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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-29571
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/2957/


Das akute Nierenversagen auf operativen Intensivstationen : Evaluation neuer Frühprädiktoren und Verlaufsparameter

Rohlfing, Thomas Christian geb. Müller


Originalveröffentlichung: (2006) Giessen : VVB Laufersweiler 2006
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.924 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Abteilung Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 3-8359-5051-7
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.06.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 05.07.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit dem akuten Nierenversagen, das nach wie vor zu den häufigen Begleiterkrankungen auf operativen Intensivstationen gehört.

Ein akutes Nierenversagen kann zum einen das Outcome der Patienten erheblich verschlechtern, zum anderen ist seine Behandlung äußerst kostenintensiv.
Ein besonderes Gewicht unserer Untersuchung lag auf der Frage, ob es
Nierenfunktionsparameter gibt, die den bisher routinemäßig verwandten Parametern Kreatinin und Harnstoff hinsichtlich Frühprädiktion und Verlaufsbeobachtung überlegen sind.

Dazu wurde eine prospektive und retrolektive Studie durchgeführt. Das
Patientenkollektiv rekrutierte sich aus den Patienten der operativen Intensivstation des Klinikums der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von den in die Studie aufgenommenen Patienten wurden täglich Blut- und Urinproben gewonnen. Aus diesen Proben wurden dann jeweils folgende Parameter bestimmt und den etablierten Parametern Kreatinin und Harnstoff gegenübergestellt: Im Urin wurden Totalprotein (TP), Angiotensinase A (ATA), N-Acetyl-Beta-D-Glucosaminidase (Beta-NAG) und Alanin-Aminopeptidase M (AAP), in Serum und Urin Immunglobulin G (IgG), Alpha-1-Mikroglobulin (Alpha-1-MG), lösliches Intercellular Adhesion Molecule-1 (sICAM-1) und lösliches E-Selectin (sE-Selectin) bestimmt. Ferner
wurde die Kreatinin-Clearance berechnet. Es stellte sich heraus, dass es tatsächlich mehrere Parameter gibt, die den bisher in der klinischen Routine genutzten Parametern deutlich überlegen sind.

Als Frühprädiktor eines akuten Nierenversagens zeigte sich insbesondere die Alanin-Aminopeptidase A (AAP) im Urin in der Lage, bereits am Aufnahmetag Patienten mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines akuten Nierenversagens im Lauf des Aufenthaltes auf einer operativen Intensivstation mit hoher diagnostischer Sicherheit zu erkennen.

Weitere diagnostisch wegweisende Urinparameter sind sICAM-1 und sE-Selectin, da ihr Vorhandensein im Urin frühzeitig auf eine proximal tubuläre Schädigung und somit auf ein drohendes akutes Nierenversagen hinweist. Immunglobulin G im Urin ließ zwar eine grundsätzliche Eignung als Frühprädiktor erkennen, zeigte sich als praktisch rein glomerulärer Marker jedoch unterlegen. Zudem zeigte sich sE-Selectin im Urin in der Lage,insbesondere kurzfristige Störungen der proximal tubulären Nierenfunktion schnell anzuzeigen und danach rasch wieder in den Normbereich zurückzukehren, so dass es als Verlaufsparameter gut geeignet erscheint.

Die Ergebnisse dieser Studie lassen hoffen, dass durch die Bestimmung von AAP,sICAM-1 und sE-Selectin im Urin in Kombination mit möglichen neuen Therapieansätzen (wie Gabe von Antikörpern gegen ICAM-1 oder E-Selectin beziehungsweise Therapie mit rekombinantem sICAM-1 und sE-Selectin) ein effektiveres Nierenprotektions-Management bei postoperativen und posttraumatischen Intensivpatienten erreicht und so die derzeit noch
hohe Inzidenz des akuten Nierenversagens auf Operativen Intensivstationen in Zukunft deutlich gesenkt werden kann.

Kurzfassung auf Englisch: This study deals with acute renal failure (ARF), which is one of the most common
complicating diseases in operative intensive care units. It affects the patients’ outcome as well as the cost of treatment. Currently, most frequently the renal function is evaluated by measuring creatinine and urea levels in serum. One central aspect of our investigation is whether other parameters in serum and urine might prove more effective in either monitoring
of renal function or early prediction of a threatening acute renal failure.

Hence we made a prospective and retrolective study on patients who were treated in the operative intensive care unit of the Giessen university hospital. Blood and urine samples were taken on a daily basis and the following parameters were measured and compared to the established parameters of creatinine and urea: in urine, we measured total protein (TP), angiotensinase A (ATA), N-acetyl-beta-D-glucosaminidase (Beta-NAG) and alanineaminopeptidase
M (AAP), in serum and urine we evaluated immunoglobuline G (IgG), alpha-
1-microglobuline (Alpha-1-MG), soluble intercellular adhesion molecule-1 (sICAM-1) and soluble E-selectin (sE-Selectin). Furthermore the creatinine clearance was calculated. We found out that several of the tested parameters prove to be more effective in monitoring renal function than creatinine and urea. As an early predictor of acute renal failure, urinary AAP is
able to identify patients at risk of ARF from the first day of intensive treatment. Further diagnostically helpful markers in urine are sICAM-1 and sE-Selectin, since they prove able to indicate proximal tubular damage in an early stage and thus might help to prevent a resulting ARF. IgG in urine displayed a certain useability as an early predictor of ARF too, but as a
glomerular marker was inferior to the parameters mentioned above. Especially urinary sESelectin was able to quickly indicate short-term renal impairment as well as normalization of renal function, thus appering to be a good monitoring parameter.

The regular measurement of AAP, sICAM-1 and sE-Selectin in urine, combined with promising therapeutic options (e.g. therapy with recombiant sE-Selectin and sICAM-1), should help achieve a better regime of renal protection in operative intensive care patients.