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Untersuchungen zur Zyklus- und Graviditätsdiagnostik beim Großen Ameisenbären (Myrmecophaga tridactyla)

Schauerte, Nicole


pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.337 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.12.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 04.05.2006
Kurzfassung auf Deutsch: Ziele dieser Arbeit waren, den bislang unbekannten Zyklusverlauf beim
Großen Ameisenbär mittels genitalzytologischer Untersuchungen exakt
festzulegen und ihn in seinen einzelnen Perioden spezifisch zu
charakterisieren sowie die Möglichkeiten der Graviditätsdiagnose zu
verbessern, die Geburtszeitbestimmung zu präzisieren und die postpartale
ovarielle Funktion zu kontrollieren.

Als Probandinnen standen sechs weibliche Große Ameisenbären von denen fünf Tiere einen regelmäßigen Zyklusverlauf zeigten. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich über eineinhalb Jahre. Bei der täglichen Kontrolle der Großen Ameisenbären ließen sich durch Adspektion, Palpation und Entnahme von Zellmaterial aus dem Vestibulum die Veränderungen im Zyklusverlauf registrieren. Im Verlauf der Beobachtungsspanne konnten so insgesamt 31 Östruszyklen und sechs vollständige Graviditätsperioden erfasst werden. Im Überwachungszeitraum kam es zu sieben Geburten und der Eintritt des ersten Östrus post partum wurde unter differenten Konditionen registriert.

In einer Voruntersuchung wurden zunächst genitalanatomische Grundlagen
geschaffen, um die beim Haushund übliche Untersuchungstechnik für die
Großen Ameisenbären modifizieren zu können.

Mittels vestibulo-vaginaler Abstrichtechnik konnte jederzeit und ohne
Zwangsmaßnahmen oder Sedation der Tiere Zellmaterial aus dem dorsalen
Abschnittes des Überganges von Vestibulum zur Vagina gewonnen werden.
Durch Konditionierung der Probandinnen gelang es, sie an die notwendige
vestibuläre Manipulation zu gewöhnen, so dass sie die Untersuchungen
problemlos ohne Zwangsmaßnahmen während der Futteraufnahme zuließen.
Die schnelle und in jedem Labor durchführbare Eosin-Thiazin-Färbung für die Abstriche hat sich für die Routine-Untersuchung bewährt. Zellformen,
Kernstrukturen und das Zytoplasma ließen sich mit dieser Färbung gut
darstellen. Die auf diese Weise ermittelten Zellformen erhielten eine
bestimmte Zuordnung, erfuhren eine Einteilung nach deren Zellcharakter und
deren prozentualer Anteil am Gesamtzellbild wurde festgelegt. Durch die
tägliche Abstrichnahme wurden so Veränderungen im Zyklusverlauf genau
registriert. Es erfolgte auf dieser Basis die Bestimmung der einzelnen
Zyklusphasen und die Ermittlung der Gesamtzykluslänge.

Der Zyklus des Großen Ameisenbären ist unter den gegebenen
Haltungsbedingungen als asaisonal-polyöstrisch einzustufen.
Weiterhin konnte festgelegt werden, dass für den Zyklus des Großen
Ameisenbären eine Diapedeseblutung im Proöstrus charakteristisch ist. Dabei handelt es sich, ähnlich wie bei Caniden, um eine Aufbaublutung. Die koprologische Bestimmung von Östrogen- und Progesteronmetaboliten
aus zweimal wöchentlich gesammelten Kotproben dient als flankierende Maßnahme zur Überprüfung der zytologischen Befunde. Die Hormonanalyse bestätigt die Ergebnisse der Vestibularzytologie.

Die Kohabitation ist anhand des dichten Spermiennachweises zu
determinieren. Dies dient zugleich für die Berechnung des Geburtstermines.
Drei komplette Graviditäten wurden während des Untersuchungszeitraums
vestibularzytologisch und hormonanalytisch untersucht. Der Geburtseintritt war vestibularzytologisch nicht zu determinieren.

