erreichen sind jedoch weitere Versuche notwendig, die z.B. Vergleichbarkeit der Testmethoden und Abstände zwischen den Tests berücksichtigen.
Kurzfassung auf Englisch: It was the aim of the study to evaluate the temperament of suckling calves using two testing methodologies based on restraining calves movements.


Of particular interest was the potential positive adaption of calves behaviour by sequential testing.

The experiments were performed in 2002 with 244 progenies of seven Dt. Angus and six Dt. Fleckvieh bulls at Lehr- und Versuchsbetrieb Rudlos. Two different temperament tests (fixation and squeeze-chute) were used. After birth and during the squeeze-chute-test body weight of all calves was recorded. In addition blood samples were taken in each test to determine the concentration of serumcortisol.


Calves were tested by fixation with a rope up to three times in their first five weeks of life. The Squeeze-Chute-Test was performed once when calves reached about three months and again after they were separated from their mothers. While fixed with a rope, calves temperament was scored from zero to five, further on time in movement was stopped. During fixation of the calves, their mothers temperament was also ranked from zero to five.

During the Squeeze-Chute-Test the way calves walked in the chute and the way they left was scored from one to three. In addition the time they needed to walk in and out was stopped. In the chute, temperament was measured with a score from one to five. Within Dt.Fleckvieh it was noted, if the calves were horned or polled. The temperament parameters were evaluated by GLM-Procedure.
During both tests the sound of the calves, defaecation and urination were recorded. These parameters were only evaluated in a descriptive way.


The results show, that calves habituate to handling up to the age of five weeks, but this effect does not last for a longer period.
Furthermore the results give evidence that fixing in a squeeze-chute stresses calves more than fixing them with a rope.
Dt. Fleckvieh calves tended to be more excitable than Dt. Angus calves, as they moved longer while rope-tested, leaved the squeeze-chute quicker and showed higher cortisol concentrations in the squeeze-chute. Female calves tended to be more excitable than male calves, as they also moved longer during rope-testing moved quicker in the squeeze-chute and showed higher cortisol levels during all tests. There was no difference in Fleckvieh calves temperament if they were horned or polled.
The progenies of the different bulls showed significant differences in temperament indicating a genetic influence in terms of temperament. The concentration of serumcortisol was not useful as an indicator for temperament in this study. Defaecation, urination and sound of the calves were only partially related with temperament.
The growth rate of calves was related with their temperament scores docile animals with low temperament scores grow better than excitable cattle with high scores.

Finally the results show, that habituation to handling is possible by performing it several times. To reach longlasting effects, especially with elder calves, some more measures are needed, for example the comparability of tests and frequency of testing.