Als Sonderbefund konnte gelten, dass Spermien in geringen Quantitäten in
allen Phasen des Zyklus und auch während der Gravidität gefunden wurden.
Die Graviditätsdiagnostik und –verlaufskontrolle mittels regelmäßiger
sonographischer Untersuchungen wurde ebenfalls in dieser Arbeit etabliert.
Die sonographische Untersuchungsmethode lieferte wertvolle Referenzdaten
für Große Ameisenbären, die auch zukünftig für die Zucht-Optimierung von
großem Nutzen sein werden. Die Manipulationen erfolgten am stehenden Tier. Die per Ultraschall ermittelten Daten wurden mit den Ergebnissen pathologisch-anatomischer Untersuchungen tot geborener und den klinischen Befunden der gesund geborenen Neonaten verglichen. Diese Referenzdaten können bei weiteren sonographischen Graviditäts- Verlaufskontrollen praktisch angewendet und verifiziert werden.

Es zeigte sich in den Untersuchungen, dass die transabdominale Sonographie
für die praktische Anwendung empfehlenswert ist, da damit eine sichere
Graviditätsdiagnostik ab der 12. Graviditätswoche gelingt, wobei bereits ab der 8. Graviditätswoche eine Verdachtsdiagnose gestellt werden kann.
Der Eintritt des ersten Östrus post partum konnte vestibularzytologisch
ermittelt werden. Dabei kamen verschiedene Konditionen zum Tragen, so dass unterschieden werden konnte zwischen erfolgreicher und erfolgloser Jungtieraufzucht.
Kurzfassung auf Englisch: This study aimed to establish the so far unknown reproductive cycle of the
Giant anteater. It included a specific characterisation of the single periods as well as the improvement of the techniques of pregnancy diagnosis, the setting of date of birth and furthermore the postpartal monitoring of the ovary function.
Six female Giant anteaters living in Dortmund Zoo five of them showed a regular cycling pattern. Throughout a period of one and a half year, changes during their cycle were registered by daily visual examination, palpation and sampling of cell tissue from the vestibulum. During this period, 31 oestrus cycles and six complete pregnancies have been monitored. Seven births took place and the beginning of the first oestrus post partum has been registered under different conditions.

In a pre-examination, basic genital anatomic knowledge was acquired to
modify the examination techniques used in domestic dogs for use in the Giant anteater. With vestibulo-vaginal smears, cell tissue was sampled from the dorsal transition from the vestibulum to the vagina. This was possible without physical restraint or sedation of the animals. Conditioning of the six anteaters enabled training on the vestibular manipulation, and the animals tolerated the examination during feeding time. For a routine analysis, the eosin-thiazine staining method proved to be worthwhile as a fast method which can be easily applied in every lab and shows cell form, nucleus structure and the cytoplasm. This allowed classification and characterisation of cells and the determination of their proportion. On this basis, the length of the cycle and its single phases were established.

Thus, under the given husbandry conditions, the Giant anteaters’ cycle is aseasonal and polyoestrous. Similar as in canids the prooestrus is characterised by a diapedesis from the uterine epithelium. In one third of the animals it persisted until the oestrus.

The coprological determination of oestrogen and progesteron metabolites
from scat samples collected twice a week served as a control of and
confirmed the cytological findings as follows.

Cohabitation was determined by the proof of high and dense numbers of sperm cells, which was also used for the calculation of the date of birth.

In this study, three complete pregnancies have been accompanied by
vestibular cytological methods and hormone analysis. The start of birth could not be recognized through vestibular smears. As a side finding low numbers of sperm cells could be documented throughout pregnancy.

Pregnancy diagnosis and monitoring by regular ultrasound examinations were
also established with this study. The valuable references data obtained so far will be of great use for the optimisation of the breeding of captive Giant anteater.

First, a trans-abdominal sonography method was developed considering the
anatomical features of these animals. The ultrasound data were combined with necropsy findings of stillborn anteaters and with clinical findings of healthy newborns. These reference data collected so far can be applied and verified in future examinations. Ultrasonography is recommendable for the practice, because a safe diagnosis can be done in the 12th week, with a first suspect in week eight.

During seven puerperial periods, the first postpartal oestrus could be
determined by vestibular cytological smears. Because of different conditions it was differentiated between successful and unsuccessful rearing of offspring.